Liebeslyrik und anderes auf Hochdeutsch und Allgäuerisch

15 Jahre Poetentreff in Kaufbeuren

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OB Stefan Bosse (hinten mittig), Schirmherr des Poetentreffs, im Kreise der aktiv an der Gestaltung des Abends beteiligten Teilnehmer.

Kaufbeuren – Als neun schriftstellerisch ambitionierte Menschen 2004 in den Katakomben des Ganghofer-Cafés in Ganghofers Geburtshaus den Kaufbeurer Poetentreff ins Leben riefen, haben sie vermutlich nicht damit gerechnet, dass sich 15 Jahre später zur Feier des Jubiläums über 50 Gäste einfinden würden. Allein 26 der Gäste trugen kürzlich im Hotel Hirsch durch den Vortrag eigener Werke aktiv zum Gelingen der Feier bei.

Zweck des Poetentreffs – einem Ableger vom Autorenkreis Allgäu – war und ist die Förderung von dichterischem Nachwuchs und die Vernetzung mit anderen Autorenkreisen. Daher waren neben den Mitgliedern vom Autorenkreis Allgäu unter der Doppelspitze Ingeborg von Rumohr und Siegfried Kyek auch der Landsberger Autorenkreis und die Wattenweiler Literaten mit je vier Mitgliedern einschließlich der Vorsitzenden vertreten, die sich alle ebenfalls an den Lesungen beteiligten.

Oberbürgermeister Stefan Bosse, nicht nur Schirmherr vom Autorenkreis Allgäu, sondern auch seit dessen Gründung des Poetentreffs, hatte als „Geburtstagsgeschenk“ eine Zusage der Stadt im Gepäck, den Autorenkreis bei künftig auftretenden Mietkosten finanziell unterstützen zu wollen – „als Rückenwind für den Start in die nächsten 15 Jahre“.

Im Anschluss überreichte Ini­frau von Rechenberg, die bei der vergangenen Weihnachtsfeier einen Preis von 100 Euro für das schönste Liebesgedicht ausgelobt hatte, diesen Preis nebst Urkunde an die Siegerin. Margit Schäfer hatte mit ihrem anrührenden Gedicht „Liebe ist barrierefrei“ aus der Sicht einer querschnittsgelähmten Rollstuhlfahrerin die Jury überzeugt. Die restliche Zeit vor der Pause war weiteren Liebesgedichten vorbehalten, wie sie unterschiedlicher nicht sein konnten. Von der allgemeinen Liebe zu Mensch und Natur über frech-erotische Phantasien, Ratschläge für ein junges Hochzeitspaar, Gottesliebe oder selbst-ironischen Verzicht („Silke – liebte Rilke – mehr als mich“) bis hin zum Mundartgedicht über „Da Krawatteknota“, aus dem man „die Liebe heraushören musste“ waren alle Spielarten der Liebe geboten. Auch der „One-Night-Stand“, „Liebe im Wandel“ und „Die eine, besondere Liebe“ wurden thematisiert.

Marthl Nahm, mit fast 96 Jahren das älteste aktive Mitglied des Allgäuer Autorenkreises, trug ihre beiden Gedichte auswendig vor und beendete sie traditionell mit einem kleinen Knicks.

Nach der Pause fanden auch andere Themen als die Liebe sowie Prosatexte Gehör, darunter weitere Mundartbeiträge. Einer davon stammte von einer Teilnehmerin, die nur aus der Zeitung vom Poetentreff erfahren hatte. Und selbstverständlich dürfen hier alle ihre Gedichte und Prosatexte vortragen. „Barde“ Roland Dressler, der seit Jahren die Poetentreffs mit Gitarre und Mundharmonika musikalisch begleitet, lockerte den Abend auf mit teils eigenen Liedern, teils vertonten Texten von Isolde Unsin.

Insgesamt war eine unglaubliche Vielfalt geboten an „Schwingung, Zartheit, Witz und Humor“, wie es Ingeborg von Rumohr am Ende des Abends zusammenfasste. Das vielfach vorhandene Potential war auch unschwer am von eigenen Veröffentlichungen der Teilnehmer überquellenden Büchertisch zu erkennen.

Der nächste Poetentreff findet am Samstag, 19. Oktober, um 18 Uhr statt.

von Ingrid Zasche

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