Idealismus und Engagement

Landkreis Ostallgäu will Begeisterung für Denkmalschutz wecken

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Ausgezeichnet wurde das Objekt in Westendorf für die Restaurierung der historischen Fassadenmalerei. Eine achtköpfige Fachjury wählte es unter 36 Objekten aus.

Landkreis – Die öffentliche Wahrnehmung des Themas Denkmalschutz ist oft eine zwiegespaltene. „Wir wollen die Wichtigkeit der Erhaltung von landkreisgeschichtlich bedeutsamen Denkmälern ins Blickfeld einer breiten Öffentlichkeit rücken“, betonte Landrätin Maria Rita Zinnecker im Rahmen der Verleihung des Denkmalschutzpreises 2020 im Februar. In der jüngsten Sitzung des Kulturausschusses im Landratsamt Ostallgäu wurden ausgewählte Projekte der diesjährigen Preisträger vorgestellt, Probleme rund um den Denkmalschutz und mögliche Lösungsansätze beleuchtet.

Denkmalschutz-Dilemma

Das Dilemma beim Thema Denkmalschutz bestehe laut Ostallgäus Kreisbaumeister Jakob Lax darin, dass der Erhalt solcher Objekte gemäß Bayerischem Denkmalschutzgesetz „im Interesse der Allgemeinheit“ liege, die Eigentümer sich dadurch aber oft in ihren Grundrechten – der Unverletzlichkeit der Wohnung und freien Entfaltung des Eigentums – eingeschränkt sehen. Das führe nicht selten zu Diskussionen. Im Gesetz ist verankert, dass die Eigentümer ihre Baudenkmäler instand halten und vor Gefährdung schützen müssen, „soweit ihnen das zuzumuten ist“. Viele Probleme würden aus Unwissenheit entstehen, so Lax, weil sich wenige mit dem Denkmalschutz auskennen. Zum Beispiel, wenn es um „Nähefälle“ gehe, denn „praktisch alle Maßnahmen an und in der Nähe von Denkmälern bedürfen der Erlaubnis“, erläutert Lax. 

Das allgemeine Verständnis für den Denkmalschutz sei in der Bevölkerung durchaus da; oft fühlen sich die Menschen mit den Objekten in der Region verbunden – wenn es aber um das eigene Eigentum gehe, höre das Verständnis oft auf. Dann heiße es: „Denkmalschutz gerne, nur nicht bei mir“, brachte Lax die Problematik in seinem Praxisbericht näher. Der hohe finanzielle Mehraufwand und persönliche Einsatz, der mit einem solchen Projekt verbunden ist, schrecke viele Leute ab. Dabei stünden die Eigentümer nicht allein da, betont Lax, denn neben der Beratung gebe es Möglichkeiten der finanziellen Förderung. Lax warb in diesem Sinne für mehr Verständnis in der Bevölkerung und ein verstärktes Bewusstsein für das Thema. Gemeinsam wolle man sich darum bemühen, ein „positiveres Image“ aufzubauen und nach draußen zu transportieren. Denkmalfahrten sollen laut Zinnecker zum Beispiel dazu beitragen, „Motivation und Begeisterung zu entfachen“.

Ausgezeichnete Beispiele

Wie gut Denkmalschutz gelingen kann, verdeutlichen in diesem Jahr 36 Objekte, ausgewählt von einer achtköpfigen Fachjury, die der Landkreis Ostallgäu mit dem Denkmalschutzpreis und Geldpreisen in Höhe von 250 bis 1000 Euro bedachte. Dass die Eigentümer sich „mit viel Idealismus und außerordentlichem Engagement“ dem Erhalt und der Sanierung historischer Gebäude widmeten, hob die Land­rätin lobend hervor. Der Preis soll auch andere private Eigentümer von Denkmälern anspornen, diese ebenso engagiert für nachfolgende Generationen zu bewahren. 

Das historische Bauernhaus in Irsee zählt zu den diesjährigen Preisträgern.

Die Objekte erzählen vielfältige Geschichten: Für ein schon verloren geglaubtes Denkmal in Halblech, eines der ältesten Bauernhäuser seiner Art im Ostallgäu, hat der Eigentümer Klaus Schmid die bayerische Denkmalschutzmedaille erhalten. „Mit viel Leidenschaft“, so Lax, hat er das Objekt in unzähligen Arbeitsstunden instandgesetzt. Nachträglich in die Denkmalliste eingetragen wurde ein historisches Bauernhaus in Irsee, das der Eigentümer selbstständig saniert hat. Dass es sich bei dem Objekt um ein verstecktes Schmuckstück handelt, hatte er „ohne jegliche Unterstützung erkannt“. Ein Beispiel dafür, wie gebautes Kulturerbe lebendig bleiben kann, ist das Häringer-Heimathaus mit ehemaligem Dorfladen in Unter­thingau, das gemeinsam mit der Unterstützung der Bürger aufwendig renoviert wurde.

von Mahi Kola

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