"kaffeebar kirschkern" am "kunsthaus kaufbeuren" wieder offen

Kunst und Kulinarisches

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Kaufbeuren – Nachdem Jürgen Hortig, Chef der kultigen „kaffeebar kirschkern“ im Frühjahr nach 18 Jahren seinen Abschied genommen hatte (wir berichteten), suchte das „kunsthaus“ händeringend einen Nachfolger, um den Besuchern weiterhin Gelegenheit zu geben, ihren Kunstgenuss mit leiblichen Genüssen abzurunden. Der Wunsch von Kunsthausdirektor Jan T. Wilms ist endlich in Erfüllung gegangen: Janina Lindner heißt die neue Pächterin.

Auch Stadtrat Oliver Schill (Grüne) scheint das Café gefehlt zu haben, er hatte sich im jüngsten Verwaltungsausschuss nach dem Stand der Dinge erkundigt. Oberbürgermeister Stefan Bosse konnte ihm die erfreuliche Nachricht überbringen, dass es neu eröffnet worden sei. Das verleitete den Kreisbote, die neue Pächterin am Spitaltor zu besuchen.

Eigentlich ist Janina Lindner gelernte Trachtenschneidermeisterin, aber nach 30 Jahren fand sie es an der Zeit, einmal etwas Neues zu versuchen. Zudem hatte sie als Frau des langjährigen Vorsitzenden im „kunsthaus“-Förderverein, Johannes Lindner, schon immer eine enge Beziehung zum „kunsthaus kaufbeuren“. Als also der „kirschkern“ nach einem halben Jahr immer noch leer stand, stürzte sie sich in das Abenteuer. „Es hat auf mich gewartet“, meint sie lächelnd.

Petra Bradatsch und Janina Lindner (rechts) auf der blauen Samtcouch im Séparée.

Um sich als Quereinsteigerin nicht allzu hohem Erwartungsdruck auszusetzen, verzichtete sie auf große Eröffnungsfeierlichkeiten und öffnete das Café heimlich, still und leise wieder. „Soft Opening“ nennt sie es. Seit Kurzem kann man in der „kaffeebar kirschkern“ also wieder wie gewohnt frühstücken, Kaffee trinken, Kuchen essen oder pikante Snacks genießen. Auch kleine, täglich wechselnde Mittagsgerichte werden angeboten, Suppen, Salate, Quiche, Pasta, Ofengemüse – einfach, aber immer auch ein bisschen raffiniert. „Wir haben immer gut zu tun – vor allem dank der Nachbarschaft der Volkshochschule“, berichtet Lindner und lässt von Tochter Oda, die im Wechsel mit einer weiteren Mitarbeiterin hinter der Theke steht, eine heiße Schokolade servieren.

Ein beim Kunsthausbau gefundener historischer Kirschkern unter einer Glashaube.

Das Interieur wurde geringfügig verändert, es erhielt eine lange Bank und lässt jetzt in Kleinigkeiten wie bunten Kissen als Farbtupfer die Hand einer Frau spüren. Besonders einladend ist das „Séparée“ mit seiner blauen Samtcouch vor einer großblumigen Tapete für bis zu achtköpfige Gruppen. Dort sind auch die namensgebenden historischen Kirschkerne, die bei den Bauarbeiten für das „kunsthaus“ gefunden wurden, in den Boden eingelassen. Einen davon unter einer winzigen Glashaube hat Max Kehrbaum, der Sohn des damaligen Architekten, Janina Lindner mit einem frechen Gedicht zum Soft Opening am 18. Oktober geschenkt. Noch sind nicht alle Ideen umgesetzt, die Janina Lindner für die „kaffeebar kirschkern“ entwickelt hat, es fehlen die Barhocker vor der langen Theke am Fenster sowie weitere Sessel und ein Tisch fürs Séparée, und die Beleuchtung der Kirschkerne im Boden muss erneuert werden. Aber es kommt ständig etwas hinzu.

Zusammenarbeit mit dem „kunsthaus“

Vor allem anderen wurde die Zusammenarbeit mit dem „kunsthaus“ intensiviert. Zunächst hat Janina Lindner die Öffnungszeiten der Kaffeebar denjenigen des „kunsthauses“ angepasst und am Donnerstagabend länger offen. Auch bei Vernissagen wird abends geöffnet sein.

Versuchsweise werden zudem unter dem Titel „Kunst und Kulinarisches“ vorläufig erst einmal zwei „Kuratorenführungen mit anschließendem gemütlichem Abendessen“ im Museums-Café Kirschkern veranstaltet: Am 22. Februar und am 12. April 2018 wird jeweils um 18 Uhr Kunsthausdirektor Jan T. Wilms persönlich durch die am 20. Dezember 2017 startende Ausstellung „Crossing Cultures – Der Farbholzschnitt in Europa und Japan 1900-1950“ führen. Passend zur Ausstellung kreiert Janina Lindner ein Überraschungsmenü. Die Kombiveranstaltung kostet 25 Euro. Anmelden kann man sich bis drei Tage vor dem jeweiligen Termin.

„Essen hat etwas Verbindendes und hilft möglicherweise auch, Hemmschwellen vor dem Besuch des Kunsthauses abzubauen“, bringt es Petra Bradatsch, zuständig für Öffentlichkeits- und Pressearbeit beim „kunsthaus“, auf den Punkt. Zwar gibt es keinen Kooperationsvertrag zwischen „kunsthaus“ und „kirschkern“, die beiden Frauen arbeiten freiwillig zusammen. Aber man spürt das gleichgerichtete Engagement, und so darf man sich voraussichtlich noch auf einige ansprechende Ideen zum Thema „Kunst und Kulinarisches“ freuen.

von Ingrid Zasche

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