Spende statt Geschenke

+
Johann Aumer wollte keine Geburtstagsgeschenke zu seinem 100. Geburtstag. Er wünschte sich Bargeld, das er den Buchloer Kindergärten zu Gute kommen lassen wollte. 1800 Euro kamen so zusammen. Letzte Woche übergab er die Summen in bar an die Chefs der Kitas. Mit dabei (v.l.): Stadtpfarrer Reinhold Lappat, Manuela Krömer (Don Bosco), Alexandra Lesti-Tossa (St. Antonia), Bürgermeister Josef Schweinberger, Petra Krupp (St. Georg und Wendelin), Ingo Selzer, Kindergarten St. Franziskus), Susanne Mrazek (Kinderkrippe Stadt Buchloe). Im Sessel Johann Aumer und rechts neben ihm seine Tochter Regina Nanos.

Buchloe – Johann Aumer hatte sich für den besonderen Anlass in Schale geworfen. Er erwartete hohen Besuch. Bürgermeister Josef Schweinberger und Stadtpfarrer Reinhold Lappat hatten ihr Kommen zugesagt. Auch die Leiterinnen und Leiter der Buchloer Kindergärten waren eingeladen. Der Grund: Johann Aumer ist 100 Jahre alt geworden.

Das war zwar schon am 26. Dezember 2015, doch der Jubilar hatte sich etwas Besonderes einfallen lassen. Alle Gratulanten hatte er schon im Vorfeld wissen lassen, dass ihm am liebsten Geschenke in Bargeldform seien. Den so gesammelten Geldbetrag wolle er einem sozialen Zweck zuführen.

Vergangene Woche war dann der Termin der Geldübergabe. 1800 Euro waren zusammen gekommen. So konnte Johann Aumer jeder Kita 400 Euro spenden, die Buchloer Kinderkrippe erhielt 200 Euro. Stadtpfarrer Reinhold Lappat war begeistert. „Eine tolle Idee“, lobte er.

Die so Beschenkten waren allesamt sprachlos. Petra Krupp von der Lindenberger Kindertagesstätte „St. Georg und Wendelin“ brachte es auf den Punkt. „So etwas haben wir noch nie erlebt. Unser Dank kommt von ganzem Herzen“. Ganz sicher über den Verwendungszweck des Geldes war sich Petra Krupp noch nicht. „Vermutlich werden wir uns Bücher anschaffen“, sagte die Kita-Chefin.

Manuela Krömer von der Integrativen Kindertagesstätte „Don Bosco“ betonte, dass sich der ganze Kindergarten unheimlich über diese Geste gefreut habe. „Wir werden zusammen mit den Kindern entscheiden, was wir anschaffen werden“, sagte Krömer.

Ihre Kollegin Alexandra Lesti-Tossa vom der Kindertagesstätte St. Antonia hat dagegen schon klare Vorstellungen: „Wir wollen einen Rollenspielbereich im Flur einrichten, dafür soll die Spende genutzt werden“. Gemeinsam mit den Kindern will Alexandra Lesti-Tossa Kataloge wälzen und die richtigen Dinge aussuchen.

Susanne Mrazek von der Kinderkrippe Stadt Buchloe sagte, sie sei total erstaunt gewesen, als der Anruf kam. Sie betonte, man wolle neue Bücher anschaffen. Auch von ihr gab es ein herzliches Dankeschön.

Ingo Selzer leitet den Kindergarten „Franziskus“. Was hier passiert ist, sei wirklich nicht selbstverständlich. „Es ist einfach phantastisch“, sagte Ingo Selzer. Auch er wolle die Kinder mit in die Entscheidung einbeziehen, was angeschafft werden soll.

Bürgermeister Josef Schweinberger konnte Ingo Selzer erzählen, dass sein Kindergarten im Leben von Johann Aumer eine besondere Rolle gespielt hat. Aumers Ehefrau war damals Leiterin des Kindergartens. Wenn es etwas handwerklich zu tun gab, sprang Johann Aumer quasi als Hausmeister ein – ehrenamtlich natürlich.

Regina Nanos ist stolz auf ihren Vater und seine soziale Einstellung. Er wohnt zusammen mit ihrer Familie im Haus. „Trotz seiner 100 Jahre ist er gut drauf“, erzählte sie unserer Zeitung. In der Tat. Man sieht dem Geburtstagskind die 100 Jahre nicht an.

Im Kriegsjahr 1915 erblickte Johann Aumer in Grünseiboldsdorf bei Moosburg das Licht der Welt. Zur Schule musste der Bub jeden Tag bei Wind und Wetter drei Kilometer nach Moosburg laufen. Eigentlich sollte er nach der Schule Landwirt werden und den Hof seiner Eltern übernehmen. Wegen des Wehrdienstes und des Krieges kam es aber nicht dazu. Johann Aumer wurde 1937 zu den Pionieren eingezogen. Den Hof hatte längst seine ältere Schwester übernommen.

Der Wehrdienst ging dann bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges unmittelbar in den Kriegsdienst über. Aumer überlebte zum Glück und wurde nach dem Krieg zunächst Polizist. „Das hat aber keinen Spaß gemacht“, betonte er. Deshalb kündigte er bei der Polizei und ging als Oberfeldwebel zur gerade neu gegründeten Bundeswehr. 1974 schied er als Hauptmann aus dem aktiven Dienst aus. Nach Buchloe zog Aumer mit seiner Familie schon 1964.

In kleiner Runde wurde noch ein wenig bei Kaffee und Kuchen gefeiert und so manche Erinnerung ausgetauscht. Auch Bilder von früher wurden herumgereicht. Als Dankeschön von den Beschenkten gab es für Johann Aumer noch das Geburtstagsständchen „viel Glück und viel Segen“, im Kanon gesungen.

von Siegfried Spörer

Auch interessant

Meistgelesen

Ein "gemeinsames Miteinander"
Ein "gemeinsames Miteinander"
"Das Weitblick" öffnet im September 2018
"Das Weitblick" öffnet im September 2018
Zusätzliches Management für KU?
Zusätzliches Management für KU?
Diskussion zur Flüchtlingsfrage
Diskussion zur Flüchtlingsfrage

Kommentare