Integration aus eigenem Willen

Michelle (Mitte) kam vor einem Jahr von der Domenikanischen Republik ohne Deutschkenntnisse nach Kaufbeuren. Heute zählt sie in ihrer Klasse mit zu den Leistungsträgern. Auch Freunde wie Anna-Lena (links) oder Hanna hat sie schnell gefunden. Foto: privat

Wer Michelle aus Kaufbeuren kennen lernt, sieht erst einmal ein hübsches und immer lächelndes Mädchen. Sobald man mit ihr spricht, weiß man, sie kommt ursprünglich nicht aus Deutschland. Wenn man Michelle fragt was sie in ihrer Freizeit unternimmt, hört man einiges: Handball, Eiskunstlaufen, der Kinderchor, die Theater AG ihrer Schule und Fußball bei SpVgg Kaufbeuren, schwimmen, skaten, radeln – Michelle liebt ihre Hobbies und ist darin auch richtig gut, genauso wie in der Schule. Sie besuchte bis zu den Sommerferien die Klasse 3b in der Beethoven-Schule. In Deutsch schreibt sie auch den ein oder anderen Einser – und das, obwohl sie vor einem Jahr nicht einmal „Hallo“ auf Deutsch sagen konnte.

Bis zu ihrem neunten Lebensjahr wohnte sie in Santo Domingo in der Domenikanischen Republik. Michelle lebte dort bei ihrer Mutter Norma. Vor allem die Lebensfreude mit Musik, Tanz, Unbeschwertheit und den herzlichen Umgang mitteinander erlebte Michelle dort. Sport, Bildung und Kultur waren jedoch nur stark begrenzt möglich und obwohl die damals Neunjährige auf einer Insel lebte, konnte sie wie viele Einheimische nicht schwimmen. Nach Absprache beider Elternteile und dem Entschluss von Michelle, kam sie nach Kaufbeuren, wo sie heute mit ihrem Vater lebt. „Ich habe mich so gefreut nach Deutschland zu kommen“, erzählt Michelle mit leichtem Akzent und lächelt dabei, wie eigentlich immer. Sie kam in eine ganz andere Welt und ihre Lebensumstände änderten sich komplett. Alles war ihr damals fremd und die Verständigung erfolgte mit Händen und Füßen. Trotzdem blieb sie tapfer und freute sich auf ihr neues Leben. „Vor der Tür stand Michelle und konnte kein Deutsch, ich hatte starke Bedenken und Sorgen sie integriert zu bekommen", erinnert sich die Klassenleiterin Zehnpfennig. „Sie bekam eine Förderlehrerin, die ihr die Aussprache und Worte erklärte. In der Klasse hatte sie auch Schülerpaten, die neben ihr saßen und ihr etwas erklärten und nach der Schule wurde vom Vater der Schulstoff übersetzt und gelernt. „Ihr Vater war und ist eine große Hilfe", so die Klassenleiterin, die sich über den Erfolg von Michelle freut. Darüberhinaus, dass Michelle selbt den Willen hat, etwas zu lernen, sei sie laut ihrer Lehrerin  hoch intelligent. „Ende der dritten Klasse, erklärte Michelle ihren Mitschülern Mathe! Sie denkt immer mit und sieht Aufgaben. Manchmal ermahnt sie ihre Klassenkameraden sogar still zu sein", erzählt die Klassenleiterin lachend. Alles was Michelle macht, geht von ihr alleine aus. Sie ist sehr wissenshungrig und sieht allen neuen Aufgaben mit Freude entgegen. Die Sommerferien werden auch von Michelle genossen. Sie fliegt mit ihrem Vater zu ihrer Mutter und ihrer anderen Heimat, der Domenikanischen Republik. Dort feiert sie am 30. August zusammen mit ihren Eltern ihren elften Geburtstag. Vorallem auf ihre Mutter freut sie sich. „Anfangs habe ich sie sehr vermisst, aber wir haben viel telefoniert“, erinnert sich Michelle. Etwas worauf sich Michelle in Deutschland sehr gefreut hat, war der erste Schnee. Er war für sie etwas ganz Besonderes, da sie zuvor noch nie welchen gesehen und gespürt hatte. „Ich habe mich so gefreut! Bin raus gegangen, habe den Schnee angefasst und angeschaut und war auch Schlittenfahren“, erzählt sie. Nach dem Urlaub und den Sommerferien möchte Michelle etwas ganz neues Lernen: „Ich würde gerne reiten und ein Musikinstrument spielen. Am liebsten Panflöte.“

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