"Ich mochte jede Figur"

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Sandy Kolbuch traf den Schauspieler James McAvoy.

Schauspieler James McAvoy (*21. April 1979 in Glasgow, Schottland) sammelte viele Erfahrungen am Theater in Stücken wie Romeo und Julia, Die Schöne und das Biest und West Side Story. Es folgten Rollen in Fernsehserien und Filmen. Seine bisher erfolgreichste Rolle hatte er in der Romanverfilmung ABBITTE. In der X-MEN-Filmreihe ist er seit 2011 als junge Version des Charles Xavier zu sehen. In M. Night Shyamalans Thriller SPLIT verkörpert der Schauspieler gleich neun verschiedene Persönlichkeiten. Kreisbote-Redakteurin Sandy Kolbuch traf James McAvoy in Berlin und sprach mit ihm über die Herausforderungen seiner Rolle.

Wie hast du dich in deine Rolle eingefühlt?

McAvoy: Es ist mein Job, mich jedes Mal in eine neue Figur einzufühlen. Diesmal musste ich mich gleich in neun verschiedene Figuren hineindenken. Ich hatte ein paar Wochen Zeit, bevor die Dreharbeiten begonnen haben, um mich mit den Figuren auseinanderzusetzen.

Hattest du zwischendurch Probleme mit den eigenwilligen Charakteren?

McAvoy: Nein. Wenn die Geschichte oder der Plot nicht gut gewesen wären, wäre mein Job sicher schwierig gewesen. Ich fand aber alles cool, ansonsten hätte ich die Rolle dankend abgelehnt. Bei diesem Film gab es nichts, was mich in Verlegenheit gebracht hätte.

Kannst du dich noch daran erinnern, was du beim ersten Lesen des Scripts gedacht hast?

McAvoy: Ich war bei den ersten Kapiteln verwirrt und dachte, ich lese das Drehbuch von SAW. Dann erschien die Figur von Patricia und ich wusste, dass es doch nicht das Drehbuch von SAW ist. Bei der ersten Schicht handelt es sich um einen Entführungsthriller. Auf den nächsten fünf Seiten erschien eine zweite Schicht, dann eine weitere und noch eine und noch eine... Am Ende entsteht aus all den Schichten etwas völlig neues. Ich war so aufgeregt und mochte jede einzelne Figur. Und ich war glücklich, dass ich den Großteil der Rollen spielen durfte. Es hätte mich gefreut, allein nur eine Figur spielen zu dürfen. Aber gleich neun zu spielen war so eine große Herausforderung, dass ich mir die Hände gerieben habe.

Hattest du nach dem Dreh Probleme herunterzukommen?

McAvoy: Nein, mir ging es gut, auch wenn die Arbeit anspruchsvoll war. Ich bin morgens um 4 Uhr aufgestanden und ins Fitnessstudio gegangen und habe die ganze Zeit über soviel gegessen, wie möglich. Nach dem Abschluss der Dreharbeiten war ich erschöpft. Ich bin nach Hause gefahren, habe ein Wodka getrunken, zwei Steaks gegessen und bin dann ins Bett gefallen.

Welche der Figuren war die größte Herausforderung?

McAvoy: Das Biest, weil es so verrückt ist. Für alle anderen Figuren hatte ich eine Charakteristik. Kevin existiert, weil seine Eltern Sex hatten und er geboren wurde. Die anderen 22 Persönlichkeiten existieren, weil Kevins Körper auf seine Bedürfnisse reagiert und die Persönlichkeit hervorruft, die ihn in bestimmten Situationen hilfreich sein kann. Jedes Alter Ego erfüllt seinen Zweck. Das Biest ist der Verteidiger, Engel, aber auch Dämon aller Alter Egos. Das Biest tut einige wirklich böse Dinge, hat für seine Taten aber einen guten und aufrichtigen Grund.

Hast du die Kletterszenen selbst gemacht oder kam ein Stuntman zum Einsatz?

McAvoy: Wir haben uns die Arbeit geteilt: ich bin geklettert und er ist gesprungen.

Für die Rolle hast du viel Muskelmasse zugelegt. Wie hast du dich während des Drehs gefühlt?

McAvoy: Ich habe mich sehr stark gefühlt. Es war erstaunlich, wie schnell ich kräftiger wurde. Ich habe zu der Zeit sehr viel Gemüse und Fleisch zu mir genommen. Durch das Training habe ich wirklich schnell Muskelmasse aufgebaut. Aber nach zwei, drei Monaten stagnierte das Ganze. Dann wurde es immer härter, den Körper weiter zu formen. Es war wirklich unglaublich. Meine Persönlichkeit hat sich dadurch aber nicht verändert.

War die Arbeit mit M. Night Shyamalan speziell?

McAvoy: Shyamalan mag es nicht sonderlich, wenn man die Dialoge ändert. Normalerweise sorgen sich Regisseure nicht um kleinere Veränderungen. Meistens improvisiert man etwas, um die Szenen authentischer darzustellen. Shymalan ist davon aber kein großer Fan. Manchmal hat er versucht, eine Szene etwas anders zu gestalten und mochte das Resultat. In der Regel hat er aber darauf bestanden, dass wir die Szenen genauso gespielt und die Dialoge gesprochen haben, wie er sie geschrieben hat. Das war eine nette Abwechslung und erinnerte mich ans Theaterspielen.

Magst du Shymalans Arbeiten? Welcher ist dein Lieblingsfilm?

McAvoy: Ja, ich mag seine Arbeiten. UNBREAKABLE ist mein Lieblingsfilm von ihm.

Welches Genre favorisierst du in deiner Freizeit?

McAvoy: Ich habe in den letzten sieben Jahren vielleicht zehn Filme geschaut. Ich bin meist damit beschäftigt, welche zu drehen (lacht). Wenn, dann schaue ich Kinderfilme und Cartoon-Serien. Ich denke, ich mag am liebsten Science Fiction.

Filme mit Horror-Elementen sprechen weltweit eine große Fangemeinde an. Woran liegt das deiner Meinung nach?

McAvoy: Ich denke, Leute gehen ins Kino um Superhelden, große Blockbuster, Star Wars oder Oscar-Anwärter zu sehen. Angst ist ein natürlicher Instinkt und ein großer Motivator für die Evolution. Vielleicht wollen die Leute Horror-Filme sehen, um sich lebendig zu fühlen.

Kannst du etwas über deine nächsten Projekte verraten?

McAvoy: Ich spiele in dem Thriller THE COLDEST CITY mit und werde in dem Drama SUBMERGENCE von Wim Wenders zu sehen sein. Für diesen Film musste ich mein Körpergewicht von SPLIT wieder loswerden. Ich bin also von dem Zustand des ständigen Essens zu einem Zustand ohne Essen gewechselt.

Welche Art von Charakteren interessieren dich, wenn du deine Projekte auswählst?

McAvoy: Die Charaktere sollten immer unterschiedlich sein. Komplexe Charaktere interessieren mich am meisten. Situationen, die nicht alltäglich sind und die Charaktere fordern, sind ebenfalls wichtig.

Kannst du dich mit deinen Rollen identifizieren?

McAvoy: Es kommt immer drauf an. Das Dilemma der Figuren ist immer das Gleiche, egal in welchem Genre wir uns befinden. Die Figuren wollen oder müssen etwas tun, wozu sie zunächst nicht in der Lage sind. Manchmal kann ich mich damit identifizieren.

Hast du Ambitionen, eines Tages als Regisseur tätig zu werden?

McAvoy: Ja. Wenn mein Kind älter ist, würde ich das sehr gerne tun. Filme zu machen ist aber sehr zeitintensiv und im Moment möchte ich für meinen Sohn präsent sein.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Sandy Kolbuch

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