Motto „Eviva España Olé!“

Jakobs-Pilger auf Abwegen beim Saskalerball

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Mottogerecht kostümiert: OB Stefan Bosse und Katja Brauner als Don Quijote und Sancho Panza.
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Mottogerecht kostümiert: zwei Stierchen.
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Mottogerecht kostümiert: Zorro mit Pinata.
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Mottogerecht kostümiert: eine Jakobsweg-Pilgerin.
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Die Diamonds Revival-Band unter Christian Adolf sorgte von Anfang an für beste Stimmung.
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Die vorherrschenden Farben waren Schwarz und Rot.
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Die vorherrschenden Farben waren Schwarz und Rot.
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Im Gleichschritt, Marsch! Einzug der „Gemejnen“.

Kaufbeuren-Neugablonz – Vergangenen Samstag fand in der ausverkauften Turnhalle wieder der seit Jahrzehnten kultigste Faschingsball von Neugablonz statt: Der Ball der ru(h)mreichen Saskaler Armee. Und auch diesmal hatten sich die Ballgäste dem Motto „Eviva España Olé!“ optimal angepasst.

Die vorherrschenden Farben des Abends waren bei den Señoritas und Señores schwarz und rot, dazu kamen ein paar bräunliche Peónes, ein paar Stierchen und Toreros, diverse Zorros, als bunte Akzente etliche Zigeunerinnen und Spanien-Urlauber mit Souvenir-Piñatas, eine (fast) echte Pilgerin mit Jakobsmuschel, ein glänzender Don Quijote mit seinem Knappen Sancho Panza und sogar ein Paar Zikaden.

Nach dem obligatorischen Einmarsch trat die Armee wie immer zum Empfang des Tagesbefehls an und wurde bei der Inspektion durch Hauptmann Axel „Atze“ Vorbach in einem „erbarmungslosen“ Zustand vorgefunden. Hauptmann Vorbach schickte sie daher zwecks innerer Einkehr zum Pilgern nach „Santiago della Composta“, begleitet von der deutlich verbesserten bunten Kanone, der nun absolut ultimativen Waffe, die vor jedem Sketch als Salut eindrucksvollen Pulverdampf aus bestem griffigen Mehl verschoss. Als treue alljährliche Gäste begrüßte Vorbach sodann den „Obertorero“ der Stadt, Oberbürgermeister Stefan Bosse mit Partnerin Katja Brauner, Bürgermeister Ernst Holy mit seiner Frau Erika, MdL Bernhard Pohl sowie erstmals die OB-Kandidatin der Freien Wähler, Bernadette Glückmann. Da weder Oliver Schill (Grüne) noch Pascal Lechler (SPD) unter den Gästen waren und Herbert Stumpe sich in die „außerparlamentarische Opposition“ begeben hatte, werde die OB-Wahl nun wohl nur noch zwischen Glückmann und Bosse ausgetragen. Denn wer nicht zum Saskalerball komme, habe ohnehin schon verloren, meinte Vorbach und konstatierte bereits nach der von den Ballgästen stehend mitgesungenen, frechen Saskaler Hymne befriedigt: „Dos wor wiedr a Sieg!“.

Zum befohlenen Treffen morgens um 5 Uhr an der Ersatzhaltestelle „Turnerstraße 12 1/2“, von wo der Bus nach Spanien abfahren sollte, fanden sich die Gemejnen sehr fröhlich ein und waren entschieden nicht vorschriftsmäßig ausgerüstet. Als Moritz Klemm das Marschgepäck überprüfte, förderte er zum Gaudium des Publikums alles Mögliche zutage, bloß nicht das, was auf dem offiziellen Packplan stand: Kuscheltiere, Gummienten, Spielzeugautos, Schwimmringe, Flossen und Badelatschen anstelle von Wanderschuhen, anstatt der „Papiere“ ein „paar Biere“ und schließlich Kondome sowie eine Gummipuppe (schließlich heißt dieses Eliteregiment „das Sexte“). Das immer gespannt erwartete Exerzieren mit eher ungewöhnlichen „Waffen“ fand diesmal mit den Ersatzunterhosen statt und wurde johlend beklatscht.

Danach ernteten auch die Hupfdohlen, das „Sekt’te“ Regiment unter Petra Venturini, für ihren beschwingten Zigeunerinnentanz begeisterten Applaus. Ihr abschließender Flashmob zum Mitmachen löste sich in einer höchst fidelen Polonäse auf.

Im nächsten Sketch suchte Don Quijote de la Mancha (Stefan „Stups“ Maiwald) die hiesige Agentur für Arbeit auf, wo er auf den paurischen Mundartpoeten O. Michael Siegmund traf. Der Dialog zwischen den beiden erfolgte dann auch in wohlgesetzten Reimen und von Seiten Siegmunds natürlich auf Paurisch. Der „Ritter von der traurigen Gestalt“ hatte auf seinem Weg ins Allgäu auf einer Wiese nicht nur sein treues Ross Rosinante eingebüßt und seine Lanze zerbrochen, ihm war bei dieser Gelegenheit auch sein Knappe Sancho Panza abhanden gekommen. Nun suchte er einen neuen. Siegmund klärte ihn zunächst auf, dass er Paurisch spreche, weil „mir Gablunzer ei Kaufbeuern su wos ähnliches wie de Katalanen ei Spanien sein – a ejgner Volksstamm“. Dann bot er dem Ritter, weil die „klenn Dickn“ alle nicht zur Verfügung stünden, ein paar „entbehrliche Pohle“ an. Don Quijote war es egal, ob Sylwia, Harald oder Bernhard, er wäre ja mit jedem von ihnen in der „Pohl-Position“. So entschied er sich für den – passenderweise in die sowohl Kaufbeurer als auch spanischen Farben gelb und rot gekleideten – Bernhard und zog mit seinem „Sancho Pohlo“ ab.

Im Finale hatten die Saskaler genug vom Pilgern ohne die gewohnte Verpflegung. Sie konnten sich gerade noch zurückhalten, die umgehängte Maut-Plakette – ein Butterwischl – anzuknabbern, als der Gemejne Martl zur Rettung nahte. In seinem Rucksack hatte er lauter spanische Delikatessen – vom Real (Madrid). Zusammen mit drei Straßenmusikanten beschlossen sie „Schluss mit Pilgern! Jetzt wird gefeiert!“

Damit war der offizielle Teil beendet und die Bar eröffnet. Das machte sich jedoch auf der Tanzfläche kaum bemerkbar. Der Hallenboden bebte zu den Klängen der Diamonds Revival-Band unter Christian Adolf noch ziemlich lange.

von Ingrid Zasche

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