1. kreisbote-de
  2. Lokales
  3. Kaufbeuren

Kaufbeurer Bauhof stellt Aktionen für mehr Artenvielfalt vor

Erstellt:

Von: Mahi Kola

Kommentare

Blumenwiese vor Wohnblock, Kaufbeuren
Blumenwiesen in der Stadt sollen farbliche Akzente setzen und zur Artenvielfalt beitragen. Darum kümmert sich die Stadtgärtnerei. © Kola

Kaufbeuren – Mit welchen Aktionen sich der städtische Bauhof in Kaufbeuren um Biodiversität im Stadtgebiet bemüht, wurde in der jüngsten Sitzung des Umweltausschusses dargestellt. Von farbenfrohen Blumenwiesen über Insektenhotels und Staudenbeete ist alles dabei, was sich Schmetterlinge, Bienen und Co. wünschen. Bei den Bürgern ist die Akzeptanz für die stadtbildprägenden Maßnahmen allerdings nicht immer gegeben.

„Circa 8.500 Quadratmeter Blumenwiesen haben wir im Stadtgebiet“, wie Bauhofleiter Georgio Buchs in der Sitzung erläuterte. Laut Buchs setzen Wildblumenwiesen nicht nur farbenfrohe Akzente, sondern sorgen insbesondere für mehr Artenvielfalt in der Stadt und locken viele nützliche Insekten an. Durch ihre Blütenvielfalt seien sie ein „Paradies für Schmetterlinge, Bienen und Hummeln“, so Buchs. Ein weiterer Vorteil sei, dass hier im Vergleich zu intensiv gemähten Flächen weniger Mähgänge (ein- bis zweimal im Jahr) nötig seien. Die gewonnene Arbeitszeit sei wiederum anderswo einsetzbar.

Künftige Projekte

Auch künftig sind einige Projekte geplant: So sollen auf lange Sicht mehr Flächen im Stadtgebiet zu artenreichen Blumenwiesen oder Staudenbeeten umgestaltet werden. Zu den zukünftigen Vorhaben zählt zum Beispiel die Übernahme der neu angelegten Flächen am Kaiserweiher von circa 15.000 Quadratmetern, oder die Gestaltung der Wiesenfläche am Waldfriedhof mit 5.000 Quadratmetern. Seit 2021 ist die Stadt Kaufbeuren darüber hinaus als eine von hundert Kommunen beim „Blühpakt Bayern“ dabei. Das Projekt hat zum Ziel, mit vereinten Kräften von gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Akteuren, den Insekten ihre Lebensräume zurückzugeben. Durch die Initiative wollen die Beteiligten gemeinsam dem massiven Rückgang des Artenreichtums entgegenwirken. Der städtische Bauhof bekommt mit der Aktion „Starterkit – 100 blühende Kommunen“ eine finanzielle Starthilfe in Höhe von 5.000 Euro und wird bei den diversen Plänen von einem Blühpakt-Berater unterstützt, der den Bauhof-Mitarbeitern mit Rat und Tat zur Seite steht.

Akzeptanz nicht immer da

Auch wenn es seitens der Bürger gemeinhin viel Lob für den Einsatz der Bauhof-Mitarbeiter gibt, stößt wie im Falle der Blumenwiesen, nicht jede Maßnahme auf uneingeschränkte Zustimmung.

Wie Buchs berichtete, störten sich Bürger mitunter am Unkraut – vor allem, wenn die Fläche verblüht und optisch nicht mehr so ansprechend sei. Manche riefen deswegen auch im Bauhof an, um sich zu beschweren. Bürgermeister Oliver Schill (Grüne) appellierte in diesem Zuge an die Menschen, ihr ästhetisches Empfinden „neu zu programmieren“ und ermutigte dazu, den „Wert und die Schönheit der Natur ganzjährig zu erkennen; sie so zu akzeptieren, wie sie ist“.

Ein Kommentar dazu von Mahi Kola

Wenn ungewolltes Grünzeug an den „falschen“ Stellen sprießt, ohne vorher um Erlaubnis zu fragen, ist das manchen Bürgern ein Dorn im Auge. Manche rufen auch im Bauhof an, um Beschwerde einzulegen. Dabei sind die Blumenwiesen ein wertvoller Beitrag gegen das massive Artensterben. Aber es geht hier um mehr als ein reines Umweltthema. Es geht um die Anmaßung, ein Urteil darüber zu fällen, wie etwas zu sein hat; darum, Dinge zurechtzuschneiden, damit sie unseren Vorstellungen entsprechen. Zu einer toleranten Haltung gehört, es auszuhalten, dass die Natur vier Jahreszeiten mit sich bringt – und ja, jede davon ihre eigene Schönheit hat. Es wird Zeit, der Umwelt etwas zurückzugeben, und dabei großzügig zu sein. Die Menschheit erlebt jetzt mehr denn je, dass die Geduld von Mutter Natur auch irgendwann ein Ende hat. Jetzt ist an der Zeit, im Kopf den Schalter umzulegen: Wir sind nicht der Herrscher der Natur, sondern ein Teil von ihr. Das Streben nach Profit und noch mehr Wohlstand geht auf Kosten der Natur. Was nützt uns all der Reichtum der Erde, wenn es keine Erde mehr gibt?

Auch interessant

Kommentare