"Disziplin und Ordnungssinn"

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Reich bepackt mit frischen Pollenhöschen kehren die fleißigen Sammlerinnen in ihren Bienenstock zurück.

Obergünzburg – Keine Nachwuchssorgen hat derzeit der Imkerverein Günztal. Das wurde auf der jüngsten Hauptversammlung des Imkervereines deutlich. Allein im letzten Jahr bis heute hätten sich 13 Anfänger für dieses interessante Hobby begeistert.

Sie alle werden tatkräftig und finanziell unterstützt vom Verein und von der Marktgemeinde Obergünzburg, die Schülern und Azubis jeweils ein Bienenvolk als Starthilfe spendierte, so der Vereinsvorsitzende Fritz Haas. Dadurch sei die Mitgliederzahl auf 90 angestiegen; 66 aktive Imker und 24 Fördermitglieder betreut der Verein. Bei der Gründung im Jahr 1996 durch den Zusammenschluss der Vereine Ronsberg und Obergünzburg waren es insgesamt noch 38. 

Damit steht der Günztaler Verein an dritter Stelle im Ostallgäu. 379 Bienenvölker werden von den 66 Aktiven betreut und erweisen der Natur einen unschätzbaren Dienst, denn die Bienen sind Hauptbestäuber aller Obstsorten, Nutz- und Wildpflanzen und „bereichern unseren Tisch zusätzlich mit wertvollem Honig”, so Haas. 

Im Durchschnitt werden 5,7 Völker pro Imker betreut, etwas weniger als in den letzten Jahren, da Anfänger mit geringerer Völkerzahl starten. Das Durchschnittsalter der Aktiven beträgt 53 Jahre. Wichtige Hilfe für den Verein seien die Beiträge der Fördermitglieder, durch die der Verein finanziell gut aufgestellt ist. Lehrbücher und -videos werden laut Haas damit beschafft und ausgeliehen, „so bleibt das imkerliche Fachwissen immer auf dem neuesten Stand”. 

Bürgermeister Lars Leveringhaus hob in seinem Grußwort im vollbesetzten Schwanensaal die Wichtigkeit der Imkerei hervor, besonders die vielfältigen Aktivitäten des Günztaler Vereines und dessen Nachwuchsbetreuung. Nach den letzten drei Jahren, die eine sehr bescheidene Honigernte einbrachten, hoffen die Imker um Fritz Haas nun auf bessere Zeiten. 

Nach dem milden Winter 2013/2014 und dem folgenden Frühjahr sah es zunächst vielversprechend aus, doch der kalte, verregnete Mai und die Kälteeinbrüche im Juni und Juli brachten die Enttäuschung – die Honigeimer blieben leer. Dies war das Resümee, das Vorstand Fritz Haas in der Hauptversammlung ziehen konnte. 

Der Kampf gegen die Varroamilbe erfordere weiterhin die volle Aufmerksamkeit der Imker. Haas brachte die verschiedenen Bekämpfungsmöglich- keiten und -techniken in Erinnerung um den Schädling übers Jahr in Schach zu halten. Die erforderlichen Heilmittel konnten während der Versammlung bestellt werden. Als Ansprechpartner für Bienengesundheit stellten sich Michael Dreiling und Robert Himmel den Imkern zur Verfügung. 

Zum Ehrenmitglied wurde Johann Nett, Ronsberg, vom Landesverband Bayerischer Imker e.V., für 50 Jahre Mitgliedschaft ernannt und für seine Verdienste um die Imkerei geehrt. Zusammen mit dem Dietmannsrieder Verein wird auch heuer ein Zwei-Tages-Ausflug am 6. und 7. Juni nach Südtirol zu verschiedenen imkerlichen Highlights angeboten. 

Hauptpunkt der Versammlung war der Vortrag von Donat Waltenberger „Ratschläge und Beobachtungen rund ums Bienenvolk“. Seit über 50 Jahren ist Waltenberger bekannt als Autor und Dokumentarfilmer von zahlreichen Bienen-Lehrfilmen und exzellenten Vorträgen zu diesen Themen. Er ist Träger von zahlreichen Auszeichnungen, unter anderem des Bundesverdienstkreuzes und der Zandermedaille in Gold. Über 50 Jahre war er Vorsitzender des Kreisverbandes Unterallgäu und arbeitete zusammen mit den Bienenforschern Prof. Dr. Martin Lindauer und Prof. Dr. Karl Daumer. 

Er verglich ein Bienenvolk mit einer durchorganisierten Wirtschaftsmacht, in der perfektes Management, Disziplin und Ordnungssinn wichtige Erfolgskomponenten sind. Er stellte seine Betriebsweise vor und gab wertvolle Tipps zur Auswinterung der Völker. 

Die Völker müssten jetzt auf ausreichenden Futtervorrat überprüft werden, denn die neu angelegte Brut benötige 35 Grad Celsius Wärme im Stock und die könne nur durch ausreichendes Futter von den Bienen erzeugt werden. 60 bis 70 Prozent werden allein für diese „Heizung“ benötigt, so der Bienen-Experte. Pollennahrung aus den ersten Blüten von Weide, Erle und Haselnuss sei wichtig zur Ernährung der ersten jungen Bienen, deren Volksstärke von circa 8000 bis 10.000 im Winter auf etwa 40.000 bis 50.000 im Sommer anwächst. 

Wer sich für dieses interessante und anspruchsvolle Hobby interessiert, erhält beim Imkerverein Günztal Starthilfe. Eine große Auswahl an Lehrbüchern und Videos stehen zur Verfügung. Zusätzlich gibt es eine staatliche Anfängerförderung. Auskunft bei Fritz Haas, unter Tel. 08372/7810 und Gerd Ullinger unter Tel. 08372/2003. 

Die Imkerschule Schwaben in Kaufbeuren-Kleinkemnat bietet zahlreiche Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene an. Infos unter www.imkerschule-schwaben.de und weitere auch auf www.lwg.bayern.de/bienen/, www.lvbi.de und www.deutscherimkerbund.de.

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