„Grenzenlos schön wohnen“: 70. ordentliche Mitgliederversammlung des Gablonzer Siedlungswerks

GSW: Planung für Quartiersnachverdichtung trotz Corona auf gutem Weg

Publikum zeigt grüne Karten
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„Alles im grünen Bereich“: die anwesenden stimmberechtigten Mitglieder sind sich bei der 70. ordentlichen Mitgliederversammlung des GSW in allen Punkten einig und zeigen die grüne Karte.

Kaufbeuren-Neugablonz – Wer den Vorzug hatte, die Wohnungen im 2019 fertiggestellten Iser-Quartier besichtigen zu dürfen, wird das Motto „Grenzenlos schön wohnen“ des Gablonzer Siedlungswerks (GSW) vermutlich unterschreiben können – obwohl die dort gebotene Lebensqualität natürlich ihren Preis hat. Sie wurde aber auch mit einem Preis ausgezeichnet: Der hohe Wohnkomfort, das überzeugende Architekturkonzept und die moderne Heiztechnik erhielten als Gesamtprojekt den Baupreis 2019 der Stadt Kaufbeuren. Das konnte Christian Sobl, der geschäftsführende Vorstand des GSW, unter anderem in der am vergangenen Montag im Gablonzer Haus durchgeführten 70. ordentlichen Mitgliederversammlung berichten.

38 Personen, davon 33 stimmberechtigte Mitglieder (von insgesamt 1.638, seit 2018 um 54 gestiegen), hatten sich mit gebotenem Abstand im Großen Saal versammelt. Dem Vorstand – Christian Sobl, Eva Stumpe und Matthias Queisser – sowie dem durch seinen Vorsitzenden, RA Dr. Wolfgang Völsch, vertretenen Aufsichtsrat wurde nach Vorstellung einer eindrucksvollen positiven Bilanz einstimmig Entlastung erteilt. Ebenso erfolgte der Beschluss einstimmig, den Jahresüberschuss in Höhe von über 1,6 Millionen Euro nach Abzug der Rücklagen in Höhe von 830.000 Euro in einer dreiprozentigen Dividende per 8. Oktober 2020 an die Mitglieder auszuschütten und den verbleibenden Rest anderen Ergebnisrücklagen zuzuweisen, wie von Vorstand und Aufsichtsrat vorgeschlagen. Auch die nächsten Punkte wurden einstimmig beschlossen: Da die turnusmäßige dreijährige Amtszeit des stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden, Alt-OB Rudolf Krause, im Juni 2020 geendet hatte und er gemäß Satzung altersbedingt nicht mehr kandidieren kann, wurde er in den Ehrenrat gewählt. Rudolf Krause war seit Juni 1976 im GSW-Aufsichtsrat, und durch die Wahl in den Ehrenrat bleiben dem GSW „seine Kompetenz, sein hoher Sachverstand und sein reicher Erfahrungsschatz“ erhalten. Aus den gleichen Gründen wurde Karl-Heinz Reckziegel für einen weiteren Turnus als Aufsichtsrat bestätigt. Schließlich beschlossen die Anwesenden auch, dem Vorstand Handlungsspielraum zu lassen bei der Gewährung einer maximal dreimonatigen Mietstundung, wenn ein „kooperativer Mieter“ in Zahlungsschwierigkeiten gerät.

Der geschäftsführende Vorstand des Gablonzer Siedlungswerks, Christian Sobl, stellt den Jahresabschluss 2019 und den Lagebericht vor.

Die Genossenschaft GSW hat schon seit der Gründung vor 70 Jahren den Zweck einer guten und sozial verantwortbaren Wohnungsversorgung verfolgt. Dazu gehören auch die Verbesserung der Wohn- und Lebensqualität sowie die Entwicklung der Infrastruktur in Neugablonz. Die Bevölkerung Kaufbeurens wächst Jahr für Jahr um etwa ein Prozent, somit hat der Neubau von bezahlbarem Wohnraum für die mittleren Einkommen nach wie vor große Bedeutung. Dies zeigt sich nicht nur an der laufend durchgeführten Bestandsanierung – für Instandhaltung wurden 2019 rund zwei Millionen Euro ausgegeben – sondern auch an neuen Projekten, wie der vorgesehenen Quartiersnachverdichtung südlich der Falkenstraße. Dort soll generationsübergreifender Wohnraum entstehen: ein Studentenwohnheim, Wohnungen für Familien und Wohngemeinschaften für Senioren. Die Wohnqualität soll durch einen Quartierstreffpunkt, einen Kindergarten und einen Spielplatz ergänzt werden. „Die Planung ist trotz Corona auf einem guten Weg“, so Vorstand Christian Sobl.

OB Stefan Bosse, der nicht nur ein Grußwort überbrachte, sondern auch für die Stadt Kaufbeu­ren als stimmberechtigtes Mitglied anwesend war, sagte, er sei froh, als Vertreter der Stadt ein Teil der Genossenschaft und ihres „segensreichen Wirkens“ sein zu dürfen. Der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Völsch meinte, er im Gegenzug sei froh, als Vertreter der Genossenschaft ein Teil der Stadt zu sein und dankte für die stets gute Zusammenarbeit.

Sobl schloss seinen Bericht mit einem Appell, mehr über Lösungen, statt über Probleme zu sprechen. Dies könne im Fall des GSW bedeuten, dass alle wieder das Miteinander in den Vordergrund stellen und besonders in diesen schwierigen Zeiten durch die Pflege guter Hausgemeinschaften „der Vereinsamung nicht nur von alten Menschen, der extremen Zunahme von Alkohol- und Drogen­exzessen und der Häufung von psychischen Ausnahmezuständen verbunden mit häuslicher Gewalt“ entgegenwirken. Das Gablonzer Siedlungswerk habe als Vermieter nur einen begrenzten Spielraum bei zwischenmenschlichen Konflikten, werde jedoch „die Bandbreite der Möglichkeiten konsequent zum Schutz der unauffälligen Mieter einsetzen“.

von Ingrid Zasche

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