Im Gogomobil

Bildung das Thema Nummer 1

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Ein angenehmer Termin für die Landrätin Maria Rita Zinnecker (im Auto): Treffen mit ihrer Weilheim-Schongauer Amtskollegin Andrea Jochner-Weiß auf dem Auerberg.

Ostallgäu – Was die großen Landkreis-Projekte bis zum Jahr 2020 sind, wie die Konzentration der Asylbewerber auf die großen Orte zu bewerten ist, wie’s um das Klima im Kreistag bestellt ist: Diese Fragen beantwortet Landrätin Maria Rita Zinnecker im ausführlichen Interview mit dem Kreisbote. Sie bekennt aber auch, dass seit Mai 2014, als sie das Amt angetreten hatte, einige Dirndl hinzugekommen sind. Auch zu einem Treffen mit ihrer Weilheim-Schongauer Kollegin Andrea Jochner-Weiß auf dem Auerberg ist sie im Dirndl gekommen. Dort fand auch das Interview statt.

Nennen Sie bitte kurz drei große Projekte, die bis 2020 im Landkreis umgesetzt werden.

Zinnecker: Bildung ist Thema Nummer 1 im Landkreis. Bis 2020 werden wir rund 30 Millionen Euro allein in die Sanierung und den Neubau von Schulen investieren: unter anderem in die Generalsanierung der Realschule Füssen, die Generalsanierung der Realschule Obergünzburg und den Neubau der Landwirtschafts- und Technikerschule am Grünen Zentrum. Wir investieren in den Gesundheitsstandort Ostallgäu im Krankenhaus Füssen 20 Millionen Euro und wollen die Kardiologie im Krankenhaus Buchloe nachhaltig aufstellen. Zahlreiche Infrastrukturmaßnahmen quer durch den Landkreis stehen an, zudem der Bau eines neuen Kreisbauhofs in Dösingen. Eine Vielzahl an Projekten zur Kreisentwicklung wurde gestartet. Ebenso wie die Dauerquerschnittsthemen Integration und Inklusion im schulischen, sozialen und gesellschaftlichen Bereichen, die wir weiterverfolgen werden.

Der Landkreis Ostallgäu hat den Hebesatz bei der Kreisumlage der Städte und Gemeinden heuer auf knapp 46 Prozent festgelegt. Warum diese Absenkung?

Zinnecker: Landkreis und Kommunen im Ostallgäu sehen sich als Partner, die meisten Initiativen und Maßnahmen des Landkreises passieren schließlich in den Kommunen. Wir haben die letzten Jahre gut gewirtschaftet und erheblich Schulden abgebaut. Eine Senkung um 1,6 Prozentpunkte entlastet die Gemeinden substanziell. Und wir können trotz Senkung alle Projekte finanzieren bei gleichzeitigem weiterem Schuldenabbau. Der Haushalt 2017 mit einer historisch hohen Umlagekraft und der Senkung der Kreisumlage bietet damit einen sehr guten Kompromiss zwischen einer soliden und nachhaltigen Finanzierung für die nächsten Jahre und einer Entlastung der Städte, Märkte und Gemeinden.

Asylbewerber sollen im Lauf der nächsten Jahre auf die größeren Orte im Landkreis konzentriert werden. Wie stehen Sie dazu?

Zinnecker: Derzeit gibt es im Regierungsbezirk Schwaben eine große Anzahl von Leerständen in den angemieteten Unterkünften, auch bei uns im Ostallgäu. Es erfolgen so gut wie keine neuen Zuweisungen mehr im Landkreis, die Zahl der Anerkannten steigt. Aufgrund eines Ministerratsbeschluss vom April 2016 dürfen wir deshalb in Schwaben keine Neuanmietungen oder Vertragsverlängerungen von Unterkünften mehr vornehmen und müssen vorhandene Kapazitäten nutzen. Wir suchen möglichst Lösungen, bei denen sowohl Asylbewerber als auch anerkannte Neuzugewanderte in den Orten bleiben können, wo sie bisher waren.

Ist bei anerkannten Asylbewerbern ein Trend in die Städte eindeutig erkennbar?

Zinnecker: Den anerkannten Asylbewerbern können wir rechtlich ohnehin keinen Wohnort zuweisen, so dass eine gerechte Verteilung leider nicht möglich ist. Viele von ihnen wollen auch in die Städte, wo es Arbeit und Infrastruktur gibt. Wir können also bei der derzeitigen Rechtslage eine Konzentration gar nicht verhindern. Gerade in Regionen mit zu wenig Wohnraum entlastet die Unterbringung der anerkannten Flüchtlinge in den bestehenden Gebäuden den Wohnungsmarkt und damit die Kommunen. Ich fordere zudem einen Sonderfond in Bayern, mit dem besonders belastete Kommunen zusätzliche Unterstützung erhalten!

Wo sind Städte und Gemeinden, wo ist da der Landkreis gefordert?

Zinnecker: Die meisten Bürgermeister der betroffenen Orte haben bereits reagiert und bauen zum Beispiel Kita-Plätze aus. Außerdem unterstützen der Landkreis und der Staat die betroffenen Kommunen kräftig: zum Beispiel mit der Koordination der Asylhelferkreise, der Optimierung der Bildungsangebote für Neuzugewanderte, der Vorbereitung der Flüchtlinge auf den Arbeitsmarkt, der Förderung für den Ausbau von Kita-Plätzen von bis zu 90 Prozent oder Fortbildungen für das Kita-Personal.

Wie bewerten Sie das Klima im Kreistag Ostallgäu?

Zinnecker: Das Klima im Kreistag ist konstruktiv und kooperativ! Natürlich gab es auch kontroverse Diskussionen, die teilweise leidenschaftlich geführt wurden. Aber am Ende standen immer eindeutige Ergebnisse, mit denen ich sehr zufrieden bin. Transparenz und Sachlichkeit über alle Fraktionen hinweg sind mir wichtig!

Wo verbringen Sie mehr Zeit: draußen auf Terminen im Landkreis oder drinnen im Landratsamt?

Zinnecker: Ich achte darauf, dass sich das ungefähr die Waage hält. Sowohl die Arbeit im Landratsamt als auch der Kontakt mit den Bürgerinnen und Bürgern im Landkreis sind mir wichtig und liegen mir am Herzen. In den Sitzungen und Besprechungen im Landratsamt stellen wir die Weichen für jede Menge zukunftsweisender Projekte und Maßnahmen. Bei meinen Außenterminen bekomme ich mit, wie es den Menschen im Landkreis geht, und wo wir eventuell noch nachsteuern müssen.

Wenn Sie im Auto unterwegs sind: Worüber reden Sie mit Ihrem Fahrer?

Zinnecker: Zum Plausch während der Autofahrt bleibt wenig Zeit. Meistens bereite ich mich auf den nächsten Termin vor, arbeite mit meinem iPad, lese Zeitung oder erledige ein Telefonat.

Wie viele Dirndl haben Sie im Kleiderschrank?

Zinnecker: Das verrate ich nicht. Ist ein Frauengeheimnis (lacht)!

Wie viele sind seit 2014 dazu gekommen?

Zinnecker: Ganz ehrlich, ich habe sie noch gar nie gezählt. Es sind natürlich einige dazu gekommen, denn es gibt eine Vielzahl von Anlässen, bei denen man im Dirndl genau richtig gekleidet ist.

Zum Schluss bitte diese Sätze ergänzen:

Wenn ich auf dem Auerberg stehe, dann…

Zinnecker:…bin ich fasziniert von unserer wunderschönen Natur: dem Voralpenland, unseren zahlreichen Seen und den beeindruckenden Bergen und denke jedes Mal an meine Landratskollegin, die Andrea von Weilheim-Schongau.

Zwischen dem Allgäu und dem Oberland…

Zinnecker: …gibt es viel mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede. Wir sind erfolgreiche Wirtschaftsräume und haben Bildungslandschaften, um die uns viele beneiden. Unser gemeinsamer Naturraum verbindet uns über die Regierungsbezirksgrenze hinweg. Genauso wie der ein oder andere Verein, dessen Mitglieder dies- und jenseits der Grenzen zu finden sind oder zwei Landrätinnen, die sich gut verstehen.

Dass ich bei den Wahlen 2020 erneut kandidiere, …

Zinnecker: …davon gehe ich jetzt mal aus. Ich bin gerne Landrätin im Ostallgäu!

jj

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