Jugendzentrum Kaufbeuren braucht einen angemesseneren Standort

Schwierige Suche nach der Lösung

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Alfred Riermeier (Referatsleiter Jugend und Familie): „Es bewegt sich etwas, aber langsam.“

Kaufbeuren – Was das Jugendzentrum (Juze) Kaufbeuren betrifft, fehlt es bisher nicht an engagierten Bemühungen von allen betroffenen Seiten: Die zuständige Abteilung der Stadt, der Stadtjugendring und die Fachbereichsleitung für die offenen Jugendarbeit sind sich seit Jahren der schwierigen Situation der Einrichtung bewusst.

Dies gilt nicht für das Juze in Neugablonz. Im Vergleich der beiden Jugendhäuser muss allerdings berücksichtigt werden, dass die Einrichtung in Neugablonz nahezu ideale Bedingungen kennt: Da ist der Standort mit kinderreichen Familien, da ist seine unmittelbare Anbindung an die Gustav-Leutelt-Schule und da können erstklassige Außenanlagen genutzt werden und nicht zuletzt bietet ein engagierter Sportverein so manche Vernetzungsmöglichkeiten.

In Kaufbeuren hingegen wurde und wird versucht, mit Wochenend-Events wie Discos und Konzerten Boden gut zu machen. Dennoch bleibt die Menge der Jugendlichen, die sich aus dicht bewohnten Gebieten Kaufbeurens auch unter der Woche dorthin bewegen, überschaubar. Eigentlich schade, denn die Bedingungen dort, um sich zu treffen oder einfach nur zu „chillen“, lassen manche andere Stadt neidisch werden.

Aber es gibt auch Hoffnung. Referatsleiter der Abteilung Jugend und Familien der Stadt Kaufbeuren, Alfred Riermeier, bestätigte, mit den Flüchtlingen und der Zusammenarbeit mit Kolping hätte sich die Situation dort belebt. Aber es brauche deutlich mehr. Auf der Ausschusssitzung für Jugendhilfe unterstrich der Leiter des Jugendzentrums, Uwe Sedlacek: „Entsprechend der konzeptionellen Vorgaben muss die Einrichtung eine Begegnungsstätte für alle Jugendliche und nicht nur Anlaufstelle für junge Flüchtlinge sein“.

Pädagogische Qualität gefragt

Vielfältige Aufgaben und möglichst ausgedehnte Öffnungszeiten, die unterschiedlichen Zielgruppen gerecht werden, vor allem aber der so wichtige Aufbau von persönlichen Beziehungen mache eine entsprechende Personaldecke erforderlich. Gerade niederschwellige Angebote wie Gespräche, gemeinsame Spiele und Freizeitaktivitäten seien zwar nicht spektakulär, decken auch keine große Menge von Jugendlichen ab, sind aber personalintensiv. Daher wurde auf Empfehlung des Ausschusses seit Frühjahr 2017 in beiden Häusern eine weitere halbe Stelle eingerichtet.

Eine notwendige und sinnvolle Entscheidung für beide Häuser, wie Sedlacek vor dem Ausschuss darlegte. Damit sei eine Ausdehnung der Öffnungszeiten möglich, so dass unter anderem auch jeden Samstag geöffnet werden kann. Ein Jugendhaus sei kein rechtsfreier Raum, und Schutz im Innen- und Außenbereich sei nur bei entsprechender personeller Präsenz gegeben. Zusätzliche pädagogische Angebote könnten gemacht werden und es sei so möglich, die Gruppenarbeit zu intensivieren. Gerade für die niederschwelligen Angebote bliebe mehr Zeit, so Sedlacek.

Auf Nachfrage aus dem Ausschuss, inwieweit sich diese Verbesserung auch auf die Besucherzahl umgeschlagen hätte, räumte Sedlacek ein, dass eine Aufstockung des Personals nicht notwendigerweise mit einer Verbesserung der Besucherzahlen verbunden sei. 30 bis 60 Besucher würden allerdings täglich vom Freizeitangebot Gebrauch machen.

Wo soll es lang gehen?

Von außen bleibt dennoch zu fragen, ob diese ausschließlich positive Darstellung das angemessene Signal an die Ausschuss-Mitglieder war. Wird die derzeitige Situation in der Stadt sachlich betrachtet, besteht doch wenig Grund sich bereits zufrieden zurückzulehnen. Ende 2014 wurde vom gleichen Ausschuss das Konzept des Stadtjungendrings für die offene Jugendarbeit unterstützt. Da heißt es zum Fazit, was das Juze Kaufbeuren betrifft: „Die langfristig nötige räumliche Verlagerung des Jugendzentrums Kaufbeuren wird vor allem bauliche Investitionen nötig machen“.

Referatsleiter Riermeier bestätigt diese Notwendigkeit: „Man muss dahin, wo die Zielgruppe ist.“ Hochfliegende Zukunftsvisionen seien in den vergangenen drei Jahren jedoch rasch von der Realität eingeholt worden, und begonnene Planungen hätten als nicht realisierbar wieder aufgegeben werden müssen. Machbare Lösungen seien derzeit noch nicht in Sicht. „Es bewegt sich etwas, aber langsam“, fasst Riermeier die aktuelle Situation zusammen. Der Referatsleiter machte darauf aufmerksam, dass eine effektive und effiziente offene Jugendarbeit der Jugendkriminalität vorbeuge, sich aber auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten bezahlt mache, eine Umorientierung auch gesamt wirtschaftlich einen Sinn machen könnte.

Ein weiterer Punkt in diesem Zusammenhang scheint noch wichtig. In der Konzeption heißt es: „Die Etablierung kleiner dezentraler Treffs in den Stadtteilen wird mittelfristig – wenn auch überschaubare – personelle Erweiterungen und bauliche Investitionen (Container, etc.) nötig machen.“ Auch hier fehle es laut Riermeier nicht an Engagement, für Freizeitangebote in stark besiedelten Stadtteilen zu sorgen. In der Konzeption heißt es: „Der mobile Einsatz von JuZe-Truck, Mobiku und Mobikids zielt darauf ab, bislang nicht oder kaum durch die Angebote der Offenen Jugendarbeit abgedeckte Stadtteile zu besuchen“.

Die tatsächlichen Ergebnisse seien aber durchwachsen. Zusammen mit der nicht ganz befriedigenden Lösung im Juze Kaufbeuren Grund genug, gesamtgesellschaftlich sich im Jahr 2018 vermehrt diesen jugendpolitischen Herausforderungen anzunehmen. „Das Schlechteste ist nichts zu tun“, so Referatsleiter Riermeier.

von Peter Suska-Zerbes

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