Kaufbeurer Vereine fordern "Runden Tisch" für Sanierungskonzept

Sportstätten: "erschreckende Zustände"

+
Schlechte Noten für Kaufbeurens Sportstätten vergab Sportreferentin Monika Mayer bei ihrem Vortrag in der vergangenen Woche.

Kaufbeuren – "Ein Sportstätten-Entwicklungsplan (SEP) muss her!" so die einhellige Meinung der vielen Kaufbeurer Vereinsmitglieder und -leiter, die zum Themenabend der SPD gekommen waren. Denn der Schuh drückt hier an so mancher Stelle –nicht nur beim "teilweise katastrophalen Zustand", sondern auch bei den Nutzungsbedingungen.

„Die Toiletten und Duschen in den Sportanlagen sind zum Teil in einem katastrophalen Zustand“, so Monika Mayer in einem Vortrag über die Situation in Kaufbeurer Sporthallen und Sta- dien. Doch das war nicht die einzige Erkenntnis an diesem von der SPD veranstalteten Informationsabend, zu dem alle Sportvereine eingeladen waren. Die Vorstände mehrerer Vereine sagten deutlich, wo ihnen der Schuh drückt. Einig waren sich jedoch vereinsübergreifend alle, dass – beginnend mit einem „Runden Tisch“ – ein sogenannter „Sportstättenent- wicklungsplan“ (SEP) auf den Weg gebracht werden müsste. 

In einem Impulsreferat zum Thema „Bewertung der Kaufbeurer Sportanlagen aus sportfunktioneller Sicht“ ging Monika Mayer als Basketball-Schulsportreferentin für den Bezirk Schwaben auf die bestehende Situation insbesondere der Sporthallen ein. Sie habe in den vergangenen 25 Jahren als Spielerin, Übungsleiterin, Trainerin oder Schiedsrichterin viele Sportstätten kennengelernt. „Ich muss aber sagen, dass solche Zustände, wie ich sie in Kaufbeuren kenne, in anderen Städten nicht so krass empfunden habe“, so die Aussage der Sportfunktionärin, „erschreckend muss ich zusehen, wie der Zustand der verschiedenen Turnhallen ist.“ 

Sanierungsstau 

Nach ihren Worten gebe es viele Turnhallen, die in den 60er oder 70er Jahren gebaut worden wären. Der Großteil dieser Hallen sei sanierungsbedürftig, die Sanitäranlagen, Umkleidekabinen sowie der Prallschutz und der Hallenboden veraltet. Beispielhaft nannte Mayer die Toilettenanlagen an der Turnerstraße (BSK) oder die Dusch- und Umkleidekabinen in der Schraderhalle, Beethovenschule oder bei der SpVgg Kaufbeuren. Aufgrund des Sanierungsstaus und der geringen finanziellen Mittel hält sie es für erforderlich, in Zukunft für alle Sanierungsmaßnahmen eine Prioritätenliste zu erstellen, damit die Mängel systematisch abgearbeitet werden können. Ein sogenannter SEP (siehe unten) böte dabei langfristige Planungssicherheit für alle Beteiligten. 

Viele Vereine betroffen 

Mayer brach eine Lanze für das bürgerschaftliche Engagement im Sport und richtete einen Appell an alle Betroffenen: „Nur das konstruktive Zusammenwirken zwischen Politik, Verwaltung, den Kreisfachverbänden und Vereinen sowie anderen Beteiligten am Sportleben ist Garant für erfolgreichen und akzeptierten Sport in unserer Stadt.“ Mayer strich die Bedeutung des ESVK und den erforderlichen Neubau heraus. Doch man dürfe auch die vielen Vereine in Kaufbeuren und Neugablonz nicht vergessen, die in alten sanierungsbedürftigen Hallen täglich trainierten und wo „Energie zum Fenster rausgeschmissen wird“. 

Vereine klagen 

Nach dem Vortrag entstand eine zum Teil lebhafte Diskussion. Vorstand Karl Eichinger vom Tauchclub Atlantis in Kaufbeuren stellte fest, dass sein Verein für die Nutzung der Schwimmhalle 770 Euro pauschal zahlen müsse, obwohl an vier Samstagen eine Nutzung nicht möglich sei. Auch seien kurzfristige Sperrungen möglich, sodass die aus dem ländlichen Raum zum Training erschienenen Mitglieder unverrichteter Dinge wieder gehen müssten. Isidoro Peronace vom DJK bemängelte, dass nach dem geplanten Abriss der Schraderhalle lediglich eine Einfachturnhalle gebaut werde. Es gebe praktisch keine Hallenzeiten mehr zum Training für den Basketball. Heinz Burzer von der SpVgg Kaufbeuren stellte fest, dass das Parkstadion entgegen mancher Äußerung nicht nur von seinem Verein genutzt werde. Er stimmte „voll für den SEP“ und einen runden Tisch mit allen Vereinen ohne Konkurrenzdenken – „sportlich fair“! 

Ausdrücklich sah er den ESVK als „Image-Träger“, den alle Vereine bräuchten. Andreas Settele vom ESVK war zwar für einen SEP, sah aber für die Situation seines Vereins in der Umsetzung ein zeitliches Problem. Er betonte, dass über 90 Prozent seines Vereins ehrenamtliche Tätigkeit im Breitensport ausmache. Außerdem habe die Eissporthalle noch andere Nutzer. Wolfgang Heinlein vom TV Kaufbeuren wehrte sich gegen ein „Ausspielen der Vereine gegeneinander“ und eine Bewertung von Sportarten. Im Übrigen seien Vereinspartnerschaften mit anderen Städten nur mit entsprechenden Sportstätten möglich. Auch das „Totschlagargument: „Ihr zahlt ja nichts“ könne er nicht mehr hören. 

Ralf Trinkwalder vom DAV stellte die Frage nach den Investitionen der Kommune für die Vereine – mache man Schulden oder gebe es zukünftig Einschnitte? Die Idee für einen „Runden Tisch“ unterstützte er ebenfalls ausdrücklich. Seitens der Politik stellte SPD Stadtrat Ralf Nahm fest: „Es ist eine Mär, dass die SPD gegen den ESVK ist.“ Ein Antrag seiner Fraktion auf einen SEP sei im September 2013 im Stadtrat mehrheitlich abgelehnt worden. Cat- rin Riedl ergänzte, dass ein SEP bei der Beantragung von Fördergeldern jedoch zwingend erforderlich sei. von Wolfgang Becker

Infos zum SEP

Elemente eines Sportstättenentwicklungsplanes (Auszug) 

1. Rahmenbedingungen klären (Ausgangslage, demografische Entwicklung) 

2. Entwicklungsdesign anlegen (Planung, Zeitabläufe, Ziele) 

3. Leitbild und Maßstäbe gemeinsam entwickeln 

4. Sportinfrastruktur erfassen 

5. Bevölkerung fragen 

6. Sportvereine fragen 

7. Mit Experten diskutieren 

8. Entwicklungsszenarien erstellen 

9. Masterplan entwickeln (kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen, u. a. „was, wann, wer“)

Auch interessant

Meistgelesen

Mit dem Kreisboten die besten Sommerferien aller Zeiten erleben
Mit dem Kreisboten die besten Sommerferien aller Zeiten erleben
Neuer Lebensabschnitt wartet
Neuer Lebensabschnitt wartet
Kurs steht wohl auf Neubau
Kurs steht wohl auf Neubau
Zehntklässler der Mittelschule Germaringen verabschiedet
Zehntklässler der Mittelschule Germaringen verabschiedet

Kommentare