Waal: Dorfcharakter wahren oder Gehsteige schaffen?

Verhärtete Fronten

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Rund 200 Waaler Bürger besuchten die Informationsveranstaltung von Gemeindeverwaltung und Ausbaugegnern in der Schulturnhalle. Dort ging es streckenweise sehr emotional zu.

Waal – Den Dorfcharakter erhalten oder durch Gehsteige mehr Sicherheit für Fußgänger schaffen? Über diese strittige Fragestellung wird es am 9. Juli eine Bürgerbefragung in Waal geben. Eine Informationsveranstaltung sollte jüngst beiden Seiten die Gelegenheit geben, für ihre Argumente zu werben. Klarheit hat sie allerdings nicht gebracht, denn die Fronten waren verhärtet und die Argumente emotional.

Der eigens engagierte Moderator Rupert Waldmüller vom Bayerischen Rundfunk hatte oft alle Hände voll zu tun, um die Veranstaltung in geordnete Bahnen zu lenken und beim Thema zu bleiben. Die Vertreter der Bürgerbefragung betonten, ihnen ginge es vor allem um die Erhaltung des Dorfcharakters und nicht um die finanzielle Beteiligung der Bürger im Rahmen der Straßenausbaubeitragssatzung. Das sahen allerdings einige Bürger ganz anders. Für sie bedeuten die Pläne der Gemeindeverwaltung sogar eine existenzielle Bedrohung, sagte beispielsweise die Waalerin Marita Geiger in der Podiumsdiskussion. Ihr Anteil läge bei 135.000 Euro. Je nach Grundstücksgröße und Bebauung kämen auf die Anwohner Kosten zwischen 28.000 und 80.000 Euro zu. „Das ist eine Nummer zu groß für uns“, betonte die Anwohnerin.

Für die Gegner eines Straßenausbaues, so Gerdi Bartholl, sind Straßen im Dorf keine Verkehrs­adern sondern Lebensadern. Sie wollen den Lebensraum Straße erhalten. Deswegen wolle man den Ortskern so erhalten, wie der heute ist. Der Bau von Gehwegen vor allem an der St.-Nikolaus-Straße und der Jägerhausstraße würde bedeuten, dass schneller gefahren werde als heute. Ihre Mitstreiterin Maria Schärdinger plädierte in ihrem Statement, mehr Verkehrssicherheit sei dadurch zu erreichen, wenn sich alle Verkehrsteilnehmer, auch Fußgänger, möglichst im gleichen Tempo bewegten.

Das sehen Bürgermeister Alois Porzelius und die Mehrheit der Gemeinderäte ganz anders. Gehwege würden ein Stück mehr Sicherheit bedeuten. Fußgänger bei Dunkelheit, Rollstuhl- oder Rollatorfahrer oder Kinder könnten sich auf einem Gehsteig einfach sicherer bewegen. Weitere Argumente waren, dass der Zugriff auf Versorgungsleitungen unter einem Gehsteig einfacher sei. Außerdem sei die Verkehrsbelastung an beiden Straßen sehr hoch. Das hätten Verkehrszählungen ergeben. Durchschnittlich würden 529 Fahrzeuge durch die St. Nikolaus-Straße und 724 Fahrzeuge durch die Jägerhausstraße fahren. Die gemessenen Geschwindigkeiten hätten zwischen 25 und 28 Kilometer pro stunde gelegen. Dies allerdings zweifelten wiederum die Gegner des Ausbaus an. „Da wurden doch auch Radfahrer mitgezählt“. Außerdem seien die Messungen während der Erntezeit gemacht worden, wo viel landwirtschaftlicher Verkehr geherrscht hätte. Die Ergebnisse der Verkehrszählung hat die Gemeinde auf ihrer Homepage www.waal.de veröffentlicht.

Auf die Frage, ob Gehwege mehr Sicherheit brächten, antwortete der von den Ausbaugegnern eingeladene Verkehrsexperte Charlie Höss mit einem klaren Nein.

Porzelius wehrte sich vor allem gegen das Argument, die Bürger seien nicht ausreichend informiert und in die Planungen einbezogen worden. Alle Sitzungen des Gemeinderates seien öffentlich gewesen und seine Tür hätte immer für die Bürger offen gestanden. Vorschläge, wie man es anders machen könnte, seien auch nicht gekommen. Porzelius empörte sich auch darüber, dass einige Bürger das Bürgerbegehren unterschrieben hätten, ohne die Planungen gesehen zu haben.

Martin Schmid von den Ausbaugegnern erinnerte seinen Bürgermeister an seine Wahlversprechen, miteinander zu handeln. „Ich fühle mich vom Gemeinderat nicht vertreten, sondern getreten.“ Als Bürger sollte man von Anfang an wissen, was auf einen zukommt, sagte Schmid.

Moderator Rupert Waldmüller gab sich alle Mühe, zwischen den Parteien zu vermitteln und fragte den Rathauschef nach Kompromissmöglichkeiten. Porzelius sagte, es gebe immer Möglichkeiten, die seien aber durch den Antrag auf den Bürgerentscheid im Moment nicht möglich, da die Planung auf Eis liege. Nun müsse man den Entscheid abwarten. „In der Politik entscheidet immer die Mehrheit der Bürger“, betonte Porzelius.

Ob man nach dem Bürger­entscheid wieder ins Gespräch komme, fragte Rupert Waldmüller. Für die Gemeinde sagte Waals 2. Bürgermeister Karl Völk, in der Grundsatzfrage entscheide der Gemeinderat, aber natürlich spreche man Details mit den Bürgern ab. Das war den Ausbaugegnern aber zu wenig. Gerdi Bartholl betonte, man wolle grundsätzlich von Anfang an in die Planungen einbezogen werden.

Waals 3. Bürgermeister Ulrich Wagner erläuterte in seinem Schlusswort, der Gemeinderat habe sich viele Gedanken über das Thema gemacht und nach bestem Wissen und Gewissen entschieden.

Die Diskussion um den Straßenausbau ist übrigens nicht der einzige Streitpunkt im Dorf. Auch der Plan, die alte Schule abzureißen und durch ein neues Gemeindezentrum zu ersetzen, stößt auf Widerstand. Auch dazu gibt es eine Bürgerbefragung am 9. Juli.

von Siegfried Spörer

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