Vom Rotary Club unterstützt

Schicksal gemeistert

+
Dr. Helmut Weitnauer (v. li.), OB Stefan Bosse, Simone Hohenreiter und Erich Wittlinger freuten sich mit Eunice  Dzelambong Wirnzem (Mitte) über die neuen Prothesen.

Kaufbeuren – Schule, Studium, ein selbstbestimmtes Leben, das ist für junge Menschen in Deutschland ganz normal. Auch, wenn sie eine körperliche Behinderung haben. Die junge Kamerunerin Eunice Dzelambong Wirnzem dagegen musste sich diese Stationen ihres Lebensweges hart erkämpfen.

Sie hatte durch eine schwere Infektion einen Teil ihrer Gliedmaßen verloren. Doch der Rotary Club Kaufbeuren wurde durch „Dr. Helmut“, wie Eunice den Kaufbeurer Arzt Dr. Helmut Weitnauer gemäß der Kameruner Sitte des „Duzens“ nennt, auf ihr Schicksal aufmerksam. Zum zweiten Mal war Eunice nun in der Wertachstadt zu Gast.

Eine invasive Meningokokken–Erkrankung – das ist vielen afrikanischen Ländern ein Todesurteil. Aber auch wer die bakterielle Infektion überlebt, die die Gliedmaßen befällt und häufig Amputationen zur Folge hat, hat oft keine Chance auf eine gute Versorgung mit Prothesen und somit auf ein selbstbestimmtes Leben. Eunice Dzelambong Wirnzem aus Kamerun ist in ihrer Kindheit an den Meningokokken erkrankt. Der heute 30-Jährigen wurden damals beide Unterschenkel, ein Unterarm und eine Hand amputiert.

Doch Eunice hatte Glück – sie besuchte damals eine Schule der Schwestern des Ordens von Notre Dame aus Kanada, galt als die intelligenteste der Klasse. Die kanadische Schwester Marilynn, die die Niederlassung des Ordens damals leitete, stellte einen Kontakt zum Kaufbeurer Zahnarzt Dr. Helmut Weitnauer her, der von 2001 bis 2005 mit dem Aufbau einer Zahnstation im dortigen lokalen Krankenhaus beschäftigt war. Weitnauer wiederum schilderte den Fall dem Rotary Club Kaufbeuren, dessen Mitglied er seit 1997 ist.

Der Club hat es sich seitdem zur Aufgabe gemacht, Eunice Dzelambong Wirndzem zu unterstützen. Clubmitglied und Orthopädiemeister Erich Wittlinger fertigte erstmals 2008 einen Satz Prothesen für die junge Frau, die ihr bei einem Besuch in Kauf­beuren angepasst wurden. Nun war Eunice wieder in Kaufbeuren zu Besuch, da die bisherigen Prothesen bereits abgenutzt waren. Es muss ein komplett neues Schafterneuerungssystem inklusive Linierssystem und Fuß für beide Beine gebaut werden.

Die Zeit seit ihrer Erkrankung hat Eunice Wirndzem mit Unterstützung des Rotary Clubs Kaufbeuren gut genutzt – sie hat ihre Schulausbildung abgeschlossen, ein Studium der „Economics“ absolviert und arbeitet jetzt bei „charlice kamerun“, einer Organisation des Notre-Dame-Ordens, wo sie sich insbesondere um das Rechnungswesen kümmert.

Ohne die Prothesen und die Unterstützung des Clubs wäre dies kaum möglich gewesen, körperlich Behinderte haben es in dem afrikanischen Land schwer, würden oft als grundsätzlich „nicht fähig“ angesehen, wie Dr. Weitnauer aus seiner Erfahrung berichtet. Auch die Hochschule an der Eunice studierte habe zuerste Vorbehalte gegen die Aufnahme der jungen Frau gehabt. Die Clubmitglieder und auch OB Stefan Bosse zeigten sich bei einem abendlichen Empfang im Hotel Goldener Hirsch zu Ehren der Kamerunerin begeistert von deren Lebensweg und wie sie ihr Schicksal gemeistert hat. Ihr großer Glaube habe ihr dabei geholfen, erzählte sie selbst.

In einer kurzen Rede schilderte sie erneut ihr Schicksal und dankte allen Beteiligten auf bewegende Weise. In einigen Jahren wird Eunice wohl wieder nach Kaufbeuren kommen, dann, wenn ihre Prothesen wieder erneuert werden müssen. „Wir freuen uns schon darauf“, so OB Bosse.

von Michaela Frisch

Auch interessant

Meistgelesen

Dank an Ehrenamtliche
Dank an Ehrenamtliche
Sprühender Sportsgeist
Sprühender Sportsgeist
Beschluss ist ein "Bekenntnis zum Bad"
Beschluss ist ein "Bekenntnis zum Bad"
Eiskunst und Winterzauber
Eiskunst und Winterzauber

Kommentare