Festakt: 60 Jahre Technische Ausbildung der Luftwaffe am Standort Kaufbeuren

"Eine Wiege der Luftwaffe"

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Jubiläum mit Ausstellung: Im Rahmen einer Feierstunde wurde der Übergabe des Fliegerhorstes und der Aufstellung der damaligen Technischen Schule 1 gedacht.

Kaufbeuren –„Kaufbeuren ist mit Blick auf die Fliegerhorste eine der Wiegen der Luftwaffe.“ Mit diesen Worten skizzierte Oberst Dr. Volker Pötzsch als Kommandeur der Abteilung Süd des Technischen Ausbildungszentrums in seiner Ansprache einen Meilenstein in der Stadtgeschichte Kaufbeurens.

Anlässlich der Übergabe des Fliegerhorstes Kaufbeuren durch die amerikanische Luftwaffe an die Bundeswehr vor 60 Jahren hatte der Kommandeur Soldaten, zivile Angehörige und Gäste zu einer Feierstunde im Kaufbeu­rer Fliegerhorst eingeladen.

„Wir feiern 60 Jahre Technische Ausbildung am Bundeswehrstandort Kaufbeuren“, so der Kommandeur. In den vergangenen Jahrzehnten habe man die Herausforderungen der sich verändernden Waffensysteme von der F-84 bis zum Eurofighter mit anerkannt hoher Qualität gemeistert – ohne Unterbrechungen. Als Vorlauf hatte die einstige 7331st Technical Training Group der US-Air Force deutsche Soldaten auf ihre Aufgabe als technische Ausbilder vorbereitet, bevor Oberst Werner van Hees als erster Kommandeur die damalige Technische Schule 1 am 16. Dezember 1957 übernahm. Der Verband gehörte zusammen mit Erding, Fürstenfeldbruck und Penzing zu vier Flugplätzen, welche zwei Tage zuvor in einem feierlichen Akt auf dem Fliegerhorst Erding der Bundeswehr übergeben worden waren. Von diesen sei, so Oberst Dr. Pötzsch, aktuell noch einer aktiv – nämlich Kaufbeuren. „Kaufbeuren war, ist und wird hoffentlich noch lange der Standort für die Ausbildung von Jet-Technikern bleiben“, sagte der Kommandeur.

Laufend Veränderungen

Kalter Krieg und Wiedervereinigung, strukturelle und personelle Veränderungen sowie die Armee im Einsatz habe die Einrichtung erlebt. Nun stehe man wiederum an der Schwelle zur Reorientierung zur Landes- und Bündnisverteidigung. „Unsere Tradition begründet sich in dem festen Willen, zum richtigen Zeitpunkt das Richtige auszubilden“, sagte der Oberst, der abschließend in Ergänzung eines Zitats aus dem Tagesbefehl des ersten Kommandeurs das heutige Motto der Ausbildungseinrichtung definierte: „Modern, flexibel, effizient, kameradschaftlich und fair.“

Auch der Kommandeur des Technischen Ausbildungszentrums der Luftwaffe in Faßberg als vorgesetzte Dienststelle, Oberst Georg von Harling, gratulierte zum Jubiläum. Die große Herausforderung liege in der Diversität der 230 angebotenen Lehrgänge. Der gerade erst an das Technische Ausbildungszentrum verliehene Prinz-Heinrich-Preis für den besten Luftwaffenverband beweise, mit welcher Leistungsbereitschaft diese Aufgabe erfüllt werde. Die Ausbildung auf professionell hohem Niveau könne als Leuchtturm der Tradition für die nächste Soldatengeneration als Wertmaßstab und gelebtes Vorbild dienen. Von Harling zitierte abschließend den häufig verwendeten Aphorismus: „Tradition ist nicht das Bewahren der Asche, sondern das Weitertragen des Feuers“ und forderte in diesem Sinne den Geist der Ausbildung weiter nach vorne zu tragen.

Oberbürgermeister Stefan Bosse sprach in seinem Grußwort von „einer großartigen Geschichte des Miteinanders“. Die Angehörigen der Ausbildungseinrichtung bezeichnete er als „wertvollen Baustein für die Stadtgesellschaft“, welche die Stadt bereichert hätten. Er ließ keinen Zweifel daran, dass das Technische Ausbildungszentrum ein wertvoller Partner sei, der so niemals an beliebiger Stelle ersetzt werden könne. „Am weiteren Verbleib wird gearbeitet“, so der OB, „der Standort steht heute besser denn je da. Wir hoffen auf eine Entscheidung, die anerkennt, was hier 60 Jahre geleistet wurde.“ Er wolle die Hoffnung auf eine Feier zum 70. Jubiläum nicht aufgeben.

„Die Bundeswehr ist Taktgeber in der Region, von der viele profitiert haben“, so MdL Bernhard Pohl in seiner Ansprache. Know-how und viele neue Ideen seien aus der Schule transportiert worden. Er hoffe, dass für die Bundeswehr zukünftig genügend Geld bereitgestellt wird. „Dann wird es auch für einen herausragenden Standort wie Kaufbeuren genügend Verwendung geben, sodass wir auch in zehn Jahren den 70. Geburtstag feiern können“, schloss Pohl.

Lehrsammlung Geschichte

Schon vor der offiziellen Begrüßung konnten die Besucher einen Einblick in die ereignisreiche Vergangenheit der Einrichtung gewinnen. Zu diesem Zweck hatte Hauptmann der Reserve Matthias Tietje als Leiter der Lehrsammlung Geschichte in Zusammenarbeit mit der Reservisten- und der Standortkameradschaft eine Ausstellung in Form von Bildern, historischen Dokumenten sowie mit vielen verschiedenen Exponaten der Ausbildung aus den vergangenen sechs Jahrzehnten vorbereitet. Die sich anschließende Weinpräsentation nutzten die Besucher zum intensiven Austausch von Erinnerungen.

von Wolfgang Becker

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