Stadtjugendring Kaufbeuren setzt sich für Dialog zwischen den Kulturen ein

Jugendliche für neue Moschee

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Kaufbeuren – Der Vorstand des Stadtjugendrings (SJR) nahm es bei seiner jüngsten Vollversammlung genau mit der Sitzungsregeln. Auf der einen Seite sah sich der Vorstand in der Pflicht, die beim Jugendforum vorgetragenen Wünsche dem Plenum zu vermitteln. Andererseits musste erst die mehrheitliche Zustimmung der Verbandsvertreter gesucht werden, das brisante politische Thema Unterstützung des „Moscheebau“ im Programm aufzunehmen.

Und eines wurde deutlich: Die Mitglieder des SJR sprechen sich klar für mehr Toleranz und den Moscheeneubau aus.

Einige Delegierte bedauerten, dass sie diese Grundsatzdiskussion nicht mit ihren Verbänden vorab absprechen konnten. Die Haltung insgesamt für ein solches Engagement war aber positiv. Auch zweiter Bürgermeister, Gerhard Bucher, Vertretung von OB Stefan Bosse, vertrat auf Anfrage offen die Meinung, dass diese Entscheidung des SJR in die richtige Richtung ginge.

„Nachlese – Jugendforum“

Ein Schwerpunkt war die detaillierte Berichterstattung des jüngst durchgeführten Kauf­beurer Jugendforums. Die dort behandelten Themen und Projektvorschläge wurden vorgestellt und eingehend besprochen. Anlass zur regen Diskussion gab es nur beim vorgeschlagenen Unterstützungsprojekt „Moschee ist schee“.

Holger Jankovsky, Vorsitzender des SJR, setzte sich entschieden für die auch vom Bayrischen Jugendring vertretene Offenheit für Toleranz, kulturelle Vielfältigkeit und Inklusion ein. Inhaltlich waren sich die Delegierten einig, dass die aktive Unterstützung des Moscheebaus im Gewerbegebiet nur ein konkretes Beispiel darstelle, sich stark zu machen für die seit Jahren bereits erfolgreich vertretene Grundhaltung, die sich gegen rechts-extreme Politik und „national gefärbte Ideologien“ wende.

Die Diskussion entfachte sich an der Umsetzung der Aufkleber-Aktion „Moschee is schee.“ Zu dem vom Jugendhaus Kaufbeuren eingebrachten Vorschlag gab es von offizieller Seite deutliche Bedenken: Mögliche Verletzungen von Eigentumsrechten und Sachbeschädigungen könnten nicht ausgeschlossen werden. Man sah auch die Gefahr, dass es zu einer „Eskalation“ von Überkleben und Entfernen von „gegnerischen“ Stickern kommen könnte. Der SJR machte sich deshalb für alternative Wege der Unterstützung stark, ohne allerdings mit konkreten Vorgaben die Kreativität einzuschränken zu wollen.

Uwe Sedlacek, als Jugendhausleiter der Initiator und Organisator dieses kreativen Ansatzes, forderte, die Jugendlichen selbst entscheiden zu lassen, welche Aktionsform sie wählen wollten. Bei der Diskussion der Möglichkeiten würden die Jugendlichen selbst interessiert sein, eine Eskalation zu vermeiden und Eigentumsrechte zu berücksichtigen.

In beratender Funktion regte Stadträtin Angelika Lausser (KI)Aktionsformen an, bei denen die angesprochenen Bürger selbst Stellung beziehen könnten. Infostände oder Infowände würden beispielsweise eine kommunikative Form darstellen, auch kontroverse Meinungen in demokratischer Tradition zu vertreten. Der Reiz läge darin, dass es so zu einem aktiven und intensiveren Dialog für die demokratischen Grundrechte aller Bürger kommen könne, so Lausser.

Der mehrheitlich gefasste Beschluss ging dahin, alle vom Jugendforum vorgeschlagenen Projekte zu unterstützten, aber auf den strittigen Einsatz von Aufklebern zu verzichten. Zu diesen Projekten gehört auch die Herausgabe des gewünschten Stadtplans für Kinder und Jugendliche.

Richtungsweisendes Jahresthema

In der Pause hatten die Vertreter der Jugendverbände dann ausreichend Zeit sich zu stärken, sich auszutauschen und sich für das Jahresthema 2018/2019 zu entscheiden. Auf Infotafeln gab es sechs Vorschläge, und die Delegierten konnten mit Aufklebepunkten ein Meinungsbild abgeben. Das bisherige Jahresthema „WIR ist cooler als ICH“ wurde dann auf Mehrheitsbeschluss durch das Thema „Inklusive Dir!“ ersetzt. Aber auch die Alternativen wie „Bunt ist Trumpf“oder „Exclusiv-Inklusiv“, die den zweiten und dritten Platz auf der Beliebtheitsskala machten, gingen in Richtung dieser kulturübergreifenden Verständigung.

Mit einer Diashow wurden dann die wichtigsten Ereignisse des Arbeitsberichts 2017 präsentiert. In dem termingerecht vorliegenden, fast 100-seitigen Bericht können die Ergebnisse und Entwicklungen entnommen werden.

Am Schluss fehlte auch nicht die sachkundige Darlegung der Jahresrechnung 2017 durch Ralf Einfeldt; er ist für das Rechnungswesen des SJR zuständig. Mit 2.460.370 Euro, also fast zweieinhalb Millionen Euro Einnahmen und Ausgaben lag man nur 1.200 Euro unter der veranschlagten Summe. In bewährter Tradition wählte Einfeldt als Schwerpunkt seiner Darstellung die positive Entwicklung der Ferien und Freizeitmaßnahmen, die sich zunehmender Beliebtheit erfreuten.

Die Kassenprüfung bestätigte die Richtigkeit der gemachten Angaben, so dass der einstimmigen Entlastung des Vorstands nichts im Wege stand.

von Peter Suska-Zerbes

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