Der Kindergarten ist nicht mehr ausreichend

Das Landratsamt sitzt Waal im Nacken

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Der Kindergarten in Waal hat Kapazitätsprobleme. Mit einem Anbau ließe sich Abhilfe schaffen. Darüber muss der Marktgemeinderat in der nächsten Sitzung entscheiden, denn die Zeit drängt.

Waal – Die Zeit drängt. Die Marktgemeinde muss schnellstens ihre Kindergartenkapazitäten ausbauen. Es sind nicht nur die Prognosen, die den Zeitdruck verursachen. Das Landratsamt sitzt der Verwaltung im Nacken, denn der Kindergarten St. Anna hat schon seit 2014 erheblich mehr Kinder als zulässig und daher vom Landratsamt nur eine zeitlich befristete Betriebsgenehmigung erhalten.

Nachdem auch im Kindergartenjahr 2016/2017 wieder die Einrichtung einer zusätzlichen fünften Gruppe notwendig war, hat das Landratsamt als Aufsichtsbehörde nach einer Besichtigung des Kindergartens zeitnah eine räumliche Anpassung an den gestiegenen Bedarf gefordert, wobei die Betonung auf „zeitnah“ liegt. Gegenwärtig besuchen 112 Kinder den Kindergarten und die Krippe.

Eine Überprüfung durch das Landratsamt im vergangenen Jahr hatte ergeben, dass für einen dauerhaften Betrieb des Kindergartens mit 100 Kindergarten- und 15 Krippenplätzen mehrere Räume fehlen würden, darunter auch eine Küche mit Essraum, zwei Intensivräume, Personal- und Behindertentoilette, Wirtschafts- und Lagerraum sowie ein Elternwarteraum.

Bereits im Oktober 2016 erteilte der Marktgemeinderat der Vorsitzenden des Kindergartenvereins, Christa Völk, und dem Architekturbüro Rohrmoser den Auftrag zur Ausarbeitung von Vorschlägen zur Erweiterung des Kindergartens.

Nach einem Gespräch mit der Aufsichtsbehörde für die Kindergärten im Landratsamtes, so Völk, wurde ein Anbau für die Unterbringung der fünften Gruppe und eine Umschichtung der Nutzung innerhalb des bestehenden Gebäudes als beste und sinnvollste Lösung angesehen. Theoretisch wäre auch der Bau eines zweiten Kindergartens an andere Stelle möglich.

Völk wies in der jüngsten Sitzung die Marktgemeinderäte darauf hin, dass das notwendige Raumprogramm durch die Aufsichtsbehörde vorgegeben werde. Eine erneute Betriebsgenehmigung für die Notgruppe könne es nur vorübergehend geben. Das Landratsamt erwarte, dass die Gemeinde hier Abhilfe schafft. Als Kosten stand ein Betrag zwischen 1,3 und 1,5 Millionen Euro im Raum. Das sei allerdings nur eine grobe Berechnung, sagte Völk. Ebenso wenig könne derzeit über die tatsächliche Höhe der Zuschüsse Auskunft gegeben werden. Dies könnten die zuständigen Stellen erst dann errechnen, wenn die Gemeinde eine verbindliche Planung vorlege und den Bedarf an Kindergarten- und Krippenplätzen anerkannt habe.

Diese Bedarfsermittlung lag dem Marktgemeinderat vor. Völk gab dem Gemeinderäten mit auf den Weg, die Diskussion über den dauerhaften Bedarf einer fünften Gruppe müsse jetzt geführt werden. Überlegt werde müsse auch, ob dies ausreiche oder ob man in Zukunft nicht sogar mit noch mehr Bedarf rechnen müsse, insbesondere bei den Krippenkindern.

Völk führte weiter aus, dass man schon heute einen Anbau mit Erdgeschoss und Keller benötige, um den aktuellen Bedarf für die fünfte Gruppe zu decken. In die Überlegungen sollte jedoch auch die zukünftige Orts­entwicklung einfließen. Neben der Ausweisung von Neubaugebieten müsse der Zuzug in die Ortsgebiete berücksichtigt werden. Dazu käme der steigende Bedarf an Betreuungsplätzen bei den unter Dreijährigen.

Wenn die Gemeinde für die Zukunft einen noch höheren Bedarf sieht, wäre sogar ein zweigeschossiger Anbau notwendig, erklärte Völk den Marktgemeinderäten.

In die Überlegungen müsse auch die Tatsache einfließen, dass das neue Investitionsprogramm für Kindergärten zeitlich bis Mitte 2018 beschränkt sei. Es sei fraglich, ob später nochmals ein neues Investitionsprogramm aufgelegt werde.

Völk machte den Marktgemeinderäten richtig Dampf. Zunächst müsse schnellstens entschieden werden, ob man ein- oder zweigeschossig baue oder den Neubau eines zweiten gemeindlichen Kindergarten in Erwägung ziehe. Bereits in der nächsten Sitzung müsse dann formal per Beschluss der Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen anerkannt werden. Auch der Architekt müsse beauftragt und ein spezieller Bauausschuss gebildet werden, dem auch die katholische Kirche als Träger angehöre.

„Ihr müsst jetzt entscheiden“, forderte die Leiterin des Kindergartenvereins das Gremium auf. Bürgermeister Alois Porzelius ließ zwar nicht formal abstimmen, aber durch Kopfnicken erklärten die Marktgemeinderäte ihr Einverständnis zu einem zweigeschossigen Anbau, zur Anerkennung der Bedarfsanalyse, zur Beauftragung eines Architekten und zu einem gemeinsamen Bauausschuss mit der Kirche als Träger. Das Thema Kindergartenplanung soll in der nächsten Sitzung erneut auf die Tagesordnung kommen und dann formal entschieden werden.

von Siegfried Spörer

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