Imam Idriz wirbt in Kaufbeuren für friedliches Miteinander der Religionen

"Moscheen sind willkommene Orte"

+
Benjamin Idriz, Imam der Penzberger Islamischen Gemeinde, erzählte von seinen Vorstellungen eines Zusammenlebens von Islam und Christentum und sprach sich für eine plurale Gesellschaft aus.

Kaufbeuren – Ein breites Veranstaltungsbündnis, bestehend aus allen Kaufbeurer Kirchen, dem Bündnis für Flüchtlinge, der Türkisch-islamischen Gemeinde in Kaufbeuren, des Kaufbeurer Integrations- und Bildungsverein und der Süleymanye Moschee Kaufbeuren hatte im Rahmen des „Festivals der Vielfalt“ in Kaufbeuren zu einem Vortrag zum Thema „Moscheen in der Nachbarschaft“ eingeladen.

Zum Vortrag wurde der Imam Benjamin Idriz, der Vorsteher und Vorbeter der Penzberger Islamischen Gemeinde, eingeladen. Pastoralreferent Michael Rösch von der Katholischen Pfarreiengemeinschaft Kaufbeuren begrüßte etwa 60 interessierte Bürger.

Idriz – geboren in Mazedonien, Studium in Damaskus und seit 1995 Imam in Penzberg – kam in seinem Vortrag schnell auf das Ergebnis der aktuellen Bundestagswahl zu sprechen und forderte, konsequent gegen alle Arten von Radikalismus und Terrorismus von Rechts und Links vorzugehen. „Diese Wahl ist für uns ein Weckruf, uns für die Demokratie einzusetzen“, sagte Idriz. Zum Thema Islam wünschte sich der Imam, dass die Politik mehr das Ermutigende in den Vordergrund stelle: „Islam wird mit Terrorismus gleichgesetzt und Muslime sind ständig einem Rechtfertigungsgrund ausgesetzt“. Aber auch Muslime müssten sich gegeneinander öffnen und sich einbringen in ein Bekenntnis zum (deutschen) Grundgesetz. 

Idriz forderte in gut verständlichem Deutsch und mit ruhigem Auftreten, sich für ein friedliches Miteinander einzusetzen und der Unterdrückung der Frau entgegenzutreten. Heftiger wurde er dann bei dem Hinweis, dass Realitätsverweigerung keine Lösung sei, wenn sich manche wünschen würden, dass Muslime wieder weggehen aus Deutschland: „Das wird nicht eintreten“. Vom Lernen in der Moschee berichtete Idriz, dass man von Mohammed lerne, aber ebenso von Moses und Abraham, genauso wie Christen auch. „Aber auch wir Muslime müssen aufpassen, richtig zu übersetzen“, sagte Idriz. So sei der Koran genau übersetzt nicht gegen Andersgläubige, wohl aber gegen Ungläubige. In einigen Fotos zeigte Idriz die Penzberger Moschee als offenen, „willkommenen Ort“, in dem die Gemeinde die Menschen begleite, von der Geburt bis zum Tod. Dazu passe eben keine Hinterhof-Moschee, weshalb man 2005 die neue Moschee in Penzberg gebaut habe, die in seiner Architektur ohne Kuppel und ohne Minarett keinen Unterschied zu öffentlichen Gebäuden mache.

In der anschließenden Diskussionsrunde kam Idriz auch auf die große Lücke an deutschsprachigen Vorbetern zu sprechen und forderte mehr Ausbildung von Imamen in Deutschland. An sechs Universitäten würden derzeit 860 Studenten den Islam studieren und dann in den derzeit 2.700 Moscheegemeinden in Deutschland als Imame zur Verfügung stehen. Auf Nachfrage aus dem Publikum erklärte Idriz: „Dass die Türkei die Moscheen bezahlt, ist eine Lüge“. Die Türkei bezahle die Imame. Das sei ihm lieber als gar keine: „Wir werden das Fehlen der deutschsprachigen Imame in den nächsten zehn Jahren überwinden“. 

Gleichzeitig forderte er einen friedlichen Umgang unter den Muslimen und schilderte auch Veränderungen in seiner Penzberger Gemeinde durch eintreffende Flüchtlinge, die man gerne aufnehme, die aber auch andere Rechtsschulen und Sitten mitbrächten. „Wir dürfen nicht in Gottes Namen kämpfen, sondern müssen in Gottes Namen die Kämpfe beenden“, antwortete er auf die Frage nach den religiösen Kämpfen im Nahen Osten. „Wir sind zufrieden mit der Religion in diesen Ländern, aber nicht mit der Politik“, meinte Idriz. „Deshalb sind wir froh, in Deutschland leben zu dürfen“.

Am 3. Oktober gibt es beim „Tag der offenen Moschee“ in Kaufbeuren für interessierte Bürger die Möglichkeit sich selbst ein Bild über das Leben in und um eine Moschee zu machen. Von 11 bis 18 Uhr sind alle Interessierten in die Moscheen in der Augsburger Straße  15 und Danziger Straße 9 eingeladen. Zum geplanten Neubau einer Moschee in Kaufbeuren gibt es eine Bürgerversammlung am 13. November ab 19.30 Uhr im Stadtsaal.

von Wolfgang Krusche

Auch interessant

Meistgelesen

Ein Herz für andere
Ein Herz für andere
Ein wertvoller Fund
Ein wertvoller Fund
Dank an Ehrenamtliche
Dank an Ehrenamtliche
Sprühender Sportsgeist
Sprühender Sportsgeist

Kommentare