Neue Angebote auf kleinem Raum machen Bücherei sehr beliebt

Treffpunkt Bibliothek

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Michaela Gemkow (li.), Leiterin der Stadtbücherei, und Beate Guggemos, zuständig für die Kinder- und Jugendabteilung, sind stolz auf die freundlich und offen gestaltete Kinderecke der Bibliothek

Kaufbeuren – „Gegen den bundesweiten Trend sind unsere Entleihungen mit knapp 260.000 im letzten Jahr gegenüber dem Vorjahr um mehr als 15.000 gestiegen“, vermeldete die Leiterin der Stadtbücherei Michaela Gemkow. Sie stellte bei der jüngsten Sitzung des Kulturausschusses den Jahresbericht 2014 der Stadtbücherei vor – mit vielen positiven Entwicklungen, aber auch Ideen zur Optimierung.

Neben der normalen Ausleihe, unter denen Kinderbücher, DVDs und CDs wie Hörbücher am beliebtesten waren, wurde auch die Onleihe via Internet sehr gut angenommen. Sachbücher seien dagegen rückläufig, weswegen sie in diesem Frühjahr auch teilweise weichen müssen, um den „Ausleihrennern“ den nötigen Platz einzuräumen, so Gemkow. 

Platzmangel stellt ohnehin ein Problem in der Stadtbücherei dar, so dass einige Bücher des Bestandes nicht angemessen präsentiert werden können. Die Mitarbeiter „spielen Mühle” und verrücken Regale oder strukturieren die Bücher anders, damit die Regale ansprechend gestaltet werden. 

Viel Arbeit steckten die neun Mitarbeiterinnen und zwei Freiwillige im letzten Jahr in die Kinder- und Jugendarbeit mit Vorlesenachmittagen und der Leseförderung für Kinder im Bilderbuchalter und für Vorschulkinder. Außerdem unterstützte die Stadtbücherei mit gezielten Führungen für Schulklassen die Arbeit der Lehrer und Erzieher. Als neues Angebot wurden die sogenannten Hybridmedien sehr gut nachgefragt. Hierbei handelt es sich um Bücher, die mithilfe eines digitalen Mediums noch besser angenommen werden. So können Bücher vorlesen, Geräusche machen, Fragen stellen und Instrumente spielen, wenn man etwa einen speziellen Stift hinhält. 

Michaela Gemkow würde die Bibliothek „gerne als einen Treffpunkt etablieren“, wo man sich aufhalten und Zeitung lesen oder das Internet nutzen kann. Aber auch hier fehlt es an Platz für mehr Tische und Stühle. Im Hinblick auf den sozialen Aspekt gab es bereits 2014 Veranstaltungen wie Bastelworkshops und Lesungen, die auch weiterhin geplant sind. 

Das Veranstaltungsprogramm im letzten Jahr reichte vom Lernfest im Frühling über „Lesen und mehr“ bis hin zu einer Schreibwerkstatt für Kinder und einem Sommerferien-Leseclub, der im kommenden Jahr für Grundschüler geplant ist. Für Veranstaltungen können einige Regale, die auf Rollen stehen, verrückt werden, um Platz zu schaffen. Der Bibliothek mit Zweigstelle in Neugablonz mangelt es neben Platz aber auch an einem Veranstaltungsetat, der ein zusätzliches Programm möglich machen würde. 

Für die Zukunft ist geplant, einen kostenlosen WLAN-Zugang für die Nutzer der Bibliothek einzurichten und Medien für Asylbewerber und Flüchtlinge anzubieten, „um ihnen einen niederschwelligen Zugang zu Literatur zu ermöglichen“ und beim Deutschlernen zu unterstützen, so die Büchereileiterin. Gemkow hat in diesem Zusammenhang bereits die Planungen aufgenommen für sogenannte „Medienkoffer“ mit mehrsprachigen Bilderbücher für Flüchtlingskinder und (Bild-) Wörterbücher auch für Erwachsene. Diese Kisten werden in absehbarer Zeit in drei bis vier Asylunterkünften als Pilotprojekt kostenfrei bereitstehen. 

Darüber hinaus bekommen Asylbewerber – wie auch Neubürger der Stadt – im ersten Jahr, in dem sie in Kaufbeuren wohnen, einen kostenlosen Büchereiausweis. Das Medienkofferprojekt wird vom Integrationsbeirat mit 1000 Euro unterstützt. Zusätzlich werden diese Medien auch in der Bücherei selbst zu finden sein. Die städtischen Ausgaben im letzten Jahr für die Bücherei betrugen knapp 400.000 Euro, womit Personal-, Verwaltungs- und Medienkosten gedeckt wurden. 

Demgegenüber stehen Einnahmen von rund 45.000 Euro aus Förderungen von Bund und Freistaat und besonders aus Jahres- und Versäumnisgebühren. Die Büchereien Kaufbeuren und Neugablonz zählten im letzten Jahr circa 80.000 Besuche, 5000 aktive Entleiher und 1000 Neuanmeldungen.

von Martina Staudinger

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