Rüdiger – ein „Spätheimkehrer“

50 Jahre Rüdigerbrunnen in Neugablonz wird mit öffentlichem Picknick gefeiert

Rüdiger Statue Neugablonz
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Zum 50. Jahrestag seiner Aufstellung wird der Rüdiger zum zweiten Mal feierlich enthüllt.
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Altbürgermeister Gerhard Bucher beaufsichtigt das Füllen der kostenlosen Luftballons für die jüngsten Besucher.
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Am Stand von humedica gab es Räucherwürste, Butterwischl und Bier, alternativ Kaffee und Kuchen. Alles wurde bis zum letzten Krümel verkauft.
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Einmalige Sonderaktion zugunsten des BSK: T-Shirts „Zusammen für Neugablonz“ für 16 Euro, sechs Euro davon kommen dem BSK zugute. Es wurden sämtliche Exemplare verkauft.
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Einmalige Sonderaktion zugunsten des BSK: T-Shirts „Zusammen für Neugablonz“ für 16 Euro, sechs Euro davon kommen dem BSK zugute. Es wurden sämtliche Exemplare verkauft.
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Zum 50. Jahrestag seiner Aufstellung wird der Rüdiger zum zweiten Mal feierlich enthüllt.
Rüdiger Statue Neugablonz
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Allein mit dem Mauke-Konzert wäre ein begeisterter Besuch der Veranstaltung garantiert gewesen. Mit den von den Veranstaltern bereitgestellten, locker platzierten Liegestuhlgruppen war das Picknick richtig gemütlich.
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Am Stand von querKUNST durften sich die jüngeren Besucher ein Andenken basteln. Es standen Scheren und Stifte sowie die unterschiedlichsten Materialien zur Verfügung, von Glassteinen und Knöpfen über Stoff und Pappe bis hin zu bunter Wolle.

Kaufbeuren-Neugablonz – Anders als bei der ursprünglichen Einweihung am 30. August 1970, bei der auch strömender Regen die Menschen nicht davon abhalten konnte, der Enthüllung „ihres“ Rüdigers auf der Bastei beizuwohnen, fand das Jubiläums-Picknick zu Füßen des Wahrzeichens am vergangenen Sonntag bei Kaiserwetter statt. Barbara Lackermeier und Amelie Lange vom Kulturamt der Stadt hatten ein ansprechendes Programm von 11 bis 14 Uhr auf die Beine gestellt, um den 50. Jahrestag der Rüdiger-Enthüllung in Neugablonz trotz Corona gebührend zu feiern.

Hauptattraktion des bunten Programms unter freiem Himmel war ein Konzert der Kaufbeurer Kultur- und Bayerischen Mundartpreisträger „mauke –Die Band“. Schon damit wäre ein begeisterter Besuch der Veranstaltung garantiert gewesen. Zusätzlich gab es kostenlose Luftballons für die kleinsten Besucher, und nicht ganz so kleine durften sich am Stand von querKunst ein Andenken basteln. Es standen Scheren und Stifte sowie die unterschiedlichsten Materialien zur Verfügung, von Glassteinen und Knöpfen über Stoff und Pappe bis hin zu bunter Wolle. Außerdem wurden T-Shirts mit dem Aufdruck „Zusammen für Neugablonz“ für 16 Euro verkauft, jeweils sechs Euro davon kommen dem BSK zugute. Es wurden sämtliche Exemplare verkauft. Für das leibliche Wohl sorgte die Hilfsorganisation humedica mit Gablonzer Schmankerln: Zum Selbstkostenpreis gab es da sowohl Räucherwürste und Butterwischl sowie Bier und alkoholfreie Getränke als auch Kaffee und eine Reihe verführerischer Kuchen. Die Menge war kauf- und spendewillig und es ging zur Freude von humedica alles bis auf den letzten Krümel weg. Mit den von den Veranstaltern bereitgestellten, locker platzierten Liegestuhlgruppen war das Picknick geradezu gemütlich. Die Mitarbeiter vom S.D.H. Sicherheitsdienst erfassten in einem dicken Ordner alle Adressen und Verweilzeiten der Zuschauer, um im Falle eines Falles warnen zu können.

Mauke spielte von 11 bis 12 und von 13 bis 14 Uhr. Dabei fehlte kaum eines ihrer beliebtesten Stücke, von „Mama mag tanzn –iech mit menn Ranzn ho kejne Lust drzu“ oder „Olles Thuja/Hallo Julia“, worin der Sichtschutz für eine private FKK-Anlage und die zarte Liebe zur strengen Amtsleiterin Julia Müller besungen wird, über fetzig verrocktes, echtes Gablonzer Liedgut wie „O menner Ziege ho ich Frejde“, die Geschichte vom Badetag (Caprifischer) oder vom Pilzgericht für Gustl oder von der „Sensibilität des Mannes“ oder das tragische Lied von der Erfindung des Mono-Skis („Angie“ als „Ejn Schi“), mit dem „Michael Jäger“ und seine „Rollenden Steine“ später ihre Karriere begründet haben sollen. Der im Original gesungene Hit „Please release me“ wird jedes Mal zum Gaudium des Publikums dreisprachig vorgetragen: mit sorgfältig artikulierter hochdeutscher Übersetzung von Herbert Stumpe und sehr eigenwilliger paurischer Auslegung („Mach kej Thiatr, Ale! Mir zweje sein wie Rejcherworscht und Moubuchte uf enn Tallr“) von O. Michael Siegmund. Und selbstverständlich verwandelt sich Siegmund bei „Wenn de Glasl (die Glocken) hell erklingen“ mit einem „olejbschn“ rosa „Kouptichl“ wieder in „Michaela“ und zetert zahnlos in kreischendem Falsett „nej, nej, nej, du alr Sifflich!“, bevor der betrunken heimgekehrte Gatte eins mit der „Pletsche“ verpasst bekommt. Die Kennmelodie „Mauke, Mauke“ (Icecream) und das traditionell endgültig letzte Stück bei den Zugaben „Nimm (Sag) beim Abschied leise Servus“ waren selbstverständlich ebenfalls dabei.

In der Stunde zwischen den beiden Konzertteilen begrüßte Oberbürgermeister Stefan Bosse zunächst die Prominenz: Die Landtagsabgeordneten Franz Josef Pschierer und Bernhard Pohl, Bürgermeisterin Dr. Erika Rössler und die anwesenden Stadträte sowie die ehemaligen Bürgermeister Gerhard Bucher und Ernst Holy. Dann arbeiteten sich Gaukler – heute heißt so etwas „Body Art Performance (eine Truppe vom Turnverein) – mit akrobatischen Kapriolen – einarmiger Handstand, Radschlagen und Saltos – nach oben auf den Brunnen. Dort angelangt, enthüllten sie den orangefarben bedeckten Rüdiger nach 50 Jahren zum zweiten Mal. Nun hielt der OB Rückschau auf die wechselvolle Geschichte des vom Jugendstil-Bildhauer Franz Metzner gestalteten Brunnens, bis der Rüdiger als „Spätheimkehrer“ auf der Bastei in Neugablonz seine endgültige Heimat fand. Bosse bezeichnete ihn als „Wahrzeichen unserer Stadt, auf das wir stolz sind“. Boris Tichý hatte eine Postkarte mit alten Rüdiger-Ansichten an „Rüdiger von Bechelaren, Neugablonz“ geschickt. Ernst Holy in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Städtepartnerschaftsvereins verlas eine freundschaftliche Grußbotschaft vom Gablonzer Oberbürgermeisters Jirí Cerovský.

Mundartpoet O. Michael Siegmund schließlich hatte die angeblichen Erlebnisse des Rüdiger aus 50 Jahren in heitere paurische Verse gefasst und wünschte ihm, dass ihm auch noch ein 100-jähriges Jubiläum auf der Neugablonzer Bastei beschieden sein möge.

von Ingrid Zasche

Rubriklistenbild: © Zasche

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