„Barriere in Köpfen abbauen“

Inklusion: Ostallgäu mit Aktionsplan „Gut leben inklusive“

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Übergabe des Signet „Bayern barrierefrei – Wir sind dabei!“ durch Sozialstaatssekretär Johannes Hintersberger an Landrätin Maria Rita Zinnecker (2. v. li.). Im Bild auch Irmgard Badura (2. v. re.), Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung und Waltraud Joa, damalige Beauftragte des Landkreises Ostallgäu für Menschen mit Handicap.

Ostallgäu – Es ist leider eine Tatsache, dass sich für Menschen mit persönlichen Einschränkungen häufig der Zugang in der gesellschaftlichen Teilhabe schwierig gestaltet. Mit dem 2016 vom Ostallgäuer Kreistag beschlossenen kommunalen Aktionsplan „Gut leben inklusive“ soll diese Teilhabe verbessert werden.

Und die Lebensqualität von Menschen mit einer Behinderung soll gesteigert werden.

„Wir müssen die Barrieren in den Köpfen abbauen“, sagte Landrätin Maria Rita Zinnecker. Dazu gehören der Abbau von Barrieren im Alltag und die Chance, ein möglichst eigenständiges Leben zu führen. Den aktuellen Sachstand der Umsetzung stellte Dr. German Penzholz als kommunaler Inklusionskoordinator dem Ausschuss für Soziales in einer ausführlichen Präsentation vor.

Aktuell haben etwa zehn

Millionen Menschen in Deutschland eine Behinderung, deren Ausprägung vielfältig sein kann. Im Landkreis Ostallgäu sind es über 15.000 und knapp die Hälfte ist über 65 Jahre alt. Bereits 2009 war die vom Bundesrat ratifizierte UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) in Kraft gesetzt und mit einem nationalen Aktionsplan bis auf die Länderebene auf den Weg gebracht worden. 2016 startete der Landkreis unter dem Motto „Inklusion = alle leben zusammen, niemand wird ausgeschlossen“ seinen Aktionsplan mit der Vorgabe eines umfänglichen Beteiligungsverfahrens und so barrierefrei wie möglich.

Maßnahmenkatalog

Die inhaltliche Erarbeitung erfolgte in sieben Arbeitsgruppen, in denen über 100 Beteiligte mitwirkten, darunter viele Betroffene. Im Aktionsplan sind insgesamt 63 Maßnahmen in sieben Themengebieten beschrieben, darunter beispielsweise Arbeit, Bewusstseinsbildung, Bauen und Wohnen, Bildung sowie Mobilität. Der Aktionsplan umfasst Maßnahmen im Handlungsbereich des Landkreises, der Gemeinden und vieler weiterer Akteure, zum Beispiel der Agentur für Arbeit und Bildungs- und Sozialeinrichtungen. Auch die Aktivierung und Einbeziehung der gemeindlichen Behindertenbeauftragten zur Umsetzung von inklusiven Maßnahmen und Sensibilisierung für die Belange von Menschen mit Behinderung vor Ort gehören dazu. Bisher konnten von den 63 geplanten Maßnahmen 17 erfolgreich beendet werden und 28 befinden sich aktuell in der Umsetzung, wie Dr. Penzholz erläuterte.

Auszeichnung für Ostallgäu

Bereits 2017 war der Landkreis für sein barrierefreies Landratsamt vom Freistaat mit dem ­Signet „Bayern barrierefrei – Wir sind dabei!“ ausgezeichnet worden und fand deutschlandweite Beachtung. Dazu gehörten Öffnungshilfen für Türen, ein Orientierungs- und Leitsystem, eine induktive Höranlage sowie ein Serviceschalter für Menschen mit Behinderung. Mitarbeiterschulungen für „einfache Sprache“ – also die Umsetzung komplexer Texte – sowie der „Umgang mit psychisch Erkrankten“ waren ebenfalls Bestandteil.

Handlungsfelder

Im Aktionsplan verankert sind ebenso die Arbeit an Schulen zusammen mit der „Offenen Behindertenarbeit (OBA)“, Inklusionsbegleiterschulungen, die Unterstützung von Selbsthilfegruppen oder auch die Öffentlichkeitsarbeit, bei der Inklusion verständlich gemacht wird und sensibilisiert werden soll. Zukünftige Handlungsfelder liegen verstärkt in der Inklusion vor Ort mit der Einbindung der gemeindlichen Beauftragten als Ansprechpartner für Bürger und Bürgermeister und der Unterstützung von inklusiven Angeboten allgemein in Vereinen und Sportvereinen als wichtigen Orten der Teilhabe. Otto Schrägle (ÖDP) bestätigte aus eigener Erfahrung, dass es im Gegensatz zum öffentlichen Dienst in der freien Wirtschaft noch Probleme bei der Inklusion gebe.

Clara Knestel (Grüne) lobte das Bayerische Rote Kreuz (BRK) und die Lebenshilfe für deren großartiges Engagement. Renate Dantinger (BRK) bedankte sich und machte deutlich, dass der von Ilona Deckwerth (SPD) gewünschte jährliche „Aktionstag der offenen Behindertenarbeit“ statt bisher im zweijährigen Rhythmus nicht zu leisten sei und verwies darauf, dass nächstes Jahr „Geld wegbricht“ und Förderung beantragt werde. Ursula Lax (CSU) betonte, dass das Ostallgäu als einer der ersten Landkreise in Bayern in Kindergärten aktiv geworden wäre. Es seien riesige Fortschritte gemacht worden, man müsse aber mit „Maß und Ziel“ agieren, denn: „Es muss immer zum Wohl des Kindes sein!“

Wolfgang Becker

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