Weitere Streiks sind möglich

Nach erneutem Streik: Busfahrer in Kaufbeuren warten weiterhin auf Reaktion

Stau und Streik Kaufbeuren
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Lange Staus, wie hier an der Spittelmühle, bildeten sich vergangenen Freitag bedingt durch den Streik der Busfahrer.

Kaufbeuren – Der Unmut bei den Busfahrern der Verkehrsgesellschaft Kirchweihtal GmbH ist weiterhin ungebrochen. Sie wollen mehr Geld und fühlen sich nicht wertgeschätzt. Schon am 9. September legten sie für einige Stunden ihre Arbeit nieder, sorgten damit für ein Verkehrs­chaos im morgendlichen Berufsverkehr. Am vergangenen Freitag kam es noch dicker: 24 Stunden fuhr kein Bus in Kaufbeuren.

Nach dem ersten Streik blieb eine Reaktion der Geschäftsführung von Kirchweihtal aus. Das wurmt die Busfahrer besonders. Harald Scheibler, Mitglied in der Tarifkommission für das bayerische Omnibusgewerbe, und seine Mitstreiter wollen zwar die Fahrgäste nicht verprellen, doch mit dem Streik sorgten sie trotzdem für einigen Unmut. Nicht aber bei Susanne Ferschl. Die Bundestagsabgeordnete der Linken kritisiert die Arbeitgeber: „Es kann nicht sein, dass sie erst im Januar auf Verhandlungen eingehen wollen, wenn Ende Oktober der Tarifvertrag ausläuft. Es muss mehr getan werden, um die Beschäftigten vor Corona zu schützen“, sagte sie. Die Forderung der Gewerkschaft Verdi nach 3,50 Euro mehr Stundenlohn seien nicht nur nötig, „sondern zeigen auch endlich die verdiente Anerkennung, die die Beschäftigten, die man so gerne als ‚systemrelevant‘ bezeichnet, verdient haben.“

Für Scheibler dürften das wohlwollende Worte sein. Scheibler prangert an, dass Lkw-Fahrer in dieser Gegend 20 Euro pro Stunde verdienen. Die Busfahrer werden dagegen mit etwa 14 Euro abgespeist. Sogar in anderen Bundesländern wird mehr bezahlt als im Freistaat. „Wir haben eine höhere Verantwortung als Busfahrer bei der Personenbeförderung“, macht Scheibler deutlich und verweist auf die extrem hohe Belastung und lange Arbeitszeiten.

Obwohl in der Lockdownphase bereits über Kurzarbeitergeld bei Kirchweihtal nachgedacht wurde, entschieden sich Landkreis und Stadt Kaufbeuren dagegen. Aktuell sei Kurzarbeit kein Thema. Seit Ende April wird in den Bussen wieder kassiert. Nach Pfingsten gab es sogar wieder Vollbetrieb. Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel der RBA im Augsburger Land. Gewerkschaft und das Unternehmen einigten sich auf eine Einmalzahlung von 1.000 Euro. Jetzt die Verhandlungen für gescheitert zu erklären, wäre für Harald Scheibler der falsche Ansatz. „Applaus allein reicht nicht“, so die Abgeordnete Ferschl. Eine erfolgreiche Verkehrswende könne nur mit den Beschäftigten passieren, mit guten Löhnen und guten Arbeitsbedingungen. „Die Kolleginnen und Kollegen haben meine volle Solidarität!“

Neue Streiks sind derweil nicht ausgeschlossen.

von Stefan Günter

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