Bundeswehr und Stadt ziehen an einem Strang

Neujahrsempfang Kaufbeuren: Jahr der Entscheidungen

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Oberst Dirk Niedermeier konnte über 300 Gäste beim traditionellen Neujahrsempfang von Bundeswehr und Stadt im Offiziersheim an der Apfeltranger Straße begrüßen.

Kaufbeuren – Der traditionelle Neujahrsempfang von Bundeswehr und Stadt machte eines deutlich: Die militärische Führung am Fliegerhorst und das Kaufbeurer Stadtoberhaupt ziehen an einem Strang. Während Oberst Dirk Niedermeier in seiner Ansprache die „qualitativ hochwertige Ausbildung“ der Abteilung Süd des Technischen Ausbildungszentrums der Luftwaffe betonte, sprach Oberbürgermeister Stefan Bosse von der „Operation Standortsicherheit“ bei der es mittels „Politik der kleinen Schritte“ gelte, „die über Jahrzehnte gewachsene Fachkompetenz in einem entsprechenden Umfeld“ zu erhalten. Beide Redner äußerten die Hoffnung auf eine Entscheidung in diesem Jahr.

Niedermeier konnte als Standort­ältester und Kommandeur über 300 Gäste aus dem öffentlichen Leben begrüßen und spannte in seinem Rück- und Ausblick einen Bogen vom sicherheitspolitischen Rahmen für die Bundeswehr bis zu den Ereignissen am Standort. Wie 2017 sei auch 2018 „sicherheitspolitisch kein einfaches Jahr“ gewesen. Die Zunahme von Krisen und Konflikten bedrohe die Sicherheit in einem Ausmaß, wie schon lange nicht mehr. Hinzu käme die Unberechenbarkeit des einst verlässlichen Bündnispartners in Person des amerikanischen Präsidenten. Gleichzeitig arbeite Russland außen- wie innenpolitisch unverhohlen an seiner Rückkehr zur Großmacht und am Machterhalt.

Mehr Europa

Vor diesem Hintergrund setze sich in Europa immer mehr die Überzeugung durch, mittels eigener militärischer Fähigkeiten auch ohne Abstützung auf die USA notfalls robust bei Konflikten eingreifen zu können. Dazu soll nicht nur die bereits 2017 ins Leben gerufene europäische Verteidigungsunion weiter gestärkt, sondern auch europäische Rüstungsvorhaben aufeinander abgestimmt werden. Deutschland und Frankreich hätten 2018 bekräftigt, gemeinsam ein neues Kampfflugzeug als Nachfolger des Eurofighter zu entwickeln. Der Tornado werde noch bis etwa 2030 im Einsatz sein. Mit dem 2018 erstmalig erstellten Fähigkeitsprofil der Bundeswehr – abgeleitet aus dem „Weißbuch 2016“ – würden detailliert der Bedarf der Bundeswehr sowie die Modernisierungsschritte bis 2031 beschrieben. Dabei wird in Zukunft die Landes- und Bündnisverteidigung für die Bundeswehr die anspruchsvollste Aufgabe sein. Die Zahl der Soldatinnen und Soldaten sei weiter auf jetzt 182.000 gestiegen und soll bis 2025 auf dann 204.000 ansteigen.

Ausblick „Thema Ausbildung“

Die bereits bekannte Entscheidung für die Stationierung von Transportflugzeugen des Typs A 400 M bis 2025 auf dem Lechfeld werde nach den Worten des Kommandeurs „aller Wahrscheinlichkeit nach“ auch Auswirkungen hier vor Ort haben, da es bezüglich der Infrastrukturplanung für eine Stationierung der A 400 M und einer Verlegung der Abteilung Süd eine Prioritätensetzung geben müsse. Ungeklärt sei nicht nur die Frage der Privatisierung der technischen Ausbildung am Eurofighter, sondern auch die Entscheidung zur Nachfolge des Tornado und der damit verbundenen Ausbildung. „Ich habe bei diesem Thema stets betont, dass ich persönlich davon überzeugt bin, dass die Ausbildung am militärischen Gerät durch Soldatinnen und Soldaten erfolgen soll und hoffe ,dass die Entscheidung in diese Richtung fallen wird. Denn wir vermitteln mehr als nur Wissen“, so der Kommandeur der Ausbildungseinrichtung. Überhastetes Handeln sei aber nicht geboten, da hier in Kaufbeuren nach wie vor eine fundierte, qualitativ hochwertige Ausbildung im Bereich Luftfahrzeug- und Radartechnik angeboten werde und alle benötigten Ressourcen vorhanden sind.

Allerdings müsse dringend insbesondere in die Infrastruktur der Unterkünfte investiert werden, da aufgrund einer alten elektrischen Anlage etliche Unterkünfte nur eine Steckdose hätten. Bei über 300 Unterkünften sei es aber gelungen, sie mit Fernseher, einem Kühlschrank und einer zusätzlichen Stehlampe auszustatten. In einer attraktiven Lernumgebung wünsche er sich auch WLAN mit freiem Zugang zum Internet für die Unterkünfte. Stolz war der Kommandeur darüber, dass sein Personal für die meisten eingereichten Verbesserungsvorschläge in der Luftwaffe zu Verfahren oder Systemen ausgezeichnet worden war. Mit Blick auf 2019 stellte Niedermeier fest, dass über 3.300 Lehrgangsteilnehmer geplant sind – 15 Prozent mehr als 2018 und über 100 Prozent der Kapazität, was nur mit externer Unterstützung möglich sei. Er bedankte sich bei den Organisatoren des Empfangs und der Klinikküche für die Kulinarik sowie der Standortkapelle für die musikalische Umrahmung.

„Gedanklicher Rundflug“

Oberbürgermeister Stefan Bosse erläuterte eingangs seiner Ansprache, dass die beim Eintreffen von Schornsteinfegern verteilten Glücksbringer in Form eines Würfels aus der bedeutendsten Würfelfabrik Deutschlands stamme – einem in Neugablonz angesiedelten Unternehmen. Anschließend lud er in gewohnt launiger Art und Weise die Zuhörer zu einem gedanklichem Rundflug über die Stadt mit dem am Fliegerhorst stationierten Polizeihubschrauber zu der Mission „Perspektivwechsel“ ein. Beim Anblick der Dimension des Fliegerhorstes hoffe er ausdrücklich auf eine „gesicherte Zukunftsperspektive für den Standort Kaufbeuren“ und dass dieser als „wertvolle Ergänzung zu Lagerlechfeld“ betrachtet wird und erhalten bleibt. Nach den politischen Besuchen im vergangenen Jahr habe nun auch Generalinspekteur Eberhard Zorn seinen Besuch zugesagt.

Für das Areal neben der Aktienbrauerei mit rund 350 geplanten neuen Wohnungen sollen Details der Bebauung gemeinsam mit der Bürgerschaft diskutiert und festgelegt werden. Auch für den Bärensee seit Jahren diskutierten Rundweg stehe inzwischen die Trasse fest und in wenigen Wochen gehe es ganz konkret um die Frage, welche Art von Brücke über den See gebaut wird. Denkbar sei auch eine Fährverbindung für die 2020 geplante Eröffnung des Rundweges. Nachdem private Investoren viele neue Wohnbauvorhaben umgesetzt hätten, möchte die Stadt den Bahnhof erwerben, um ihn selbst neu und barrierefrei zu bauen.

Im weiteren Verlauf des imaginären Fluges fiel der Blick auf den Jordanpark, für den ebenso Veränderungen anstehen, wie für das Areal des alten Eisstadions, welches in Teilen dem Jordanpark zugeschlagen und für Behördenbebauung genutzt werden könnte. Für die Altstadt soll das City-Management machbare Lösungen mit den Eigentümern zur stärkeren Nutzung in der Altstadt entwickeln – auch von Wohnraum und so für eine Belebung sorgen. Beim Flug über Neugablonz fiel die Kindertagesstätte an der Grünwalder Straße und die Generalsanierung der Gustav-Leutelt-Schule in den Blick, im Haken der Neubau des Kindergartens Leinauer Hang. Der dortige Bahnhalt Haken wird voraussichtlich 2021, der Bahnhalt bei Leinau ab 2020 gebaut werden. Am Klinikum soll 2019 ein Parkhaus und an der Finanz-FH ein Studentenwohnheim entstehen. Am Ende warb der OB insbesondere bei Unternehmen für das Projekt „Engagierte Stadt“, bei dem deutschlandweit 50 Städte – darunter Kaufbeuren – in einem Netzwerk bürgerschaftliches Engagement unterstützen.

von Wolfgang Becker

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