Vier Varianten für neue Verkehrsführung in der Altstadt

Weniger Verkehr und mehr Qualität

Kaiser-Max-Straße Kaufbeuren
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Die Kaiser-Max-Straße ist das Herzstück der „Guten Stube“ in der Kaufbeurer Altstadt.
  • Wolfgang Becker
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Kaufbeuren - Die künftige Verkehrsführung in der Altstadt soll sich ändern. „Unser oberstes Ziel ist eine Steigerung der Aufenthaltsqualität in der Innenstadt“, so Oberbürgermeister Stefan Bosse. „Die Reduzierung des Fahrzeugverkehrs ist dabei ein Teilaspekt.“ In einem ersten Schritt wurden im Rahmen eines Pressegespräches und im Bauausschuss vier alternative Szenarien zur künftigen Verkehrsführung in der Innenstadt vorgestellt. Eine davon hat jedoch kaum Chancen auf Umsetzung. Darüber hinaus gab es Vorschläge zur alternativen Bewirtschaftung der Parkplätze in den Altstadtstraßen. Die Stadtspitze wünscht sich in den nächsten Wochen eine lebhafte Diskussion und Abwägung in der Stadtgesellschaft, wie es mit der Kernstadt weitergehen kann und welche konkreten Projekte umgesetzt werden sollen.

Das Signal von Verwaltung und Stadtrat ist eindeutig: Zunächst soll die Fahrzeugfrequenz reduziert werden und längeres Parken (mehr als 30 Minuten) auf den markierten Stellplätzen nicht mehr möglich sein. Auch das bisher geduldete Parken auf nicht markierten Flächen mit Parkschein soll ebenso entfallen, wie die „Semmeltaste“ mit 15 Minuten freiem Parken. Die Stadt hatte sich für die Untersuchung der Verkehrssituation die externe Hilfe eines spezialisierten Gutachters geholt. Die vorbereitenden Untersuchungen sind abgeschlossen und geben detailliert Aufschluss über das Verhalten von Besuchern mit Kraftfahrzeugen in der Altstadt und deren Nutzung von Parkflächen.

Dabei stellte sich beispielsweise heraus, dass bei einer Zählung an einem Dienstag im September von 1.040 in die Altstadt einfahrenden Pkw rund 45 Prozent wieder ausfuhren, ohne anzuhalten. Während am Dienstag die durchschnittliche Parkdauer 39 Minuten betrug, waren es am Samstag 59 Minuten. 62 Prozent der Besucher mit Fahrzeugen kommen aus Kaufbeuren, der Rest aus dem Umland von Buchloe bis Marktoberdorf. Auf der Basis dieser Verkehrszählungen und Analysen wurden nunmehr insgesamt vier alternative Szenarien entwickelt, die einzeln oder in Stufen umgesetzt werden können.

Vier Varianten

Kernstück der Variante 1 ist ein neuer Zugang vom „Schießstattweg“ (Gaststätte „Zum Häring“) zur Straße „Unter dem Berg“ ausschließlich für die Anwohner. Flankierend greift das neue Parkplatzkonzept, das die maximale Parkdauer von bisher 75 auf dann 30 Minuten beschränkt. Und das Parken nur noch auf den gekennzeichneten Stellflächen erlaubt. Das gilt im übrigen auch für die anderen Varianten. Somit bleiben 69 öffentliche und 26 Anwohner-Stellplätze erhalten. OB und Verwaltung empfahlen Variante 1 in einem ersten Schritt, später könnten in abgestimmter Form dann weitere Maßnahmen folgen. „Variante 1 bedeutet bereits einen starken Kulturwandel“, sagte Baureferent Helge Carl. „Denn damit werden rund 40 Prozent des Quell- und Zielverkehrs reduziert.“ Er legte zudem Wert auf die Feststellung, dass auch zusätzliche Sitzgelegenheiten und Grüninseln als weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität beitragen sollen.

Bei der Variante 2 soll lediglich ergänzend zur Variante 1 die untere Kaiser-Max-Straße von der Sedanstraße bis zum Ringweg gesperrt werden. Dadurch fallen dreizehn Parkplätze weg.

Variante 3 sieht eine komplette Sperrung der Kaiser-Max-Straße vor, allerdings nur an einzelnen Tagen oder Samstagen, wenn dort laut OB „etwas stattfindet“. Eine dauerhafte Lösung sei dies derzeit nicht. Caroline Moser als Wirtschaftsreferentin ergänzte, dass die Umgestaltung generell mit einem Marketing- und Eventkonzept ergänzt werden müsste. Mit der Variante 4 fände ein Paradigmenwechsel statt: Die Kaiser-Max-Straße würde komplett zur Fußgängerzone. Die jetzige Fußgängerzone würde dann nur noch den Salzmarkt bis zur Münzhalde umfassen. Die nach Norden verlaufende Schmiedgasse würde von der Pfarrgasse kommend wieder für den Verkehr freigegeben. Dies sei jedoch nur eine Idee, die im Stadtrat keine Mehrheit finde, so Bosse.

„Intensive Diskussion“

„Wir wollen den Stadtrat und die Akteure der Innenstadt – Bewohner, Haus- und Geschäftsinhaber sowie die Bürger der Stadt – zusammenbringen“, sagte die Stadtspitze. Bosse wünschte sich eine „intensive Diskussion in der Stadtgesellschaft“. Im Frühjahr werde die eigentlich aktuell geplante Sitzung des Innenbeirats stattfinden. „Wir versuchen so bald wie möglich eine Umsetzung der Maßnahmen. Wenn der Stadtrat noch vor der Sommerpause abstimmt, könnte realistisch die erste Maßnahme Ende 2022 oder Anfang 2023 mit anfangs geltenden Übergangsregelungen greifen“, äußerte sich Rathauschef Stefan Bosse optimistisch.

Kommentar von Wolfgang Becker: Weitere Variante(n)

Die bisher erarbeiteten Varianten von Experten und Stadtrat sind der richtige und vor allem mutige Schritt, an den derzeitigen Verkehrsverhältnissen in der Altstadt etwas zu ändern. Den Leerstand wird das zwar nicht so schnell beseitigen, aber die Aufenthaltsqualität bei einem Kaffee im Freien sicher verbessern. Die nun einsetzende Diskussion sollte Raum für weitere Varianten eröffnen.

Eine mögliche Variante wäre, lediglich die obere Kaiser-Max-Straße beginnend vor dem Neptunbrunnen bis zum Ende der Straße als Fußgängerzone auszuweisen. Das hätte vermutlich Charme, weil sich damit etliche Vorteile ergeben würden. Der schmalere obere Teil böte zunächst einmal den sechs dortigen Gastronomen ausreichend Platz für ihre Außengastronomie – ohne Beeinträchtigung durch vorbeirollende Fahrzeuge. Der Neptunbrunnen würde dann nicht nur einen fahrzeugfreien Treffpunkt bilden, sondern würde mit einem gestalterischen Übergang zur bestehenden Fußgängerzone einen gemeinsamen Startpunkt im historischen Herzen der Altstadt markieren. Auch die Einbindung der Sparkassen- und Löwenpassage mit der bestehenden Innengastronomie sowie dem gerade im Bau befindlichen zweiten Zugang würde bestens integriert und so eine Aufwertung erfahren, von der auch die Ludwigstraße profitieren könnte.

Letztendlich könnten in der unteren Kaiser-Max-Straße unter anderem Bäckerei, Bank und Weinhandel von den Stellflächen und die zwei Gastronomen dort von dem breiteren Gehweg für die Außengastronomie profitieren. Es geht im Kern auch bei dieser Variante um eine deutliche Steigerung der Aufenthaltsqualität. Aber natürlich ist dies nur eine weitere von sicherlich noch vielen Varianten . . . !

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