Interview mit Andy Serkis, der in "Planet der Affen" einen Schimpansen spielt

Kein Selbstdarsteller

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Andy Serkis schlüpft gern in außergewöhnliche Rollen wie Gollum aus „Der Herr der Ringe“ und Caesar in „Planet der Affen“.

Der britische Schauspieler und Regisseur Andy Serkis (*20. April 1964) erlangte Bekanntheit durch seine Darstellung der Figur Gollum in den Filmreihen „Der Herr der Ringe“ und „Der Hobbit“ von Regisseur Peter Jackson. Nachdem er 2005 dem Riesenaffen in „King Kong“ als Bewegungsmodell diente, übernahm er die Rolle des Schimpansen Caesar in der „Planet der Affen“-Trilogie. Kreisbote-Redakteurin Sandy Kolbuch sprach mit Serkis in Berlin über „Planet der Affen: Survival“, der am 3. August 2017 in den Kinos startet.

Schön zu sehen, dass Sie nach den Dreharbeiten wieder aufrecht gehen können.

Serkis: Es hat eine Weile gedauert, bis ich alle Gelenke wieder gedehnt hatte (lacht). Aber Caesar läuft im neuen Film wesentlich aufrechter als in den Filmen zuvor. Als ich angefangen habe, Caesar zu spielen, bin ich meist auf allen Vieren gekrochen. Am Ende des Tages taten mir alle Knochen weh und das Laufen fiel mir schwer.

Ihre Karriere ist recht außergewöhnlich. Sie spielen viele Figuren, in denen man Sie nicht erkennt. Wie fühlen Sie sich als bekannt-unbekannter Schauspieler?

Serkis: Ich fühle mich mittlerweile nicht mehr allzu unbekannt (lacht). Als ich Schauspieler wurde, habe ich die Veränderungen durch die Rollen geliebt. Man bringt viel von sich selbst in seine Rollen ein. Je weiter jedoch eine Rolle von meinem eigenen Ich entfernt war, desto besser konnte ich mich ausdrücken. Ich war nie die Art von Schauspieler, der sich selbst darstellen wollte. Jeden Tag kommen Menschen zu mir und fragen mich nach meinen Rollen und wollen mehr darüber erfahren. Trotz der Anonymität, die ich durch das Spielen meiner Rollen erfahre, kommen die Leute zu mir.

Ursprünglich sollten Sie Gollum nur die Stimme leihen...

Serkis: Als mich mein Agent damals anrief, teilte er mir mit, dass ich nur für die Stimme einer der Figuren gecastet werden würde. „Herr der Ringe“ ist großartig und alle Figuren sind ebenfalls großartig. Aber ich wollte nicht nur eine Stimme sein. Dann erfuhr ich, dass ich Gollum die Stimme leihen soll. Ich verstand nicht, warum ich ihn nicht spielen sollte und teilte auch Peter Jackson während der Audition mit, dass ich Gollum spielen will. Das Casting wurde gefilmt, damit die Macher ein Gefühl für die Figur auf der Leinwand bekommen. Als Peter Jackson mich am Set sah, änderte er seine Meinung. Die Animatoren sollten alle meine Bewegungen für das CGI-Modell von Gollum übernehmen. In diesem Moment begann alles. Gollums Gesicht wurde nach Maßen meines Gesichts erschaffen und die Animatoren mussten alle meine Gesichtsausdrücke direkt darauf kopieren. Als ich die Rolle für „King Kong“ übernahm, war die Technologie ausgereifter und wir konnten das Facial Motion Capture nutzen. Beim jetzigen „Planet der Affen“-Film ist alles perfektioniert. Die Texturen, Mimik, Gestik und die Bewegung der Augen sind digital erschaffen und dennoch eine genaue Kopie dessen, was der Darsteller verkörpert hat.

Normalerweise sind Fans an dem Schauspieler selbst interessiert. In Ihrem Fall projiziert sich das Interesse auf Ihre Rollen.

Serkis: Das ist korrekt. Ich sehe dies als großes Kompliment. Viele Menschen danken mir für die Rollen, die ich spiele. Manchmal erkennen mich die Menschen auf der Straße. Einige von ihnen sprechen mich an, andere nicht. Die Menschen fragen mich aber nicht, ob ich Andy Serkis bin oder ob ich Gollum spiele (lacht), sondern lediglich „Sind Sie DER Darsteller“? Ich antworte dann immer: Ja, ich bin DER Darsteller. Das ist wirklich sehr amüsant.

Der Krieg mit den Menschen bedeutet für Caesar auch einen inneren Krieg. Wie ist es Ihnen gelungen, in Caesars dunkle Seite vorzudringen?

Serkis: Es war unglaublich. Mark Bomback und Matt Reves haben ein unglaublich intensives Drehbuch geschrieben. Die Verwandlung von Caesar von einem starken Anführer hin zu jemanden, der die Regeln bricht, war sehr stark. Dieser Charakter ist voller Hass gegenüber den Menschen. Seine Seele ist durch die Verluste, die er erfahren hat, sehr dunkel. Jeder einzelne Tag war sehr düster. Die Erinnerungen an den Dreh sind nicht besonders erfreulich, weil der Dreh emotional sehr hart war. Zudem haben wir im kanadischen Winter mitten im Schnee gedreht. Nur mit den Motion-Capture-Anzügen bekleidet, war es sehr kalt.

Was fühlen Sie, wenn Sie im Zoo Affen sehen?

Serkis: Ich fühle mich mit ihnen verbunden, weil ich mich eine lange Zeit mit Affen auseinandergesetzt habe. Ich besitze Empathie für sie, weil auch sie ängstlich, wütend oder frustriert sein können. Es gibt sehr gute Zoos mit weitläufigen Gehegen, wo die Affen auch Privatsphäre genießen können. Aber es gibt leider auch Zoos, die einem Gefängnis gleich kommen.

Die Film-Trilogie befasst sich mit der Menschheit aus der Sicht der Affen.

Serkis: Aus diesem Grund ist das Franchise so genial. Die Geschichte reicht zurück bis ins Jahr 1968, wo der Originalfilm „Planet der Affen“ herauskam. Damals sahen die Affen ganz anders aus als die Menschen und dennoch waren sie ihnen so ähnlich. Heute haben sich Menschen und Affen angeglichen. Wir sind mit den Affen verwandt und sind in der Lage, uns selbst in den Affen zu sehen. Caesar ist ein ganz gewöhnlicher Charakter. Als ich begonnen habe, ihn zu spielen, war er ein Mensch in Affenhaut. Er hat immer gedacht, dass er selbst ein Mensch ist, weil er mit ihnen aufgewachsen ist. Seine Vaterfigur Will stand ihm immer sehr nahe. Caesar hat die Liebe, die ihm entgegengebracht wurde, im gleichen Maße zurückgegeben. Im Teenageralter hat sich Caesar erstmals als Affe wahrgenommen und hat die verschiedenen Affenarten zusammengebracht. Im zweiten Film hat man die Gründung der Gesellschaft der Affen gesehen. Dort wurde der Grundsatz „Affen töten keine Affen“ getroffen. Caesar war immer als Mitglied involviert, wobei er die Empathie zu den Menschen behielt. Die Gesellschaft der Affen wuchs und machte sich die Zeichensprache zunutze. Während des Kriegs musste sich Caesar für eine Seite entscheiden. Im dritten Film werden die Affen auf primitive Weise gezeigt, wobei sie intellektuell und emotional sehr gewachsen sind.

Kann man den Krieg zwischen Menschen und Affen als eine Metapher der modernen Welt sehen?

Serkis: Absolut. Dieser Film zeigt auf wunderbare Weise den Verlust von Empathie für die Gesellschaft, den Planeten, den Klimawandel und die verschiedenen Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen. Die Führung unserer Zeit präsentiert sich nicht gerade im strahlenden Licht.

Motion-Capture ist eine faszinierende Methode, um etwas zum Leben zu erwecken. Sollte es für diese Art von Kunst eine eigene Kategorie bei den Oscars geben?

Serkis: Ich denke nicht, dass es dafür eine eigene Kategorie braucht. Es ist eine Technologie, die grob zusammengefasst nur aus Kameras besteht. Schauspiel ist Schauspiel. Wenn man eine Rolle spielt, ist es egal, ob man ein Kostüm und Make up trägt oder einen Motion-Capture-Anzug.

Vielen Dank für das Gespräch!

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