Erstmals dürfen Mädchen in Tänzelfestkapelle

Tänzelfestmotto 2017 lautet "Unterm Fünfknopfturm"

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Matthäus „Hias“ Deininger (rechts) wurde „in Würdigung langjähriger Verdienste um den Tänzelfestverein“ zum Ehrenmitglied ernannt, Vorstandsmitglied Christian Mayer überreicht die Urkunde.

Kaufbeuren – Das 150-jährige Jubiläum sollte Anfang April unbedingt noch als reine Knabenkapelle gefeiert werden. Doch dann hat sich der Vorstand des Tänzelfestvereins jetzt doch „schweren Herzens“ entschlossen – „allerdings vorläufig nur versuchsweise für ein Jahr“ – Mädchen zur Tänzelfestkapelle zuzulassen, um die volle Stärke vor allem der Register Klarinette und Querflöte zu gewährleisten. Danach werde man weiter sehen. Auf keinen Fall werde es jedoch Mädchenkostüme geben – es bleibe bei der traditionellen Bürgerwehruniform für alle.

Das verkündete Vorstand Horst Lauerwald vergangene Woche bei der Jahreshauptversammlung des Tänzelfestvereins e. V. Kaufbeuren im Hotel „Am Kamin“ vor einer großen Anzahl Mitglieder. Ansonsten zeigte er sich „hochzufrieden“ mit dem positiven Verlauf des Geschäftsjahres 2016, der auch aus dem Vortrag von Kassenwart Edgar Schlichtherle hervorging. Die Kassenprüfer Wolfgang Demel und Peter Wittmer bescheinigten der Vereinsführung einmal mehr „eine sparsame und umsichtige Kassenführung“ und beantragten die Entlastung des gesamten Vorstands, welche von der Versammlung einstimmig erteilt wurde.

Der Verein steht nach wie vor schuldenfrei da und konnte im vergangenen Jahr wieder einige Investitionen vornehmen, allen voran eine neue Feuerwehrgruppe aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts, die im Festzug nach der Biedermeiergruppe eingefügt wird. „Wenn die Tänzelfestkinder die ganze ,Geschichte ihrer Stadt‘ spielen sollen, kann man schließlich nicht beim 19. Jahrhundert stehen bleiben“, hieß es. Mit glänzenden Messinghelmen und einer von Ponys gezogenen Spritze werden die von Josef Seidel sorgfältig geschneiderten strengen dunklen Steiger-Uniformen einen hübschen Kontrast zu den pastelligen Biedermeierkindern abgeben. Diese bekommen eine neue, viel sicherere Gruppenkutsche, und die Pferdeführer stilvolle schwarze Westen und Hüte. Für die Jagddamen hat der Verein Kostüme angeschafft, die im Herrensitz aufs Pferd passen, da es kaum noch Pferde gibt, die an die einseitige Belastung durch Damensättel gewöhnt sind. Einige der „räudigen“ Beutetiere der Jagdgruppe wurden ebenfalls ersetzt. Den reichen Rennaissance-Bürgern wurden Kostüme für „entzückende“ Töchter hinzugesellt. Auch die ausgebleichte Rathaus-Dekoration wird erneuert, ebenso wie einige der Tribünenbedachungen.

Trotz aller Schwierigkeiten bei der Zugplanung wegen der Sanierung der Fußgängerzone und trotz des krankheitsbedingten Ausfalls von Siglinde Blind von der Kleiderkammer und vor allem von Pressewart Hans Schwangart blickte Vorstand Lauerwald optimistisch in die Zukunft. Als Schirmherrn für das Tänzelfest 2017 konnte der Verein den Augsburger Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl gewinnen.

Außerdem habe die Stadt signalisiert, bei schlechtem Wetter zur Eröffnung wieder die Benutzung des Eisstadions zu ermöglichen, wenn die aktuell laufende Untersuchung durch den TÜV kein negatives Attest ausstellt. Wie berichtet, soll die Untersuchung klären, ob das Stadion auch nach dem Schließungstermin Ende Juni noch sicher ist.

Das von Rosi Lauerwald vorbereitete Eröffnungsstück zum Motto „Unterm Fünfknopfturm“ bezieht sich zusammen mit der neuen Feuerwehrgruppe auf die ehemalige Funktion des Türmers als „Feuermelder“ für die Stadt.

Vorstandsmitglied Christian Mayer dankte dem „Pferdeflüsterer“ und „Mädchen für alles“, Matthäus „Hias“ Deininger, für seinen fünfzigjährigen Einsatz zum Wohl des Vereins, und überreichte ihm die Urkunde, mit der er zum Ehrenmitglied ernannt wurde. „Wo immer Not am Mann war, sprang er ein“, hieß es in der Laudatio. Abschließend wünschte Horst Lauerwald ein „schönes, vor allem unfall­freies“ Tänzelfest 2017.

von Ingrid Zasche

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