Arbeitsjubiläum der Tänzelfestschneiderin Elisabeth Seidel

30 Jahre im Dienste des Kaisers

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Elisabeth Seidel: „Meine allererste Aufgabe war das neue Wams für Herzog Albrecht.“

Kaufbeuren – Seit über zehn Jahren ist Schneidermeister Josef Seidel in der Tänzelfestschneiderei für Uniformen, Anzüge und Mäntel zuständig. Seine Frau Elisabeth kümmert sich um Einzelkostüme und Mädchengruppen. Sie kann beim Tänzelfestverein dieses Jahr sogar bereits ihr 30-jähriges Arbeitsjubiläum begehen. Das Ehepaar ist dort halbtags fest angestellt.

2019 lautet das Tänzelfestmotto „700 Jahre Ersterwähnung Blasiuskirche“. 1319 wurde die Kirche in einer Urkunde erstmals erwähnt, obwohl sie schon sehr viel älter ist. Zu diesem Motto wurde heuer keine neue Festzugsgruppe geschaffen. Zu tun gibt es jedoch in der Tänzelfestschneiderei immer etwas, auch wenn nicht gerade eine komplette neue Gruppe ausgestattet werden muss: kleinere und größere Reparaturen an den Kostümen, hier einen Rocksaum kürzen, da schnell noch am Vorabend des Umzugs ein Paar zu weite Hosen enger machen. Wenn bei der Kostümausgabe für die Tänze für ein Kind kein passendes Gewand da ist, wird auch innerhalb von rund vier Tagen noch eines genäht. Und außerdem wird immer wieder eine Gruppe erneuert, wenn sie abgeschabt und verblichen ist oder wenn, wie bei den Jagddamen, die Röcke inzwischen für den Herrensitz anmutig über den ganzen Pferdehintern drapiert werden müssen, weil es nicht mehr genug Pferde gibt, die an die einseitige Belastung durch einen Damensattel gewöhnt sind. Bei den Erneuerungen ersetzt man auch immer gleich die alten, schweren, oft auch unangenehm kratzigen Stoffe durch leichtere, die besser für einen Umzug in glühender Sommerhitze geeignet sind. Heuer waren zum Beispiel neben etwa zehn erneuerten Bürgerkinder-Gewändern die abgewetzten Livreen für die beiden Pagen der Kaiserin-Kutsche dran, deren aufwändiger Schnitt genau kopiert wurde. Tänzelfestmodistin Irmgard Schopf hat dazu die passenden Kappen kreiert.

„Ursprünglich war der Tänzelfestjob 1989 bloß eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme (ABM)“, erzählt die in Tarnowitz geborene Oberschlesierin Seidel. Nach der Grundschule und einer dreijährigen Ausbildung als Schneiderin schloss sie nach weiteren drei Jahren die Fachoberschule (Technikum) mit dem Fachabitur als „Bekleidungstechnikerin“ ab. In diesem Beruf fand sie jedoch, als sie 1987 nach Westdeutschland kam, keine Arbeit. Die ABM beim Tänzelfestverein war ein Glücksfall für sie, denn hier konnte sie nach Herzenslust in schönen Stoffen, Bändern, Borten, Rüschen, Knöpfen und Zierat aller Art schwelgen und ihrer kreativen Phantasie bei der Schaffung neuer Gruppen – natürlich im Rahmen der historischen Vorgaben – freien Lauf lassen. Ihre allererste Aufgabe war das neue Wams von Herzog Albrecht. Nachdem die ABM ausgelaufen war, wurde sie vom Tänzelfestverein fest übernommen.

Im Laufe der Zeit hat sie ungezählte Ratsherrenkrägen, Barockjacken, Ritterkostüme, Uniformen – auch für die Knabenkapelle – genäht, die Gruppen der Färber und Gerber erneuert, die ganze Gruppe der Weber neu geschaffen (mit die ersten, die in den Genuss der leichteren Stoffe kamen) oder die Kleider für die neue La-Roche-Gruppe nebst Schulmädchen und für die Rennaissance-Kinder geschneidert, um nur einige zu nennen. Auch Gewänder für die Zugbegleiterentstehen hier oder ein passendes Tänzelfest-Kostüm für den Oberbürgermeister.

Befragt, ob sie – nachdem sie dieses Jahr auch ihren 70. Geburtstag feiert – die Absicht hat, irgendwann in den Ruhestand zu gehen, meint sie lächelnd: „Ruhestand kommt nicht in Frage, solange die Gesundheit mitspielt und die Arbeit so viel Spaß macht wie bisher!“

von Ingrid Zasche

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