15 Jahre Beratungsstelle für Opfer sexueller Gewalt in Kaufbeuren

Betroffene nicht alleine lassen

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Dank Spenden konnte das Beratungszimmer mit einer „Sinneshöhle“ ausgestattet werden, in der traumatisierte Kinder Schutz und Geborgenheit finden können.

Kaufbeuren/Ostallgäu – Das US-Magazin „Time“ hat den Hashtag #MeToo zur Person des Jahres 2017 erklärt. Die Bewegung rund um #MeToo hat bekanntlich einen rigorosen offenen Umgang mit sexueller Belästigung und die öffentliche Bloßstellung mutmaßlicher Täter in Gang gesetzt. Bereits seit fünfzehn Jahren beginnt die Arbeit der Notruf- und Beratungsstelle für Opfer sexueller Gewalt dort, wo Kinder, Jugendliche oder Frauen sexuelle Gewalt erfahren haben und Unterstützung und Beratung brauchen.

Hier finden von Missbrauch Betroffene aus Kaufbeuren und der Region Ostallgäu qualifizierte Fachberatung. Die Kontaktaufnahme ist jederzeit unkompliziert und vertraulich per Telefon, auf Wunsch auch anonym möglich. Und zwar sowohl für Betroffene als auch für Angehörige oder Vertrauenspersonen.

Ein erfahrenes Team aus Diplom Sozialpädagoginnen mit therapeutischen Zusatzausbildungen stehen hier mit Informationen und Hilfsangeboten bereit, um gemeinsam mit den Opfern sowie deren Familien Wege zu finden, trotz und mit den Gewalterfahrungen ein selbstbestimmtes Leben zu führen. „Unser Angebot ist im Landkreis Ostallgäu und in Kaufbeuren einmalig, es gibt hier sonst keine vergleichbare Stelle. Missbrauchsopfer erhalten bei uns schnell passgenaue Hilfe“, betont eine der zuständigen Fachkräfte der Notruf- und Beratungsstelle. Ein weiteres Aufgabenfeld der Beratungsstelle ist die Durchführung von Präventionsveranstaltungen in Schulen, Kindergärten oder Vereinen für Eltern, Fachkräfte, Kinder und Jugendliche. Damit seien allein im Jahr 2016 über 400 Kinder mit ihren Eltern erreicht worden. Das vorrangige Ziel sei Kinder zu stärken um sie vor Übergriffen zu schützen.

Wie die Erfahrung der Sozialpädagoginnen der Einrichtung zeigt, benötigen einige Klienten aufgrund ihrer traumatischen Erlebnisse therapeutische Hilfe, die über die Beratungsleistung hinausgeht. Leider bestünden dafür oftmals lange Wartezeiten. Deshalb bietet die Beratungsstelle den Betroffenen zusätzliche Angebote, wie „Tiergestützte Therapie“ mit Pferden und Hunden sowie therapeutisches Klettern. Die Interaktion mit den Tieren und das Klettern seien enorm hilfreich. Stabilisieren sie doch das meist stark angeschlagene Selbstvertrauen der Klienten deutlich. Darüber hinaus helfe es, aus einer nach einem Missbrauch typischen Starre auszubrechen. „Diese Angebote können nur durch Spendengelder finanziert werden. Bislang wurden wir unter anderem von der Aktion ,Sternstunden‘ des Bayerischen Rundfunks dabei unterstützt“, erläutert eine der Sozialpädagoginnen der Einrichtung. So konnte auch das Beratungszimmer mit einer „Sinneshöhle“ ausgestattet werden, die den Kindern Licht und Platz zum Träumen und Fallenlassen bietet. Die Kinder würden hier den Schutz finden, den sie brauchen um sich wieder sicherer zu fühlen.

Für die Weiterführung der begleitenden Therapiemaßnahmen würden dringend Spenden gebraucht. Das Spendenkonto befindet sich bei der Sparkasse Kaufbeuren mit der IBAN DE33 7345 0000 0000 8339 39. Wie die Fachkräfte der Beratungsstelle betonen, stehen sie Spendenwilligen für Auskünfte zur genauen Verwendung telefonisch zur Verfügung: „Wir hoffen sehr auf eine positive Resonanz unseres Spendenaufrufes, um möglichst vielen Betroffenen die notwendige Hilfe zukommen zu lassen.“ Wer die Einrichtung lieber tatkräftig unterstützen möchte – weitere ehrenamtliche Kräfte sind hoch willkommen. Ein mögliches Einsatzgebiet ist die telefonische Rufbereitschaft, die von einem Kreis freiwilliger Mitarbeiterinnen an den Wochenenden, Feiertagen und während der Nächte unterstützt wird.

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