Kaufbeurer Stadtrat: OB Bosse  blickt auf das vergangene Jahr und wagt Ausblick

"Hirnschmalz & Optimismus"

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Gerhard Bucher, 2. Bürgermeister und CSU-Fraktionschef, und OB Stefan Bosse (Foto) boten einen detaillierten Überblick über die Projekte 2012 und 2013.

Kaufbeuren – Das alte Jahr neigt sich seinem Ende, und traditionsgemäß ließen der Oberbürgermeister und CSU-Fraktionschef Gerhard Bucher – in der jüngsten Stadtratsitzung die vergangenen zwölf Monate Revue passieren. 

Auch einige Perspektiven für 2013 zeigte Stefan Bosse in seiner Ansprache zum Jahresende im Stadtrat auf, obwohl bei vielen Themen – ob Konversion, Stadtentwicklung oder der jüngste Vorfall mit der Schließung des Eisstadions – eine genaue Vorhersage nicht ganz einfach schien. „Hier brauchen wir einigen Hirnschmalz!“ fasste das Stadtoberhaupt den aktuellen Stand der Dinge auf saloppe Art zusammen. Von „zwei Innenstädten“ sprach der Oberbürgermeister in Bezug auf Kaufbeuren und Neugablonz und machte so schon zu Beginn die Komplexität der vergangenen und zukünftigen Aufgaben für die Wertachstadt klar. Die baldige Fertig- stellung des aktuellen Bauabschnitts am „Neuen Markt“ kommentierte Bosse mit den Worten: „Hier entsteht der größte und schönste Platz unserer Stadt“. Aber auch in der Kaufbeurer Innenstadt habe sich im vergangenen Jahr einiges geändert: „Wir registrieren im Norden der Fußgängerzone durch die Ansiedlung des Modeparks Röther eine massive Belebung, ohne dass die Frequenz an anderer Stelle merklich nachgelassen hätte“, teilte Bosse mit. Weitere Schritte in die richtige Richtung seien zudem das neue Parkhaus Süd und die momentan noch in der Fertigstellung befindliche Sparkassen-Passage sowie die beschlossenen Investitionen am Forettle und die Ansiedlung eines Möbelhauses am Bavariaring. Vergleichsweise kurz sprach der Oberbürgermeister das Thema Konversion an – in 2012 war darüber umso mehr diskutiert worden. Etwas wirklich neues gab es zum Abzug der Bundeswehr, geplant für 2017, auch nicht zu vermelden: Die Perspektive Fluglotsenausbildung entwickle sich gut und die Außenstelle der Hochschule Kempten habe „wichtige Hürden“ genommen. Bosse erklärte dazu: „Wenn es zukünftig eine Außenstelle gibt, dann ist sie in Kaufbeuren!“ Die Konversion nehme langsam Formen an: „Wir sehen auf Bundesebene ernsthafte Bemühungen in diesem Bereich“, versicherte Bosse, gab aber zu, das Thema bleibe „eine Mammut-Aufgabe“.

 "Lösung vieler Probleme" 

Beim Punkt „Verkehr“ warb Bosse um Verständnis für die „teilweise unpopulären“ Maßnahmen, die anlässlich des GUV-Gutachtens zur erhöhten Ver- kehrssicherheit in Kaufbeuren beitragen sollen. Die Idee, die Osttangente auf das Bundeswehrareal zu führen, beinhalte weiterhin viel Potenzial. Tatsächlich könne eine Verwirklichung der Tangente „die Lösung für viele Probleme“ sein: „Wir haben hier eine Verkehrsstruktur auf dem Niveau der 1960er Jahre, und das 2012!“ Der B12-Ausbau bleibe 2013 „Top-Thema“, wie auch wichtige Projekte an den örtlichen Schulen. Ein weiteres – in diesem Fall aber wohl eher unfreiwillig – „ewiges“ Anliegen schnitt Bosse mit den Projekten Reifträgerweg und Bahnbrücke Leinau an. Hier konnten die Zuhörer im Stadtrat die persönliche Verärgerung spüren, als Bosse erklärte, die ständigen Petitionen hierzu seien „rechtsmissbräuchlich und undemokratisch“. Jedoch sollten „nicht nur die negativen Nachrichten dominieren“: Die Außenstelle der Hochschule Kempten sei bis 2020 gesichert, der Klinikkompromiss von Blonhofen sei ein „guter Baustein im Miteinander von Kreis und Stadt“, das Krankenhaus Kaufbeuren sowie das BKH stünden „blendend“ da, das Unternehmen HaWe werde seine kompletten Baupläne realisieren. Dies sei auch ein gutes Signal für die Verbesserung der Steuerkraft in Kaufbeuren, die wirtschaftlich das „wichtigste Ziel“ sei. (Noch) nicht ganz so geradlinig stellt sich momentan das Vorgehen nach der sofortigen und umfassenden Sperrung des ESVK-Stadions dar, des, so Bosse, „nach Parkhaus und Leinauer Brücke dritten und wohl bislang prominentesten Streusalz-Opfers“. Ein Stadion-Neubau sei nicht unter 10 Millionen Euro zu haben, eine Sanierung daher vorzuziehen. „Wir müssen noch eine Lösung entwickeln, die Botschaft soll aber lauten: ‘Wir stemmen das!’“ In diesem Sinne dankte der Oberbürgermeister auch allen Mitarbeitern in Stadt und Verwaltung, den örtlichen Unternehmen, dem Stadtrat und nicht zuletzt allen Bürgern, die sich ehrenamtlich engagieren. 

Der gute Ton 

Mehr auf die interne Zusammenarbeit im Stadtrat ging der Fraktionsvorsitzende der CSU und 2. Bürgermeister, Gerhard Bucher, ein. Er lobte das „gute und vertrauensvolle Einvernehmen“ und erinnerte an die 2012 verstorbenen Stadtratskollegen Werner Seibt und Georg Kollmeder, denen mit einem Moment des Schweigens gedacht wurde. Beim Thema „Eisstadion“ stellte Bucher klar, man müsse sich „mit dem ESVK solidarisch erklären und Opfer bringen, sonst ist Eishockey in Kaufbeuren tabu und einer unserer größten Werbeträger verloren!“ Entscheidend sei immer die Rück- meldung, die man aus der Bevölkerung erhalte. „Nicht akzeptabel“ seien jedoch im „alten Jahr“ die Anfeindungen gegen Stefan Bosse und die Verwaltungsratsmitglieder im Zuge der Klinikendebatte gewesen. „So dürfen politische Entscheidungen nicht geschürt werden!“ Für 2013 wünsche er sich daher, dass der „gute Ton der letzten Jahre nicht verlassen wird“.von Michaela Frisch

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