Joko Winterscheidt im Interview

"Davon ein Teil zu sein, ist ein Ritterschlag"

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...natürlich immer ein Freund von verrückten „Extrem-Sportarten“. Joko Winterscheidt grüßt das Kreisbote-Team vom diesjährigen AllgäuMan.

Moderator und Schauspieler Joachim „Joko“ Winterscheidt (* Januar 1979) war seit 2005 festes Bestandteil des MTV-Moderatorenteams. Seit 2010 steht er zusammen mit Klaas Heufer-Umlauf für verschiedene Shows vor der Kamera: Die Beste Show der Welt, Joko gegen Klaas – Das Duell um die Welt und Circus HalliGalli. Im Animationsfilm „ICH – Einfach unverbesserlich 3“ (siehe Kinotipp) leiht Joko dem Bösewicht Balthasar Bratt seine Stimme. Kreisbote-Redakteurin Sandy Kolbuch traf den Entertainer in Berlin während seiner Synchronarbeit im Studio.

Heute war der Tag im Synchronstudio. Wie viele Tage sind angesetzt?

Winterscheidt: Zwei Tage. Die Rolle von Balthasar Bratt ist groß, aber nicht riesig. Balthasar ist in den 80er Jahren ein sehr erfolgreicher Kinderstar gewesen. Mit der beginnenden Pubertät und dem einsetzenden Stimmbruch war er für die Show, die er gemacht hat, nicht mehr gefragt. Er wurde dann von Hollywood verachtet und aufs Abstellgleis gestellt. Das hat dazu geführt, dass er sich komplett missverstanden fühlte und sich in den Untergrund verzogen hat und nun als Bösewicht zurückkehrt. Er sieht haargenau aus wie in den 80er Jahren, hat sich nicht verändert und ist daher auch in der Vergangenheit hängengeblieben. Nun möchte er sich an seinen alten Kollegen rächen.

An was aus den 80er Jahren erinnerst Du dich noch?

Winterscheidt: An ganz viel Musik, die auch Balthasar hört. Wenn von A-ha „Take on me“ läuft oder der Top Gun-Sound­track ertönt, weckt dies Erinnerungen. Balthasar besitzt auch dieses Keyboard, das Modern Talking damals hatten und das ich auch selbst gerne haben wollte.

Gibt es Ähnlichkeiten zwischen Dir und Balthasar?

Winterscheidt: Nee (lacht). Das wäre ja auch verrückt. Wobei: Balthasar hat eine leichte Macke und vielleicht habe ich die auch.

Welche Figur hattest Du im Kopf, als Dir die Figur angeboten wurde?

Winterscheidt: Ich habe damals einen internen Trailer geschickt bekommen, mit der Frage, ob ich das interessant finden würde. Ich habe heute erst erfahren, dass im Vorfeld öfters diskutiert wurde, dass es toll wäre, wenn ich die Rolle übernehmen würde. Mir wurde schon öfters eine Synchronrolle angeboten, die ich aber abgelehnt habe. Ich habe es schon ein paarmal ausprobiert, aber immer wieder festgestellt, dass mir das zu anstrengend ist. Synchronisation ist unfassbare Präzision und ich bin nicht so der präzise Typ. Daher waren sich auch alle sicher, dass ich auch diese Rolle nicht machen würde. Ich bin aber so ein großer Fan von „ICH – Einfach unverbesserlich“ , dass ich einfach zusagen musste.

Also vom Fan zum Synchronsprecher?

Winterscheidt: Ja, ich liebe die Minions. Heute meinte ein Kumpel zu mir, dass so eine Rolle bleibt. Balthasar Bratt ist zwar keine reale Person, aber er gehört zu einer Ära der für mich coolsten Animationsfilmreihe. Davon ein Teil zu sein, ist für meine Fähigkeiten, die ich mitbringe, ein Ritterschlag.

„ICH – Einfach unverbesserlich“ und die Minions sind einzigartig...

Winterscheidt: Total. Die Bilder sind so überladen mit Informationen, dass man die Filme ruhig fünf- bis sechsmal sehen muss, um alles mitzubekommen. Und jedes Mal entdeckt man etwas Neues und hat immer noch seinen Spaß. Es wird einfach nicht langweilig. Den ersten Teil habe ich ungelogen 25 mal gesehen.

Die Minion-Sprache versteht jeder...

Winterscheidt: Ja, das stimmt. Ich habe da noch nie drüber nachgedacht. Aber es stimmt, man weiß immer, was sie wollen. Sie sprechen eine Fantasiesprache und ich hätte es cool gefunden. Als ich meinem besten Freund erzählt habe, dass ich bei dem Film eine Sprechrolle übernehme, dachte er ernsthaft, ich spreche einen Minion (lacht).

Du hast bereits bei dem Stop-Motion-Film „Die Piraten! – Ein Haufen merkwürdiger Typen“ dem finsteren Black Bellamy Deine Stimme geliehen.

Winterscheidt: Das habe ich damals als sehr anstrengend empfunden. Wie gesagt, ich bin nicht so der präzise Typ, eher ein Bauchmensch. Ich glaube, dass meine Rolle damals zuerst etwas größer war. Nachdem man bemerkt hat, dass meine Fähigkeiten auf diesem Gebiet sehr begrenzt sind, hat man mir eine kleinere Rolle gegeben (lacht). Klaas und ich haben die Hauptrollen in „Tim & Eric´s Billion Dollar Movie“ gesprochen, was eine unglaubliche Arbeit war. Klaas liebt Synchro und ich habe ihm zur Liebe immer mitgemacht. Meistens wurden wir auch nur im Duo angefragt. Irgendwann hat Klaas gesagt, dass ich wegen ihm nicht weiter in einer kleinen Box gefangen sein muss um den ganzen Tag Text einzusprechen. Er hat sich also sehr gewundert, als ich für das jetzige Projekt zugesagt habe.

War Klaas etwas neidisch?

Winterscheidt: Gestern hat er tatsächlich gesagt, dass er auf diesen Film auch Bock gehabt hätte. Aber er hat ja bei „Sing“ mitgemacht und hatte da eine mega Rolle. Ich liebe es auch den fertigen Film zu sehen, aber ich darf nicht daran denken, wie viel Arbeit das war.

Wie groß sind die Vorgaben von Universal?

Winterscheidt: Es gibt ein Buch, an das man sich halten sollte. Den Text muss man glücklicherweise nicht auswendig lernen, sondern nur ablesen. Da hat man nur einen sehr geringen Spielraum. Wenn man die Dinge sagt, wie man sie nun einmal sagt, dann bringt man seine Eigenheit in die Rolle ein. Die Lacher von Balthasar sind mir sehr leicht gefallen. Die brauchten wir immer nur einmal aufnehmen (lacht). Dennoch ist es Arbeit, weil man in einem kleinen schwarzen Raum mit einem Monitor steht und den ganzen Tag in ein Mikro spricht. Das macht einen schon etwas irre und die Stimme wird dabei sehr gereizt. Man muss sich konzentrieren, weil immer bis zum Einsatz heruntergezählt wird. Man zählt bis Null und fängt direkt an zu sprechen. Ich habe bestimmt 1000 Takes gemacht, wo ich nicht auf der Null eingesetzt habe mit dem Sprechen. Ach halt... wir zählen ja bis vier und auf der vier beginne ich zu sprechen.

Morgen ist ja noch ein Tag! Dann kannst Du das ja noch einmal üben!

Winterscheidt: Ja genau (lacht).

Wie entstehen die Ideen zu Deinen Shows, die Du zusammen mit Klaas machst? Und entstehen die Shows alle parallel?

Winterscheidt: Ja. Im Moment arbeiten wir an „Die beste Show“, „Duell um die Welt“ und „Circus HalliGalli“ parallel. Die Ideen werden vom ganzen Team zusammengetragen und diskutiert und dann fällt die Entscheidung, was man macht.

Kommt man da nicht durcheinander?

Winterscheidt: Nee, gar nicht. Es ist schon sehr aufwendig, aber es arbeiten ja nicht nur Klaas und ich an den Shows. Da ist ein großes Team dran beteiligt, von denen die meisten eher Freunde als Kollegen sind. Die Last ist auf ganz vielen Schultern verteilt. Man würde sich wünschen, viel mehr Zeit auf jedem einzelnen Projekt zu haben, aber das geht nicht immer. Aber wir wissen was wir an unseren Leuten haben, die sind unersetzlich und wissen ganz genau, was zu uns passt und was nicht.

Was ist für die nahe Zukunft geplant?

Winterscheidt: Demnächst geht es für „Duell um die Welt“ auf Weltreise. Wir werden knapp vier Wochen mit rund 16 Mann herumreisen und das wird es in sich haben. Das erste Reiseziel wird man mir am Flughafen sagen (das Routing hat sich geändert und wird sich sicherlich auch nochmals ändern, deshalb ist das die bessere Antwort) und wir werden zwischen 48 und 72 Stunden an dem jeweiligen Ort sein und drehen. Gefühlt werden wir in dieser Zeit viermal die Welt umrunden und erst wenn wir wieder zu Hause sind verstehen, was in den letzten Wochen passiert ist. Das ist schon ein bisschen verrückt bei dieser Show.

Vielen Dank für Deine Zeit und die Einblicke in Deine Arbeit.

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