Action-Knaller mit überhöhtem Gewaltlevel und einem Hauch Film-Noir

Kinotipp: "John Wick"

+
John Wick (Keanu Reeves): Morden ist sein Geschäft.

Mit den jüngsten Terroranschlägen in Paris wurde die Welt erneut mit der brutalen Realität konfrontiert, die man lieber nur aus Kinofilmen kennenlernen möchte. In solchen Zeiten kommen Actionfilme mit hohem Gewaltpotenzial einer Absurdität gleich. Doch es gibt Actionfilme, die trotz ihres brutalen Inhalts nicht mit der Realität in Beziehung gesetzt werden können. Zu jenen Streifen zählt Chad Stahelskis Action-Thriller „John Wick“, der ein regelrechtes Mordszenario zeigt, ohne dabei die Gewalt in irgendeiner Art und Weise zu verherrlichen. 

Inhalt 

Einst gehörte Profikiller John Wick (Keanu Reeves) zum geheimen Verbrechersyndikat von New York. Aus Liebe zu seiner Frau Helen (Bridget Moynahan) hängte er den Job an den Nagel und lebte ein friedvolles Leben, bis das Schicksal dieses zerstörte. Nach dem Tod von Helen versucht John mit der plötzlichen Einsamkeit fertig zu werden. Nur sein Beagle Daisy, ein letztes Geschenk seiner todkranken Frau, leistet ihm Gesellschaft. 

Johns Lethargie wird durchbrochen, als der russische Gangster Josef Tarasov (Alfie Allen) ihm seinen Mustang abspenstig machen will. Als sich John weigert, den Wagen freiwillig abzutreten, ersinnt Josef einen Plan. Nichtsahnend, dass er sich mit dem brutalsten Profikiller der Stadt anlegt, bricht Josef mit seinem Komplizen in Johns Haus ein, schlägt ihn bewusstlos, tötet seinen Hund und stiehlt den Wagen. 

Als John wieder zu sich kommt, ist seine Mordgier geweckt. Er begibt sich auf die Suche nach seinem Peiniger und findet dabei heraus, dass es sich um den Sohn seines früheren Partners Viggo (Michael Nyqvist) handelt. Während die Kopfgeldjäger Marcus (Willem Dafoe) und Miss Perkins (Adrianne Palicki) hinter John her sind, ist der bereits seinen Gegnern näher als geahnt. Ein erbarmungsloser Krieg beginnt, bei dem jeder verlieren könnte. 

Rezension 

Mit „John Wick“ ist Regisseur Chad Stahelski ein knallharter und blutrünstiger Action-Thriller geglückt, der von der ersten Minute an fesselt. Das hohe Gewaltpotenzial des Films ist aber dabei derart künstlich in Szene gesetzt, dass jegliche Vergleiche mit der Realität schlichtweg unmöglich sind. John Wick, stark gespielt von Keanu Reeves („The Matrix“), hat stets einen Plan vor Augen, mit dem er die Situation innerhalb eines kurzen Moments für sich entscheiden kann. 

Im Sekundentakt meuchelt Wick mit einem Mix aus Material Art und präzisem Waffeneinsatz eine gefühlte Kleinstadt ab. Die Inszenierung dieser Szenen kommt aufgrund ihrer Kameraführung und dem schnellen Schnitt einem Comic gleich. Dank Autor Derek Kolstadt lebt die Hauptfigur von ihren Widersprüchen. Der Zuschauer bekommt dadurch die Möglichkeit, sich mit der friedlichen Hauptfigur zu identifizieren. 

Erst allmählich offenbart sich dem Publikum das düstere Geheimnis von Wicks Vergangenheit, die lange Zeit unter der kleinbürgerlichen Fassade verborgen blieb. Sein Doppelleben ist geprägt von Action und starken Emotionen, die als Motivation dienen. Der zutiefst menschliche Grundstein der Geschichte gestaltet Wicks Handlung nachvollziehbar. Sein persönlicher Rachefeldzug macht einer actiongeladenen Geschichte Platz, die in stark überhöhten Bildern die Kinoleinwand einnimmt. 

Hauptdarsteller Keanu Reeves gelingt es, seine Figur glaubhaft in Szene zu setzen: Einerseits charismatisch und ehrenhaft, auf der anderen Seite eine gleichgültige Killermaschine, die seine Gegner mit Präzision auszuschalten weiß. Wicks Gefühle prägen das Tempo des Films, ohne dass die Geschichte dabei in seichte Gewässer entgleitet oder ihren roten Faden verliert. Doch zwischen den rasanten Actionszenen, deren Choreographie schlichtweg brillant ist, findet der Film genügend Raum für den unterschwelligen Humor, der an den knallharten Dialogen behaftet ist. 

So birgt auch Michael Nyqvist („Millennium“-Trilogie) als Gegenspieler Viggo einige Überraschungen in sich: Von dem Armenviertel von Kiew zum gefürchteten Gangster von New York hochgearbeitet, regiert der schrullige Anführer die Unterwelt mit harter Hand. Er verteidigt seinen Ruf wie ein Geschäftsmann und bringt Wick für seine einstigen Dienste Respekt entgegen. Doch die Beziehung zwischen den Männern eskaliert, als Wick Jagd auf seinen Sohn macht. 

Die Geschichte ist weder besonders innovativ, noch in ihrer Gestaltung einzigartig. Doch aufgrund der exzentrischen Figuren, der actionreichen Ausstattung und dem emotionalen Grundkern ist „John Wick“ ein grandios inszenierter Thriller. Die bewusst überhöhten Bilder bieten gute Unterhaltung und ziehen nicht nur Action-Fans in ihren Bann. von Sandy Kolbuch

Fakten zum Film:

Originaltitel: John Wick 

Land: USA 

FSK: ab 16 

Regie: Chad Stahelski, David Leitch 

Darsteller: Kenau Reeves, Willem Dafoe, Michael Nyqvist, Jason Isaac, Adrianne Palicki u. a.

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Kaufbeuren
Babys der Woche im Klinikum Kaufbeuren
Sudetendeutsche Schicksale nach 1945
Sudetendeutsche Schicksale nach 1945
Frauen in der Leitungsebene
Frauen in der Leitungsebene
Razzia gegen "Reichsbürger"
Razzia gegen "Reichsbürger"

Kommentare