„Wie eine Klassenfahrt“

Janina Uhse spricht über die Dreharbeiten von „Berlin, Berlin“

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KB-Redakteurin Sandy Kolbuch traf Schauspielerin Janina Uhse, die in der Film-Fortsetzung von „Berlin, Berlin“ mitwirkt.

Im Film „Berlin, Berlin“, der wegen Corona nicht im Kino, sondern beim Streaming-Dienst Netflix läuft, verkörpert Janina Uhse die burschikose Dana, die sich mit Lolle anfreundet. Mit Kreisbote-Redakteurin Sandy Kolbuch sprach sie über ihren Erfolg und die Dreharbeiten.

Dana wird im Film als resolute Frau eingeführt, die kurzerhand zwei Teenager mit dem Kopf ins Klo steckt, weil sie Bilder anderer über die medialen Netzwerke verteilt haben. Das Verhalten ist nicht korrekt, aber wirksam. Wie hat sich diese Szene für Sie angefühlt?

Uhse: Für mich war der gesamte Charakter der Dana eine Herausforderung. Die toughe Seite habe auch ich irgendwo in mir. Ich bin aber eher ein harmoniesüchtiger Mensch, der gerne das Gleichgewicht um sich herum in der Balance hält. Dana hat sich eine harte Schale aufgebaut und auf dem ersten Blick ist ihr alles egal. Das war am Anfang für mich sehr ungewohnt. Aber die kurzen Haare, das wenige Make-up und das Outfit haben mir dabei geholfen, mich in die Rolle einzufühlen. Immer, wenn ich den Masken-Wagen verlassen habe, bewegte ich mich gleich ganz anders und konnte den Charakter dementsprechend besser annehmen.

Felicitas Woll, Jan Sosniok und Matthias Klimsa gehörten schon zum Hauptcast der Serie „Berlin, Berlin“. Wie war die Dynamik am Set und wie sind Sie als die Neue angekommen?

Uhse: Es war sehr locker. Alle sind großartige Darsteller und Kollegen, die wissen, wie man sich zu verhalten hat. Ich habe den Großteil der Szenen zusammen mit Felicitas gespielt. Wir haben auch das Casting gemeinsam absolviert und da hat man bereits gemerkt, dass Sympathie herrscht und wir auf einer Wellenlänge sind. Wir haben auch einen ähnlichen Humor. Zudem hatten wir das Glück, dass wir mit allen immer von Ort zu Ort gereist sind, weil wir ja ein Roadmovie gemacht haben. Für uns war es wie eine Klassenfahrt mit gemeinsamen Sitzen am Lagerfeuer und Übernachtungen in gleichen Hotels. Es war eine schöne Dynamik.

Dana droht im See zu ertrinken. Wie sah der Dreh dazu aus?

Uhse: Der See drohte umzukippen, es war also sehr stinkig (lacht).Wir mussten da aber rein. Ich bin untergegangen, was wir zum Glück in einem kleinen Schwimmbad nachgedreht habe. Und das war ein richtig geiler Dreh! Es war so aufregend, weil es so spannend war, unter Wasser eine Emotion zu transportieren. Das Becken war voller Chlor, ich sollte aber meine Augen öffnen und Panik versprühen, gleichzeitig aber signalisieren, dass ich nicht mehr leben möchte und diese Trauer zum Ausdruck bringen. Ich habe mich immer sinken lassen, um unten mit dem Mundstück einer Taucherflasche wieder Sauerstoff einzuatmen. Das war aufregend.

Der Filmschnitt ist ziemlich rasant und die eingebundenen Animationen sowie der Umgang mit sozialen Netzwerken wird thematisiert. Der Film plakatiert die moderne Gesellschaft, in der ein Leben ohne Handy und Internet kaum mehr denkbar ist.

Uhse: Ja, das stimmt. So habe ich es noch gar nicht gesehen. Für mich stand die Frauenfreundschaft und die Selbstliebe im Vordergrund. In der heutigen Zeit werden die Medien auch negativ genutzt, um gegen etwas zu hetzen. Man sollte sich eher darauf besinnen, was zwischenmenschlich passiert.

Sie sind selbst Influencerin. Wie hat sich die Nutzung der medialen Netzwerke für Sie in den letzten Jahren verändert?

Uhse: Ich finde „ Influencerin“ ist ein Unwort. Man benennt es so, wenn man Geld durch soziale Netzwerke verdient. Ich bin an allererster Stelle Schauspielerin und habe die Medien für mich genutzt, um eine Interaktion mit den Fans von „GZSZ“ zu starten, weil es mir irgendwann einfach zu mühselig wurde, die Fanpost zu beantworten. Ich habe total süße Briefe bekommen und viele Fragen, die ich einfach dann auf diese Art und Weise beantwortet habe. Aber in den letzten vier Jahren hat es sich sehr rasant verändert. Heutzutage geht es nicht mehr um einen Austausch mit anderen, sondern um Selbstdarstellung. Jeder will nur das Beste von sich zeigen und ist dabei vielleicht gar nicht mehr er selbst.

Auf welche Projekte von Ihnen dürfen wir uns freuen?

Uhse: Am 17. April erschien der Netflix-Film „Betonrausch“ und im Oktober folgt „Es ist zu deinem Besten“ von Marc Rothemund. Zusammen mit „Berlin, Berlin“ sind es in diesem Jahr drei große Projekte für mich mit ganz unterschiedlichen Rollen, was mich sehr freut. Die volle Bandbreite.

Alles Gute und viel Erfolg in diesem Jahr. 

Janina Uhse (*1989), die aus einer Schaustellerfamilie stammt, machte ihre ersten Erfahrungen als Schauspielerin bereits als Neunjährige in der Serie „Die Kinder vom Alstertal“. Ein festes Engagement brachte ihr die Serie „Der Landarzt“, der endgültige Durchbruch gelang Uhse als Jasmin Novak in der RTL-Serie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“. 2017 war sie in Anika Deckers „High Society“ zu sehen und gehörte zum Ensemble von Sönke Wortmanns „Der Vorname“.

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