Die Jäger haben zwei Probleme

Verbissschäden und Schweinepest beschäftigen Ostallgäuer Jägerschaft

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Auch in diesem Jahr wurden wieder Mitglieder der umliegenden Hegegemeinschaften im Rahmen der diesjährigen Naturschutz- und Hegeschau in Oberostendorf für langjährige Mitgliedschaft bzw. Verdienste geehrt.

Oberostendorf/Landkreis – Die Gehörne der letzten Jagdsaison von den Hegegemeinschaften Baisweil, Buchloe, Kirchweihtal, Kaltental Nord, der Stadt Kaufbeuren und des Forstbetriebes Ottobeuren konnten die Besucher der Naturschutz- und Hegeschau der Unteren Jagdbehörde des nördlichen Landkreises Ostallgäu und der Stadt Kaufbeuren vor Beginn der eigentlichen Veranstaltung begutachten.

Verantwortlich für die reibungslose Durchführung im Vereinsheim Oberostendorf war traditionsgemäß der Jagdschutz- und Jägerverein Kaufbeuren e.V. (JJV). Für die musikalische Umrahmung sorgten auch in diesem Jahr die Jagdhornbläser des JJV Kaufbeuren.

In den Begrüßungsworten des 1. Vorsitzenden des JJV Kaufbeuren Stefan Schopf und des „Hausherrn“ der Veranstaltung, Oberostendorfs Bürgermeister Helmut Holzheu, wurde bereits eindringlich auf die sich immer stärker ausbreitende „afrikanische Schweinepest“ (ASP) hingewiesen. Auch Bundestagsabgeordneter Stephan Stracke und die Vorsitzende des Agrarausschusses im Bayerischen Landtag Angelika Schorer kamen an diesem Thema nicht vorbei. Übereinstimmend wurde darauf hingewiesen, dass sowohl Bundes- als auch Landtag die Seuche äußerst ernst nehmen. Sie erklärten in diesem Zusammenhang, dass hier die Jäger in die Verantwortung genommen werden, die alles menschenmögliche tun müssten, um einen Ausbruch größeren Ausmaßes in unserem Raum zu verhindern. Im Bayerischen Landtag wurden bereits 1,5 Millionen Euro für gezielte Maßnahmen gegen die ASP bereitgestellt.

Auch seine Durchlaucht Moritz Fürst von Oettingen-Wallerstein, Ehrenvorsitzender des Bayerischen Jagdverbandes, nahm sich des Themas ASP an und weitete das Ganze dahingehend aus, dass mit der Ausbreitung des Wolfes und der rapiden Zunahme von Bibern weitere Probleme auf die Jägerschaft zukämen, die in den kommenden Jahren gelöst werden müssen.

Regierungsrat Ralf Kinkel vom Landratsamt Ostallgäu und der Unteren Jagdbehörde gab Empfehlungen und Vorgehensweise beim Ausbruch der ASP bei unserem heimischen Schwarzwild. Gleichzeitig solle die Bevölkerung entsprechend informiert und ausdrücklich darauf hingewiesen werden, dass es sich bei der ASP um eine reine Viruserkrankung von Schweinen handelt, die zwar bei diesen Tieren zum Tod führe, aber für Menschen nicht gefährlich sei.

Fritz Obermaier, Jagdbeauftragter beim Landratsamt Ostallgäu, erläuterte in seinem Bericht, dass die Abschusspläne im zurückliegenden Jahr zu etwa 90 Prozent erfüllt wurden. So wurden im Jagdjahr 2017 und den ersten Monaten 2018 der Wildbahn der Hegegemeinschaften Buchloe, Baiweil, Kirchweihtal und Kaltental Nord insgesamt 1471 Stück Rehwild entnommen (447 Böcke, 579 Geißen und 445 Kitze). Beim Schwarzwild forderte er weiterhin eine intensive Bejagung und einen Schulterschluss der Jägerschaft und Aufhebung der Schonzeit. Bruno Dangel, Vertreter der Stadt Kaufbeuren, stellte seine Hegegemeinschaft als die wohl kleinste innerhalb Bayerns vor und präsentierte die Strecke der Unteren Jagdbehörde Kaufbeuren mit 35 Rehböcken, 50 Geißen, 17 Kitzen und zwei Stück Schwarzwild.

Mängel bei der Aufnahme von Wildverbiss

Dr. Holger von Stetten aus Freising kritisierte in seinem Vortrag, die seiner Meinung nach eklatanten Mängel bei Aufnahme und Auswertung des Wildverbisses. Diese wären in ihrer Vergleichbarkeit mit früheren Ergebnissen in etwa damit gleichzusetzen, indem man immer wieder bei Rot über eine Ampel fahren müsse, wenn man dies einmal getan habe. Und so stellte der Referent in diesem Zusammenhang die Frage: „Wie borniert muss man sein, offenkundiges Fehlverhalten nicht korrigieren zu wollen, um vergleichbar zu bleiben?“ Es gehe im Grunde, so von Stetten weiter, in dieser Sache nicht um die lediglich vorgeschobene Vergleichbarkeit eines „wissenschaftlich höchst fragwürdigen Verbissgutachtens“ sondern einzig und allein um die Durchsetzung überhöhter Abschusspläne. Dabei stehe der Grundsatz „Wald vor Wild“ an erster Stelle. Wie sich im Verlauf des Vortrages zeigte, ein höchst brisantes Thema das vor allem unter den anwesenden Behördenvertretern zu teilweise unterschiedlichen Meinungen führte.

Nachdem 1. Vorsitzender Stefan Schopf neue Vereinsmitglieder begrüßt hatte, überreichte er zum Abschluss noch Treue- und Ehrennadeln an verdiente Mitglieder. Die Jagdhornbläser Treuenadel in Gold für 40-jährige Mitgliedschaft erhielt Peter Schopf.

Ehrungen

Mit Treuenadeln geehrt wurden: Paul Gerhard Schubert für 25 Jahre Mitgliedschaft im JJV; für jeweils 50 Jahre Otto Geiger, Herbert Hakala, Dr. Wolfgang Hammerla und Adolf Scharf. Für 65 Jahre Mitgliedschaft Karl Eckl und Hans Schopf.

Das Vereinszeichen in Silber erhielt Anton Settele; die Wildhegenadel des BJV Norbert Wiedemann und den Eichenkranz in Bronze des BJV Regina Schaller.

von Klaus-Dieter Körber

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