Die Politik steht weiterhin für den Stadionneubau am Berliner Platz

Ein schwieriges Jahr für den ESVK

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60 Jahre war Jürgen Hein ehrenamtlich als Zeitnehmer für den ESVK tätig. Dafür erhielt er großes Lob vom Vorstand und viel Beifall von den Vereinsmitgliedern.

Kaufbeuren – Der Traum von einem neuen Stadion wird immer mehr Wirklichkeit. 500000 Euro hat der Stadtrat kürzlich in einer Sondersitzung für die Projektentwicklung freigegeben, und diese Nachricht verkündete er Oberbürgermeister auch auf der Hauptversammlung des ESVK – Balsam für die Seele so manchen Mitglieds.

Es war Balsam für die Seele der Mitglieder des Eissportvereins Kaufbeuren e.V. (ESVK). Oberbürgermeister Stefan Bosse demonstrierte auf der Hauptversammlung des Vereins in der Mehrzweckhalle in Pforzen Solidarität und konnte den Mitgliedern auch gleich die gute Nachricht verkünden, die der Stadtrat kürzlich in einer sechsstündigen Sitzung getroffen hatte. Das Gremium habe, so das Stadtoberhaupt, 500000 Euro für die Projektentwicklung für das neue Eisstadion freigegeben. Ziel sei es, dass ab 2017 in einer neuen Eissporthalle am Berliner Platz die sportlichen Wettkämpfe ausgetragen werden. Noch gibt es aber einige Hürden zu nehmen, denn ein Bürgerentscheid am 27. Juli bedroht den geplanten Standort. Der Kreisbote hatte darüber berichtet. 

Die Gegner wollen statt eines neuen Eisstadions „ein neues attraktives Stadtviertel mit dem Schwerpunkt Wohnen und Arbeiten“. Bosse sprach von einer „bedrohlichen Situation“, die Mehrkosten verursache ohne einen Mehrwert zu haben. Den in die politischen Mühlen geratenen Verein mahnte der Rathauschef, „sich nicht zur Partei machen zu lassen“. Der Verein habe gute Argumente, aber der Neubau eines Eisstadions sei eine freiwillige Leistung der Stadt. „Sie haben keinen Anspruch darauf“, betonte Bosse. Auch für die Politik sei die Situation nicht leicht. „Aber für das Eisstadion habt ihr Geld“, würde von anderen Vereinen argumentiert, wenn deren Wünsche abgelehnt würden. Bosse gab dem Verein den Ratschlag, sich durch Rückschläge nicht irritieren lassen solle. Entschieden werde am Schluss, betonte Bosse. Solidarität mit dem ESVK demonstrierte auch der 3. Bürgermeister Ernst Holy (KI) mit klaren Worten zum Bürgerbegehren. „Es ist eine Riesensauerei, die sich da anbahnt. Da hört der Spaß bei mir auf“. Holy sprach von Geisterfahrern auf der Autobahn. „Die haben noch nie gewonnen, da machen wir nicht mit“. Viel Beifall erhielt die Aussage von Sportpfleger Otto Richard Zobel. 

„Der ESVK ist nicht irgendein Verein“. Er betonte die große Bedeutung, die Eishockey für die Stadt habe. „Natürlich können wir es nicht allen recht machen“, betonte Zobel. Durch die Diskussion um die Standortfrage für das neue Eisstadion rückten die sportlichen Themen und die Rechenschaftsberichte fast in den Hintergrund. Dabei haben die von Maxi Englisch und Norman Rapprich trainierten „Puckladies“ des ESVK eine Supersaison hingelegt und sind Bayerischer Meister geworden. Am 25. Juli, zwei Tage vor dem Bürgerbegehrens, soll die erfolgreiche Mannschaft auf dem Balkon des Rathauses gefeiert werden. Aushängeschild ist natürlich weiter die 1. Mannschaft, die in der 2. Liga national spielt. Der sportliche Leiter des Vereins, Dieter Hegen, berichtete über die Schwierigkeiten, die die Sperrung des alten Stadions mit sich gebracht hatten. Sportlich sei man in der neuen Saison gut aufgestellt, sagte Hegen. 

Er hoffe, dass man noch zwei Superstürmer in den nächsten Tagen verpflichten könne. Auch die Nachwuchsarbeit, die von Helmut Speckamp betreut wird, fand den Beifall der Vereinsmitglieder. 80 Kinder und Jugendliche trainieren in den Reihen des Eissportvereins. Einen besonderen Dank richtete Speckamp an die Stadt Buchloe und an Bad Wörishofen für die Hilfe. Buchloe habe sogar früher mit der Eisproduktion begonnen, um zu helfen. Ein Verein kann nicht ohne die ehrenamtlichen Helfer existieren, resümierte Andrè Veil, der für die sogenannten „Bankdienste“ verantwortlich zeichnete. Die rund 100 Ehrenamtlichen hätten im abgelaufenen Geschäftsjahr mehr als 12000 Stunden geleistet. Es galt „Eiszeiten“ an den auswärtigen Standorten zu belegen, Fahrdienste zu organisieren und Ordnungsdienste nach dem neuen Sicherheitskonzept zu gewährleisten, betonte Veil. Eine Verabschiedung gab es auch. Nach 60 Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit als Zeitnehmer wurde Jürgen Hein feierlich auf der Bühne in den „Ruhestand“ verabschiedet. 

Winfried Kucis wies in seinem Rechenschaftsbericht als Controller auf die schwierigen Bedingungen hin. Nach der Stadionschließung wegen Baufälligkeit am 14. Dezember 2012 habe sich die Frage nach der sportlichen Zukunft des Eissportes in Kaufbeuren gestellt. Dank der Hilfe der Stadt konnte der Trainings- und Spielbetrieb im Oktober 2013 wieder aufgenommen werden. Ein Vergleich der Wirtschaftszahlen mit dem Vorjahr sei aus diesem Grund nicht möglich, sagte Kucis. Im abgelaufen Vereinsjahr habe man knapp 1,4 Millionen Euro eingenommen. Die Ausgaben bezifferte er mit 1,3 Millionen Euro. Dadurch habe sich ein positives operatives Ergebnis vor Steuern von 87000 Euro ergeben. Durch den Verlust aus dem Anlagenabgang (Stadion) in Höhe von 473000 Euro belaufe sich der steuerliche Verlust auf 359000 Euro. Die Bilanzsumme des ESVK betrug 1242000 Euro. 

Für Winfried Kucis steht die Entschuldung des Vereins im Mittelpunkt. Sorge mache ihm auch die Unterkapitalisierung des Vereins. Vorstandsmitglied Andreas Settele nutzte die Hauptversammlung zu einer Generalabrechnung mit dem Verband. Wegen der schwierigen Lage durch das Stadionproblem habe man dem Verband ein von Wirtschaftsprüfern erarbeitetes „Fortführungsprogramm“ vorgelegt. Dieses Papier sei auch von den Banken akzeptiert worden. „In Köln wird aber mit zwei verschiedenen Maßstäben gemessen“ schimpfte Settele. „Sollte uns die Lizenz verweigert werden, werde ich auf den Tisch hauen.“ Settele forderte die Mitglieder auf, den Verein mit dem Kauf von Dauerkarten zu unterstützen. „Es gibt jetzt keine Ausreden mehr“. von csp

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