Bauausschuss diskutiert Stellungnahmen zum Baugebiet am Kaiserweiher

"Pläne nochmal überarbeiten"

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Noch bestimmen der Kaiserweiher und einige Obstbäume das Bild auf dem Gelände, auf dem das neue Baugebiet entstehen soll.

Kaufbeuren – Zum derzeit ehrgeizigsten Bauprojekt der Stadt Kaufbeuren konnten sich in den vergangenen Monaten Verbände und Träger öffentlicher Belange äußern. Das "Wohngebiet am Kaiserweiher" erntete bei dieser gesetzlich vorgeschriebenen öffentlichen Beteiligung aber nicht nur Lob – Bedenken gab es unter anderem, ob das Baugebiet überhaupt nötig sei.

Um das derzeit größte Neubauprojekt der Stadt Kaufbeuren gab es im Bauausschuss eine rege Diskussion. Denn zu den Plänen für „Wohnen am Kaiserweiher“ hatten – im Rahmen der vorgeschriebenen öffentlichen Beteiligung – verschiedene Behörden, Verbände und Gruppen ihre Stellungnahmen und Beschwerden eingereicht. Nun seien „umfangreiche Überarbeitungen beziehungsweise Ergänzungen“ der Planungsunterlagen nötig, wie Manfred Pfefferle von der Abteilung Stadtplanung erklärte. Größere Probleme oder gar Hemmnisse bei der Ausführung des Bauprojekts seien deshalb aber nicht zu erwarten: „Verzögerungen gibt es wenn dann nur, weil jetzt noch einige Aufgaben dazukommen“, so Pfefferle. 

Konkret äußern konnten sich die Behörden und Träger öffentlicher Belange bezüglich des Flächennutzungsplans für das Areal nördlich und südlich der Kemnater Straße und des Klinikums sowie gesondert zum Bebauungsplan für das künftige Wohngebiet. 

Dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) lag in seinem Schreiben vor allem der grundsätzliche Erhalt landwirtschaftlicher Flächen am Herzen. Man vermisse in der Kaufbeurer Planung „Alternativstandorte“ für die geplante Wohnbebauung und wies auf die „Einzigartigkeit“ der Obstbaumplantage hin, die nach Jahrzehnten der Nutzung dem neuen Projekt weichen muss. Dies nahm die Stadtverwaltung nach eigener Aussage „zur Kenntnis“. Pfefferle verwies jedoch auf die aktuellen Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung, aus denen die Notwendigkeit des zusätzlich gewonnenen Wohnraums für die nächsten Jahre deutlich hervorgehe. 

Weil aber auch die Regierung von Schwaben und der Regionale Planungsverband Allgäu in ihren Stellungnahmen nähere Informationen zur „ausreichenden Nutzung geeigneter Flächenpotenziale“ im Innenstadtbereich oder auf Brachflächen sowie zur Bevölkerungsentwicklung angefordert haben, legte die Verwaltung den Gremiumsmitgliedern konkrete Auszüge eines Gutachten von Dr. Manfed Heider zur Bevölkerungsentwicklung in Kaufbeuren vor. Dieses kündigt unübersehbar einen „weiterhin deutlichen zusätzlichen Bedarf“ an neuen Wohnungen an – dieser treffe sogar dann ein, wenn die Gesamtzahl der Einwohner sinken sollte. 

Ulrike Seifert (Grüne) warf ein, dass „nicht nur der klassische Käufer eines Einfamilienhauses, sondern auch Menschen mit weniger Geld oder in anderen Lebensformen, wie alleinstehen- de Senioren, zukünftig Wohnraum brauchen“. Deshalb sei das Wohngebiet am Kaiserweiher nicht der Weisheit letzter Schluss, um dem zukünftigen Bedarf zu begegnen: „Wäre es nicht besser, Mehrfamilienhäuser zu bauen?“ so Seifert. Hier verwies jedoch Karl-Georg Bauernfeind (CSU) auf die reell hohe Nachfrage nach Baugrund für Einfamilienhäuser: „Man kann den Menschen nicht vorschreiben, wie sie wohnen wollen“, kritisierte er. Johannes Böckler (CSU) sprach sogar von „Neid, der Hausbauern entgegenschlägt“. 

Deutlich taten auch OB Stefan Bosse und Bürgermeister Gerhard Bucher ihre Meinung kund, dies allerdings hinsichtlich eines Schreibens vom Bayerischen Bauernverband (BBV). Darin heißt es unter anderem speziell „zur weiteren Planung im Flächennutzungsplan“: „Die Zeit, die durch diesen Bebauungsplan (…) ge- wonnen wird, sollte genutzt werden, um den Leerstand in der bestehenden Bebauung zu bekämpfen“. Das Wohnen im Innenstadtbereich benötige eine Verdichtung – neuer Wohnraum solle eben möglichst ohne weiteren Flächenverbrauch gewonnen werden. Auch die Erschließung des Baugebiets „nur über Staffelwald oder Kemnater Straße“ sieht man von Verbandsseite kritisch. Der zu erwartende Verkehr könne diese Zufahrten überlasten und den dortigen landwirtschaftlichen Verkehr behindern. Auch befürchte man mehr Belastung durch den Kot der Hunde der Anwohner. 

Gerhard Bucher zeigte sich anlässlich des Schreibens verärgert: „In vielen Landkreisgemeinden werden doch auch neue Baugebiete ausgewiesen – hier wird eine „Verdichtung“ des Wohnraums im Ortskern nach meinem Gefühl nicht so nachdrücklich angemahnt. Und wir haben hier nun mal keinen Zugriff auf die Grundstücke und Häuser in der Innenstadt!“ Bosse stimmte dem zu. 

Weniger Aufsehen erregten indes weitere Schreiben zu Themen des Umweltschutzes und kleinere Änderungswünsche wie zum Beispiel eine „Pufferzone“ zwischen Wohngebiet und BKH. Hierum werde man sich im Rahmen der weiteren Planungen kümmern, so Pfefferle. von Michaela Frisch

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