Heimatverein Kaufbeuren diskutiert über Stadtbild und Kurat Frank

Großflächige Veränderungen

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Dr. Ulrich Klinkert bedauert, dass das Haag-Haus mit Denkmalscharakter abgerissen werden soll.

Kaufbeuren – Terminverschiebungen und die gleichzeitig im Museum stattfindende Eröffnung der Ausstellung zu Daniel Hopfer bescherte dem Heimatverein zwar eine eher schwach besuchte, dafür aber um so lebhafter ablaufende Jahreshauptversammlung.

Der Vorstand wurde ohne Gegenstimmen im Amt bestätigt. Zentrale Themen waren neben den Vorstandsberichten auch die großflächigen Veränderungen im Stadtbild und die aktuelle Diskussion um Kurat Christian Frank. 

Zunächst gedachten die Versammelten der im Jahr 2014 verstorbenen Vereinsmitglieder darunter auch der beliebte und durch viele Bildvorträge bekannte Helmut Auerbach, der noch zu den Mitbegründern des nach dem Krieg wiedererstandenen Heimatvereins zählte. Aufgrund zahlreicher Neuzugänge gehören dem Verein jetzt 1035 Mitglieder an. 

Ausgehend von den weitgesteckten Zielen des Vereins erläuterte der Vorsitzende Werner Weirich die Aktivitäten des letzten Jahres. So wurden die großzügig ausgefallenen Spendengelder wieder in „viele sinnvolle Projekte“ investiert. Unterstützt wurden zum Beispiel Helmut Laussers großes Quellenkompendium zur mittelalterlichen Geschichte Kaufbeurens, die Sanierung der Kirchenorgel der Pfarrei Heilige Familie, der Ankauf von zwei Sofie La Roche-Orginalbänden für das Museum, sowie der 13. Band der Kaufbeurer Schriftenreihe. 

Nicht zuletzt gehörten die viermalige Herausgabe der Kaufbeurer Geschichtsblätter und ein attraktives Vortrags- und Exkursionsangebot zum Arbeitsprogramm des Vereins. Dabei kündigte Weirich auch die Herausgabe eines neuen Registerbandes an, der die letzten fünfzehn Jahre der Geschichtsblätter erschließt. 

Die intensiven Bemühungen des Vereins um die Denkmäler und eine vernünftige Gestaltung des Stadtbildes standen im Mittelpunkt der Überlegungen des zweiten Vorsitzenden Dr. Ulrich Klinkert. Er spannte dabei den Bogen von der Umgestaltung der „Traube“ über die Auseinandersetzungen um die Bebauung des Forettle-Areals bis hin zur geplanten Sanierung des Jordanparks. 

Besonders bedauerte er den drohenden Verlust des Haag-Hauses und weiterer für die Gewerbegeschichte der Stadt wichtiger Gebäude mit Denkmalscharakter. Ein eigenes Sonderheft sei für das 125-jährige Jubiläum des Jordanparks geplant. 

Die Neuwahlen bestätigten die Führung des Vereins: Werner Weirich (1. Vorsitzender), Dr. Ulrich Klinkert (2. Vorsitzender), Pilomena Knoll (Kassiererin), Margret Aschenmeier (Schriftführerin) und als Beisitzer Petra Weber, Helmut Lausser und Wolfgang Sauter. 

"Kurat Frank taugt nicht als Vorbild" 

Nicht unerwartet und voraussehbar kontrovers wurde die Rolle des Kuraten Christian Frank diskutiert. Dabei kreisten die Beiträge um die Themen Schuld und Verantwortung sowie den Sinn eines Jahrzehnte später erfolgten „Denkmalsturzes“. 

Weirich differenzierte deutlich zwischen dem verdienstvollen Pionier in Sachen Heimatpflege auf der einen Seite und andererseits dem Anhänger und Propagandisten völkischer Anschauungen, der sich in seinem Denken nach dem Ersten Weltkrieg immer mehr radikalisierte und große Hoffnungen in den Nationalsozialismus setzte. 

Dr. Ulrich Klinkert sah die Bedeutung der aktuellen Auseinandersetzung weniger in der notwendigen Neubewertung Franks, sondern eher in der Chance, den Sinn von Heimatpflege immer neu zu überdenken und modern und zukunftsweisend zu begründen. Einig war man sich darin, dass Frank als Vorbild nicht tauge, was man aber von einem Ehrenbürger und Namensgeber für eine Straße als Minimalanforderung erwarten müsse.

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