Ladenbesitzer in Fußgängerzone haben Verständnis für Maßname

Mitmachen statt jammern

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Kaum sichtbar schlängelt sich der Weg durch die Baustelle in der Kaufbeurer Fußgängerzone.

Kaufbeuren – Für die zuständigen Stellen in der Stadtverwaltung war ein erster notwendiger Schritt, die Bürger über die Innenstadt-Sanierung eingehend zu informieren. Nur durch die Möglichkeit zur kontroversen Diskussion ist gewährleistet, dass die Bevölkerung die Maßnahmen auch in schwierigen Zeiten mitträgt.

Die gründliche Vorbereitungsphase macht sich nun offenbar bezahlt. Das belegt zumindest eine Umfrage des Kreisbote (rund zwei Drittel der betroffenen Geschäfte waren für eine Aussage bereit) bei einem großen Teil der Geschäftsleute: Viele der betroffenen Ladenbesitzer zeigen sich verständnisvoll, keiner stellt die Notwendigkeit der Baumaßnahme grundsätzlich in Frage.

Gelobt wird vor allem der freundliche Umgang zwischen Bauarbeitern und Anliegern. Viel Verständnis für die schwierige Situation auf allen Seiten. „Wir wussten ja, was da auf uns zukam“, betonten einige ausdrücklich. Der Stimmungspegel reicht allerdings von einem zuversichtlichen Lächeln bis zu einem resignierten Seufzen. Vereinzelt werden auch Klagen laut: Staub bei gutem Wetter, Schlamm und Matsch bei Regen stehen vermehrt auf der Tagesordnung. Und trotz aller Rücksichtnahme: Ganz ohne Lärm geht es beim Bauen eben nicht. Da kann auch schon einmal ein Verkaufsgespräch gestört werden. Aber das ist eher die Ausnahme, wird in der Regel schnell eingeschränkt.

Entwicklung der Verkaufszahlen

Doch welchen Einfluss hat die Baustelle auf den teilweise massiven Rückgang der Verkaufszahlen, wie OB Stefan Bosse auf der Bürgerversammlung in Kemnat betonte? Sicherlich ist es noch viel zu früh, endgültige Aussagen über das Ausmaß der Einbußen bei den Einnahmen zu machen. Statistisch ist dies auch nicht ganz einfach, weil Einnahme-Schwankungen neben der Sanierung auch andere Gründe haben. Eine erste Einschätzung vieler Einzelhändler deutet jedoch eine Tendenz an: Ziemlich genau die Hälfte der Befragten weisen auf einen deutlichen Rückgang der Umsätze in Verbindung mit den Bauarbeiten hin. Generell kann gesagt werden: Umso kleiner der Laden ist, umso eher ist der Betreiber auch von zurückgegangen Umsätzen betroffen.

Es fehlt aber auch nicht an erfreulichen Rückmeldungen: „Wir werben über Internet für unsere Kunden und die kommen nach wie vor in unseren Laden“, erklärte ein Verkäufer in einem Game-Shop. Es gibt jedoch auch entgegengesetzte Aussagen. „Ich weiß jetzt schon nicht mehr, wovon ich die Miete bezahlen soll“, berichtete ein Ladeninhaber. Dies stellen die extremen Eckpunkte der Befragung dar.

Gemeinsam gegensteuern

Finanzielle Einbußen seien wohl auch weiter zu erwarten. Das sagen manche Betreiber der Geschäfte, und auch Rainer Hesse von Tourismus- und Stadtmarketing e.V sowie Projekt-Manager Daniel Abbenseth vom Büro für Standort-, Markt- und Regionalanalyse Dr. Manfred Heider räumen das offen ein. Aber muss das zwangsläufig so sein? Eigentlich nicht, zumindest nicht in einem deutlich spürbaren Ausmaß. Die tatsächlichen Einschränkungen und Belästigungen sind nicht wirklich erheblich und es gibt keinerlei Gefahren für die Fußgänger. Dennoch scheint es für den einen oder andern Bürger eine psychologische Hürde zu geben, weiter nach wie vor seinen Einkaufsbummel in der Innenstadt zu machen.

Und an diesem nicht genau festzumachenden Punkt setzt die zweite Phase des Baustellen-Marketing ein. „Die Innenstadt muss während der Bauphase weiter attraktiv bleiben“. „Image-Verbesserung!“ Dieses Stichwort macht die Runde.

An Geld für entsprechende Maßnahmen fehlt es nicht: 60.000 Euro stehen für geplante Aktivitäten zur Verfügung. Diese Mittel wurden je zur Hälfte aus öffentlicher Hand und von privaten Sponsoren zur Verfügung gestellt. An fachlicher Qualifikation bei der Umsetzung werbewirksamer Konzepte mangelt es wohl auch nicht. Die langjährige Zusammenarbeit mit dem Büro Haider in Augsburg, das bei der Planung und Durchführung der Öffentlichkeitsarbeit mit verantwortlich zeichnet, scheint sich wieder zu bewähren.

Jetzt müssen nur noch die Aktivitäten greifen. So sollten die kürzliche Präsentation einer „Baustelle im Kleinformat“ mit ferngesteuerten Fahrzeugen, die Modeschau „GenXtreme“ und der Markt „Kunsthandwerk im Frühjahr“ der Baustelle ein schöne Seite abgewinnen. Die vielen Besucher belegen: überzeugende Aktivitäten, die Lust auf mehr machen.

Und es wird wohl mehr geben. Die von der Stadt veröffentlichte Broschüre „Neue Wege für die Altstadt“ gibt einen Überblick über die weiteren Veranstaltungen bis zum November, wenn die Baumaßnahmen spätestens abgeschlossen sein sollen.

Selbst mitmachen!

Das soll aber kein Grund sein, sich bereits zufrieden zurückzulehnen, denn der Erfolg hängt nur teilweise von den Initiatoren ab; die Menschen in Kaufbeuren stimmen jetzt mit ihren Füßen ab, wie wichtig ihnen ihre Alt-Stadt ist. Für alle wäre es die Gelegenheit, die Stadt von einer ganz neuen Seite kennen zu lernen.

Im Idealfall können alle bisherigen Bemühungen auch als Aufruf zum eigenen Handeln verstanden werden. So kann jeder selbst seine Ideen zur Verbesserung der derzeitigen Situation einbringen. Daniel Abbenseth steht jedenfalls jeden Donnerstag von 9.30 bis 13 Uhr im Infobüro „Neugestaltung der Fußgängerzone“ für alle Anregungen zur Verfügung.

Aber warum nicht selbst einmal aktiv werden? Sicher ist, die Innenstadt stellt nach wie vor eine ideale Plattform für die unterschiedlichsten Gruppen dar, das eigene Können zu präsentieren. Es könnte in den kommenden Monaten für alle – Handel, Bürger, Stadt und Baubeteiligte – ein Spiel ungezählter Möglichkeiten werden, ein gemeinsames Spiel, in dem es eigentlich nur Gewinner geben kann.

von Peter Suska-Zerbes

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