Bourani haucht Maui Leben ein

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Kreisbote-Redakteurin Sandy Kolbuch traf Andreas Bourini zum Gespräch über dessen Synchronarbeit für den Film „Vaiana“.

Andreas Bourani (*1983) begann seine Musikkarriere 2010 und gehört zu den erfolgreichsten deutschen Popstars. Sein Song „Auf uns“ schoss als deutsche WM-Hymne direkt auf Platz 1 der Charts. Aktuell sitzt der Sänger zum zweiten Mal in der Jury von „The Voice of Germany“. In Disneys Weihnachtsfilm „Vaiana“ leiht Bourani dem Halbgott Maui seine Stimme. Kreisbote-Redakteurin Sandy Kolbuch traf den Sänger in Berlin und sprach mit ihm über seine Arbeit im Synchronstudio.

Die Arbeit war für dich ja nicht neu, nachdem du bereits Fred in „Baymax“ und Jonathan in „Hotel Transsilvanien“ deine Stimme geliehen hast. War die jetzige Arbeit dennoch anders?

Bourani: Da ich diesmal die Hauptrolle gesprochen habe, war die Arbeit viel umfangreicher, da die Charakterzeichnung vielfältiger war. Nebenrollen sind meist etwas einseitiger gestaltet. Es war eine Herausforderung für mich, die Figur herauszuarbeiten.

Wie hast du reagiert, als die Anfrage von Disney kam? Hatte man dir gleich ein Bild vom Halbgott Maui mitgeschickt?

Bourani: Ich habe mich total gefreut. Es kamen dieses Jahr noch zwei weitere Anfragen und ich musste mich entscheiden. Als ich den Trailer zu „Vaiana“ gesehen habe, war ich begeistert vom Look und der Technik. Und als das Angebot kam, war ich erfreut. Die Geschichte ist sehr interessant, weil es kein typisches Weihnachtsthema ist.

Die Figuren sind wirklich einzigartig und lassen sich nicht mit den bisherigen Disney-Figuren vergleichen.

Bourani: Maui ist keine glatte Figur, sondern ein narzisstischer Typ, der seine Eigenheiten nach und nach ablegen muss. Ganz typisch für Disney ist, dass die Figuren eine Transformation erleben. In „Vaiana“ ist es ähnlich, auch wenn sie sich nicht von festgefahrenen Konventionen lösen, sondern ihre Identität finden muss. Sie macht sich auf die Reise zu ihren Wurzeln und das ist das spannende an der Geschichte. Es gibt lange Szenen, wo Maui und Vaiana gemeinsam auf dem Schiff sind und sich die Spannungen zwischen ihnen lösen. Vaiana ist die mutigere von ihnen, aber auch die unerfahrenere. Sie treibt das Abenteuer voran, während Maui auf der Insel sitzt und darauf wartet, dass ihm jemand das Boot bringt.

Konntest du dich mit Maui identifizieren?

Bourani: Maui ist den anderen überlegen. Er besitzt dadurch eine gewisse Macht. Für mich ist die Rolle sehr identifizierend. Ich kriege durch meinen Beruf auch viel Anerkennung und besitze ein großes Ego, sonst würde ich den Mittelpunkt nicht suchen. Ich muss auch immer reflektieren, was gerade passiert. Es ist immer gut, wenn man Berührungspunkte mit der Figur findet, weil es das Spiel erleichtert.

Hast du dich beim Sprechen an Dwayne Johnson orientiert, der Maui im Original spricht?

Bourani: Ich habe zum einem versucht, Dwayne gerecht zu werden. Es fehlten mir allerdings 40 Kilogramm Muskelmasse, um dies auszufüllen. Es war wichtig, der Figur auf meine Weise Leben einzuhauchen.

Du singst den Song „Voll gerne“. Wird diese Art von Musik künftig Einfluss in Deine eigenen Werke finden?

Bourani: Es ist schon eine ganz andere Art von Musik. Das Lied hat einen sehr filmischen Charakter. Meine Musik ist schon ein anderer Stil.

Die Kultur von „Vaiana“ ist unserer fremd. Wir wachsen mit technischen Geräten auf, während Vaianas Welt sehr natürlich ist.

Bourani: Ja, es gibt da natürlich eine ganz andere Art und Weise von Kommunikation. Ich war leider nicht wie die Regisseure vor Ort und weiß daher nicht, in wieweit das Internet bis in diese Weiten gelangt ist. Ich versuche, allem gegenüber offen zu bleiben, finde es aber befremdlich, wie die Jugendlichen beispielsweise mit ihrer Privatsphäre umgehen. Wir hatten damals eine ganz andere Hemmschwelle und haben genau überlegt, was man in den sozialen Netzwerken postet und was nicht. Ich finde, sich gemeinsam an einen Tisch zu setzen und sich zu unterhalten, ist eine der schönsten Kommunikationsweisen.

Ist Disney ein Prädikatsstempel für die eigene Vita?

Bourani: Disney ist etwas besonderes. Es gibt Synchronsprecher, die es professionell gelernt haben. Wohl wissend dessen, habe ich mir einen Coach besorgt, weil ich die Arbeit nicht unterschätzen wollte. Für mich war die Arbeit ein Privileg und ein großer Traum, den ich nicht ablehnen konnte.

Gibt es schon weitere Angebote für Sprechrollen oder Soundtracks?

Bourani: Disney fragt gerne immer mal wieder an, wenn meine Stimme zu einer der Figuren passt. Wenn es zeitlich bei mir passt und ich mich mit der Rolle wohlfühle, dann übernehme ich den Part gerne wieder.

Es gibt viele englische Redewendungen, die nicht 1:1 übersetzt werden können. Wie war es bei „Vaiana“?

Bourani: Wir hatten das Problem bei dem Song „You're Welcome“, den man nicht wörtlich übersetzen konnte. Ich denke mit „Voll gerne“ haben wir eine gute Übersetzung gefunden, mit der auch die Ironie des Songs erhalten bleibt.

Vielen Dank für das Gespräch!

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