Die Tänzelfestkapelle bereitet sich auf das Frühjahrskonzert und die diesjährige Saison vor

Ein Abend bei der Probe

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Jeden Montag- und Mittwochabend von 18.30 bis 20.00 Uhr probt die Tänzelfestknabenkapelle im repräsentativen Probensaal unterm Dach der Kaufbeurer Sing- und Musikschule Ludwig Hahn, den sich die TKK mit der Stadtkapelle teilt.

Kaufbeuren – Montagabend, 18.30 Uhr. In einem Bürohaus wäre jetzt alles dunkel und still. Nicht so in der Kaufbeurer Sing- und Musikschule Ludwig Hahn. Hinter den geschlossenen Türen ertönen Musikfetzen, auf den Fluren streben junge Menschen mit Instrumenten zu ihren Einzelunterrichtsstunden oder zu Orchesterproben.

Im 2. Obergeschoss unterm Dach haben sich die Mitglieder der Tänzelfestknabenkapelle (TKK), der Jugendgruppe des Tänzelfestvereins e. V., eingefunden. Jeden Montag und Mittwochabend von 18.30 bis 20 Uhr üben sie unter Wolfgang Wagner – neben seiner Tätigkeit als Lehrer der Musikschule seit 15 Jahren Dirigent der TKK. Die Tänzelfestknabenkapelle zeigt heuer am 21. März (siehe Seite 6), was sie kann, bevor sie im Sommer beim diesjährigen Tänzelfest wieder die Zuschauer begeistert. 

Schon im Namen ist eine der Besonderheiten der seit 1867 bestehenden Kapelle enthalten: Neben den Kaufbeurer Tänzelfestmusikanten finden sich in Deutschland nur noch vier weitere reine Knabenkapellen, nämlich in Auerbach, Dachau, Din- kelsbühl und Nördlingen. „Es ist halt Tradition, es steht jedoch nicht in der Satzung“, erläutert Irmgard Ernszt, die im Vorstand des Tänzelfestvereins für die TKK zuständig ist. 

Die derzeit 53 aktiven Orchestermitglieder und die 17 Trommler des „Percussion Ensembles“ unter Peter Wittmer sind zwischen elf und 18 Jahren alt. Wer mit 18 nicht berufs- oder studienhalber von Kaufbeuren fortgeht, darf bis maximal zum 25. Lebensjahr in der TKK bleiben. Neue Mitglieder werden in der Ludwig-Hahn-Musikschule ausgebildet und verbringen eine Art Probezeit in der ebenfalls von Wolfgang Wagner geleiteten Vorkapelle. Wer dort das Musikerleistungsabzeichen D1-Bronze erwirbt, kann dann in die Tänzelfestknabenkapelle übertreten. 

Spezielle Schulungen verbessern die musikalischen Qualitäten jedes Einzelnen kontinuierlich. Musikabzeichen in Silber und Gold sind keine Seltenheit. Als Ganzes musiziert die Tänzelfestknabenkapelle seit Jahren auf anhaltend hohem Niveau und erhielt beispielsweise 1975 die Pro-Musica-Plakette und 1984 den Ludwig-Hahn-Kulturpreis der Stadt Kaufbeuren. Bei den Wertungsspielen des Allgäu-Schwäbischen Musikbundes spielt die Kapelle in der Oberstufe. 2003 und 2009 wurden die CDs „Buron Nr. 1“ und „Buron Nr. 2“ herausgebracht. 

Jugendarbeit wichtig 

Dem Tänzelfestverein liegt seine Jugendarbeit sehr am Herzen. Gefördert wird neben der gemeinsamen Freude an der Musik auch der Zusammenhalt und die Kameradschaft in der Kapelle sowie die Ausbildung sozialer Kompetenzen. Oberstes Ziel ist es, die Kapellenmitglieder nicht nur musikalisch zu „Teamplayern“ zu erziehen. Daher dürfen zu Tourneen oder auch zu einem „erlebnispädagogischen Wochenende“ immer alle „Knaben“ mitfahren. 

„Wir haben Mitglieder aus sämtlichen Stadtteilen und quer durch alle sozialen Schichten", sagt Dirigent Wolfgang Wagner, „nichts anderes verkörpert einen Querschnitt Kaufbeurens so gut wie die Knabenkapelle“. Der Verein sorgt dafür, dass die Teilnahme an gemeinsamen Unternehmungen nicht aus finanziellen Gründen scheitern muss. 

Auch bei der Beschaffung eines Instruments ist der Verein erforderlichenfalls behilflich. Und die TKK-Kleiderkammer des Tänzelfestvereins stattet die Jungmusiker mit passenden Uniformen der Kaufbeurer Bürgerwehr von 1850 aus. Kaputte oder herausgewachsene Uniformteile werden in der Kleiderkammer repariert oder ausgetauscht. 

Konzert am 21. März 

Derzeit bereitet sich die Kapelle auf einen der Höhepunkte ihres Jahresprogramms vor: das Frühjahrskonzert am 21. März als Auftakt zum Tänzelfest 2015. Dabei demonstriert die TKK alljährlich im Stadtsaal mit sowohl traditioneller und konzertanter als auch moderner Blasmusik bis hin zu Filmmusik die herausragende Bandbreite ihres Repertoires.

von Ingrid Zasche

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