20 Jahre Mut und Ausdauer

Für Stefanie Wohlgemuth war es ein langer Weg zur Lehrerin

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Für Stefanie Wohlgemuth sind persönliche und tragende Beziehungen zu ihren Schülern eine pädagogische Grundvoraussetzung für den schulischen Erfolg.

Kaufbeuren – Früher galt es als eine Tugend, seine 50 Arbeitsjahre möglichst in derselben Firma zu bleiben, oder zumindest die gleiche Karriere geradlinig zu verfolgen. Vorbei sind jedoch die Zeiten, als der Personalchef argwöhnisch Bewerbungsunterlagen auf die Seite legte, weil unter „beruflicher Werdegang“ unterschiedlichste Ausbildungen und Berufserfahrungen aufgeführt worden. Nicht nur Rektor Hortig der Gustav-Leutelt-Schule sieht das anders.

Als Leiter der Abteilung Berufswissenschaft des Bayrischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV) des Bezirks Schwaben und als stellvertretender Abteilungsleiter auf Landesebene bringt er eine Menge Fachwissen ein. Er weiß es zu schätzen, wenn eine Lehrerin, wie Stefanie Wohlgemuth, mehr kennt als die Schulbank aus den unterschiedlichen Perspektiven als Schüler und Unterrichtsfachkraft.

Das Beispiel der 43-jährigen Mutter von vier Kindern zwischen neun und 20 Jahren soll all die Menschen ermutigen, die ebenfalls eine berufliche Umorientierung erwägen. Nach einem Studium und nach zwei Jahren Referendariat begann sie heuer nach den Sommerferien in Neugablonz endlich ihre feste Stelle als Lehrerin. Ein lang gehegter Wunsch ging damit in Erfüllung.

Ein langer Weg

Angefangen hat diese Umorientierung bereits vor etwa 20 Jahren. Damals hatte Wohlgemuth Fachschulreife der BOS Augsburg und arbeitete nach einer dreijährigen Ausbildung als Krankenpflegerin. Elf Jahre lang stellte sie sich in der Forensik des Bezirkskrankenhauses in Kauf­beuren den täglich wechselnden Herausforderungen. Sie betont ausdrücklich, dass ihr die Arbeit dort mit einem tollen Team und optimalen Arbeitsbedingungen viel Spaß gemacht habe, aber dass sie mehr machen wollte. Sie weiß, die Türen würden ihr dort immer noch offen stehen.

Lehrerin, erzählt sie, war damals ihr Traum, aber das war leichter gesagt als getan. Jung verheiratet wollte auch der Ehemann studieren, aber finanzielle Gründe erlaubten das Studium in Augsburg zunächst nur für einen der Partner, zumal die Ganztagsversorgung des ersten Kindes damals 700 Euro gekostet hätte – „ein völlig unerschwinglicher Betrag“, so Wohlgemuth rückblickend. Aus diesen rein praktischen Gründen studierte erst einmal der Ehemann Mathematik und Physik. Obwohl im Laufe der Jahre noch drei weitere Kinder hinzukamen, verfolgte die heute 43-Jährige zielorientiert ihren Weg. Da fehlte zu Beginn beispielsweise zunächst eine zweite Fremdsprache, um mit der Hochschulreife ein Studium der Pädagogik beginnen zu können. Neben Beruf und Haushalt wurde also eifrig Französisch gelernt, Bemühungen, die dann mit der erfolgreichen Prüfung im Jahr 2000 abgeschlossen werden konnten.

Es gab aber auch den Traum, eine Familie mit Kindern zu haben, was den Studienbeginn immer wieder aufschob, zumal sie über Jahre am Wochenende aus finanziellen Gründen im BKH weiter arbeiten musste. Aber auch später war es nicht immer leicht, die Bedürfnisse der Familie und des Studium in Einklang zu bringen. Vier Jahre pendelte sie regelmäßig und ausdauernd zwischen Kauf­beuren und Augsburg, bevor sie ihr Studium für das Lehramt an Mittelpunktschulen erfolgreich beenden konnte. Als gläubige Christin machte sie parallel noch eine Ausbildung als Katechetin, was ihr mit der Lehrerlaubnis der evangelischen Kirche auch ermöglichen würde, Religionsunterricht zu geben.

Endlich geschafft

Und wie fühlt sie sich jetzt als Neulehrerin? „Vor allem sehr erleichtert“, gibt sie lächelnd zu. Sie fühlt sich glücklich und zufrieden, die Ausbildung geschafft zu haben. Der lange und oft beschwerliche Weg hat sich für sie gelohnt. Nach zwei Jahren als Referendarin, freut sie sich jetzt auf die neuen Herausforderungen. Mit der Schule, die ihr zugewiesen wurde, ist Wohlgemuth sehr zufrieden. „Ich hatte mir schon immer gewünscht, in einer solchen Schule zu unterrichten.“ Aufgeräumt erzählt sie, dass sie mit vielen Schülern ihrer 5. Klasse bereits persönliche Beziehungen knüpfen konnte. Auch Rektor Hortig bestätigte, dass sein Neuzugang besonders mit ihrem spezifischen beruflichen Hintergrund eine wirkliche Bereicherung für das Lehrerkollegium darstelle.

Besonders in einer Ganztagsklasse, erzählt Wohlgemuth, würde sich ihre pädagogische Arbeit nicht nur auf die reine Vermittlung von Wissen beschränken. Da Schüler und Lehrerin viel Zeit gemeinsam verbringen, sei sie als Klassenlehrerin auch wichtige Ansprechpartnerin. Sie ist sich der besonderen Herausforderung in dieser Schule durchaus bewusst, die Schüler zu motivieren, denn als selbstverständlich könnte man davon, nach ihrer zweijährigen Erfahrung, nicht unbedingt in allen Klassen ausgehen. Aber sie sieht die Bedingungen durchaus positiv. Zum Beispiel hätte sie in Absprache mit Rektor Hortig, selbst sehr kreativ und flexibel, glücklicherweise bei Projekten weitgehend freie Hand, soweit die Maßnahme für die Heranwachsenden einen pädagogischen Sinn machen würde. Frühzeitige Berufsorientierung steht bei den Entscheidungen immer im Vordergrund.

Und Lehrerin Wohlgemuth hat schon wieder einen Traum. Zuerst einmal will sie jetzt über mehrere Jahre wichtige und notwendige Erfahrungen sammeln. Dann fände sie es toll, mit ihrem Ehemann zusammen eine Zeit im Ausland zu unterrichten. Bei so viel positiver Energie und Zielstrebigkeit bleiben wohl kaum Zweifel, dass beide diesen Traum früher oder später auch realisieren werden.

von Peter Suska-Zerbes

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