Iris Berben und Emilia Schüle im Kreisbote-Interview zum Kinostart

Jetzt im Kino: "High Society"

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Stehen gemeinsam vor der Kamera in der Komödie „High Society“: Iris Berben und Emilia Schüle. Unsere Redakteurin Sandy Kolbuch hat beide in Berlin getroffen.

Seit Donnerstag läuft er in den Kinos: „High Society“. Mit dabei sind Iris Berben und Emilia Schüle.

Iris Berben gab 1969 in Klaus Lemkes „Brandstifter“ ihr Fernsehdebüt. Großer Beliebtheit erfreute sie sich als Kommissarin Roth Roth in der gleichnamigen ZDF-Krimireihe. Neben zahlreichen TV-Auftritten ist Iris Berben auch auf der Kinoleinwand präsent, wie in „Miss Sixty“, „Traumfrauen” oder „Eddie the Eagle“. Emilia Schüle (*1992) war 2006 erstmals in dem Berlinale-Kurzfilm „Nichts weiter als“ zu sehen. Anschließend folgten die ersten Fernsehrollen in „Freche Mädchen“ und „Gangs“. Derzeit ist sie in der Literaturverfilmung „Jugend ohne Gott“ im Kino zu sehen. In Anika Deckers Komödie „High Society“ spielt sie die vertauschte Tochter einer Dame aus reichem Kreise, gespielt von Iris Berben. Unsere Redakteurin Sandy Kolbuch hat beide in Berlin getroffen.

Der Film ist trotz der Comedy sehr vielschichtig. Wie schwer war die Einfindung in die Rolle?

Iris Berben: Nicht allzu schwer, weil diese Figuren um uns herum leben. Es gibt diese Art von Menschen, für die Charity nicht Hilfe bedeutet, sondern Selbstdarstellung. Die Wahllosigkeit an Spenden ist an Zynismus kaum noch zu übertreffen. Sicherlich ist der Film überspitzt, zeigt aber auch eine große Prise Wahrheit.

Anabel wird von ihrer eigenen Familie fallengelassen, sobald feststeht, dass sie nicht die leibliche Tochter ist. Wie hast Du den Wechsel Deiner Figur empfunden?

Emilia Schüle: Wir haben den Film nicht chronologisch gedreht. Wir haben erst im Plattenbau gedreht und sind dann erst in die Villa gegangen. Den Wechsel habe ich also nicht ganz klassisch erlebt. Man kann behaupten, dass die Plattenbauwohnung der wärmere Ort ist, weil dort alle zusammenhalten. So habe ich es selbst beim Dreh empfunden. In der Schlacht-Villa gibt es wahnsinnig viel Platz, aber auch wahnsinnig viel Leere und Einsamkeit.

Was ist für Sie persönlich Luxus?

Iris Berben: Mein Luxus ist es, jemand zu sein, der frei bestimmen kann und der die Wahl hat. Und der wählen gegen darf. Für uns ist das selbstverständlich, aber wir sehen es bei den Parteien, die Möglichkeiten suchen, rückwärts gewandt Politik zu betreiben und die Menschen in die gegenwärtige Richtung der Selbstbestimmung drängen wollen.

Emilia Schüle: Für mich ist es Luxus, hier zu sitzen, selbstbestimmt zu sein und meinen Beruf ausführen zu können, ohne Druck von meiner Familie zu spüren. Ich kann als Frau frei wählen. Ich komme aus einer Auswanderer-Familie und werde immer wieder damit konfrontiert, wie mein Leben wohl ausgesehen hätte, wenn ich nicht ausgewandert wäre.

Was bleibt von den Rollen, die Sie spielen, hängen?

Emilia Schüle: Wenn man sich mit Themen wie den Tod auseinandersetzt oder mit allgemein sehr emotionalen oder körperlichen Momenten, dann machen die etwas anderes mit einem, als wenn man eine Komödie dreht. Was bleibt ist immer eine intensive Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Themen, die man so nicht gehabt hätte, wenn man die Rolle nicht gespielt hätte. Es variiert also immer.

Iris Berben: Zu der Frage, was Film mit einem macht, kann ich nur locker formulieren, dass ich keinen Psychiater brauche. Der Film macht einen sehr weitsichtig. Die Grenzen der Toleranz werden ausgeweitet, weil man in unterschiedliche Biografien eindringt. Es gibt Schauspieler, die man immer hinter der Rolle erkennt und es gibt jene, die man hinter der Rolle vergisst. Ich habe gerade vier Monate lang eine ganz unscheinbare Frau gespielt, an deren Innenleben man sehr interessiert ist. Mir machen Rollen Spaß, die sich weit von mir selbst entfernen, vor allem äußerlich. Diese Momente in der Schauspielerei sind grandios.

Wie sehen Sie die Entwicklung des Deutschen Films?

Iris Berben: Wir haben eine sehr spannende junge Generation an Schauspielern. Und auch den Alten, zu denen ich mich selbst zähle, gelingt es immer wieder, wunderbare Filme zu machen. Ich bin ein großer Fan von „Toni Erdmann“, der ganz viele andere starke Filme überragt hat mit seiner Präsenz. Wir haben im Deutschen Film eine Bandbreite und wir haben sehr gute Darsteller und Regisseure. Wir schaffen sehr viele gute Fernsehfilme, aber es ist wichtig, dass wir auch die Leinwände wieder füllen und die Größe des Kinos nutzen.

Emilia, kannst Du einen Ausblick auf Deine kommenden Rollen geben?

Emilia Schüle: Dieses Jahr startet ein Kammerspiel, das nur in einem Bordellzimmer spielt. Dann kommt „Es war einmal Indianerland“, die Verfilmung eines Jugendromans und eine sehr schrille Coming-of-Age-Geschichte im Westenstil. In „Simple“ spiele ich eine kleine Rolle. Und dann drehe ich dieses Jahr noch ein weiteres Kammerspiel.

Von Sandy Kolbuch

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