Industriegebiet durch die Hintertür?

Marktoberdorfer Grüne machen Gewerbegebiet Saliterstraße zum Thema

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Die Firma Hubert Schmid möchte die 13,5 Hektar große Kiesgrube an der Saliterstraße baulich entwickeln. Dies war Anlass für die Grünen Marktoberdorfs, sich mit den Anwohnern auszutauschen.

Marktoberdorf – „Man kann betroffene Anwohner nicht einfach vor vollendete Tatsachen stellen“, fasste GreenRoom-Gastgeber Robert Herbst die Sorgen der Bürger zusammen, die sich zum offenen Austausch mit den Grünen vergangene Woche in Marktoberdorfs neuem Coworking-Büro eingefunden hatten. Anlass war dabei die klare Positionierung der Grünen-Stadtratsfraktion zur geplanten zukünftigen Nutzung des Gewerbegebiets in der Saliterstraße.

Wie bereits berichtet, möchte die Firma Hubert Schmid die 13,5 Hektar große Kiesgrube im Süden Marktoberdorfs baulich entwickeln. Geplant sind vier große Hallen auf unterschiedlichen Ebenen. Vor allem die Dimensionen der Hallen sowie die Belastung durch Lärm und Immissionen bereiten vielen Anwohnern Sorge. So trafen 20 Bürger aus den anliegenden Wohngebieten auf sieben Mitglieder der Marktoberdorfer Grünen, darunter auf die zwei Stadträte Georg Martin und Christian Vavra. Diese sprachen sich für die Nachnutzung der belasteten Gewerbebrache, jedoch für Nachbesserungen des vorliegenden Planentwurfs aus.

Bereits die Vorstellungsrunde machte deutlich, wie groß die Sorgen der Bürger sind und wie wenig sie sich seit dem einstimmigen Aufstellungsbeschluss im Dezember 2014 gehört fühlten. Die jahrelangen Belastungen durch den Staub und Kiesabbau ist den Bürgern noch in schlechter Erinnerung. Große Zweifel bestanden darüber, ob das Gewerbegebiet wegen der umliegenden Wohnbebauung überhaupt zulässig sei. Daher wurde auch vielfach der Wunsch nach einer städtebaulichen Bewertung des gesamten Grundstücks geäußert.

Grünen-Stadtrat Georg Martin stellte klar: „Wenn ein unabhängiges Ingenieurbüro die potenzielle Lärmbelästigung prüft und für rechtmäßig und unbedenklich in diesem Gebiet befindet, dann verlasse ich mich darauf!“ Er sei weiterhin für das Gewerbegebiet. Dem trat Professor Dr. Werner Rücker, auch Anwohner und Vorsitzender zuständiger Normungsgremien für den Immissionsschutz, entgegen: „Die geplante erhebliche Erweiterung des Gewerbegebietes mit Anlagen und Fahrverkehr ist aus meiner Sicht aus immissionsschutzrechtlichen Gründen unzulässig.“ Jörg Schneider, Bürgermeisterkandidat bei den Grünen und auch Anwohner des Gewerbegebietes, wünschte sich, Spezialisten wie Werner Rücker mit ihrem Fachwissen bei solchen Bewertungen stärker einzubinden. „Wir haben die Kompetenz am Ort, nutzen wir sie auch.“

Grünen-Sprecherin Clara Knes­tel führte aus, dass der Ortsverband zur Vorbereitung auf das Gespräch auch den Kontakt zur Firma Hubert Schmid gesucht hätte. Bei einem Treffen mit der Geschäftsführung sei deutlich geworden, dass die tatsächlichen An- und Abfahrten an Lkws weit geringer seien als die in dem Gutachten als zulässig beschriebenen 500 An- und Abfahrten pro Tag. Das jetzige Betonteilewerk bedinge bisher rund 300 Lkw-Fahrten pro Jahr und werde durch die Verlagerung und den angestrebten Ausbau der Produktion möglicherweise doppelt so viele Lkw-Transportfahrten benötigen. Auf den Tag heruntergebrochen seien diese Fahrten aber überschaubar und für die Anwohner keine unzumutbare Lärmbelästigung.

Doch die Bürger meldeten Misstrauen an. „Wir wollen nicht, dass aus einem Gewerbegebiet durch die Hintertür ein Industriegebiet wird“, sagte zum Beispiel Bernhard Meier. Das neue Betonfertigteilewerk sei doppelt so groß geplant wie das bestehende und hochmodern. „Die mögliche Produktionskapazität wird man über die Jahre sicherlich ausreizen“, befürchtete Meier, „und übertrifft dann das bisherige veraltete Werk um Faktoren.“

Grünen-Stadtrat Christian Vavra wies darauf hin, dass mit Vorgaben zur Bauausführung (Schallschutz), Einschränkung von Betriebszeiten und Verkehrsführung ein für die Anwohner akzeptables Ergebnis erzielt werden könne. Nicht nur in Marktoberdorf grenzten Industriebetriebe direkt an Wohnbebauung an. Im Norden der Stadt funktioniere der Anwohnerschutz durch ein Fahrverbot für Lkw sehr gut. „Die Anregung, einen Nahversorger oder Wertstoffhof dort mit zu integrieren, finde ich interessant”, so Vavra abschließend.

von Angelika Hirschberg

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