Wo sind die Chefinnen?

Frauen in städtischen Führungspositionen sind rar

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Bei den städtischen Mitarbeitern ist über die Hälfte weiblich. Doch bei den Führungspositionen in der Verwaltung sind die Männer in der Überzahl.

Kaufbeuren – Seit gut zehn Jahren gibt es in der Stadt Kaufbeuren nun schon die Zielvereinbarung „Familie und Beruf vereinbaren“, die zahlreiche Maßnahmen enthält, die es leichter machen sollen, Beruf und Familien- sowie Pflegeaufgaben zu managen. Davon können natürlich vor allem Frauen profitieren. Doch zeigen solche Konzepte zur Gleichstellung Wirkung? Wie sieht die Situation in der Stadt Kaufbeuren aus?

Im Rathaus ist die oberste Stelle, die von einer Frau besetzt wird, die Referatsleitung im Wirtschafts- und Kulturreferat. Caroline Moser hält diese Stelle inne – und ist damit unter insgesamt fünf Referatsleitern die einzige Frau.

Darunter kommen die Abteilungs- und Werkleiter. Von 21 sind hier sechs weiblich. Sechs weitere sind als stellvertretende Abteilungsleiterinnen tätig. Eine Ebene darunter sind die Sachgebietsleiter. Von 23 sind – man ahnt es schon – sechs weiblich.

In den Führungsetagen scheinen es Frauen schwerer zu haben. Stadt-Pressesprecherin Melissa Hellebrandt kennt die Ursache. Viele der jetzigen Leiter seien schon seit Jahren in ihren Positionen, dadurch würden selten neue Stellen frei werden, die dann eventuell mit einer Frau besetzt werden könnten. Aber Hellebrandt weiß, dass der demographische Wandel in den nächsten Jahren zu einem Wechsel in den Führungspositionen führen wird. Um dann auch Frauen die gleichen Chancen einzuräumen, wird seit 2011 jährlich eine Führungskräfte-Schulung für angehende Führungskräfte angeboten. Dabei würde sehr darauf geachtet, dass das Verhältnis von männlichen und weiblichen Teilnehmern ausgewogen ist.

Man sieht, in den Führungspositionen der Verwaltung sind Frauen noch deutlich in der Unterzahl. Doch die Stadt baut für die Zeit, wenn sich die Alteingesessenen in die Rente verabschieden, vor.

Sozialer Bereich ist weiblich

Während es in den oberen Etagen des Rathauses also (noch)eher männlich zugeht, sieht die Situation bei den städtischen Mitarbeitern anders aus. 995 Menschen beschäftigt die Stadt. Davon ist über die Hälfte (583) weiblich. Wie kommt‘s? Hellebrandt erklärt das mit den „typisch weiblichen Berufsfeldern.“ Im Erziehungsbereich und in der Altenpflege sei der Frauenanteil besonders hoch. Durch den Ausbau der Kinderbetreuung sei die Zahl der weiblichen Mitarbeiter auch in den letzten Jahren immer weiter gestiegen.

Das ist sicherlich keine große Überraschung. Sind männliche Erzieher doch bundesweit eher eine seltene Spezies. Dementsprechend werden auch die Führungspositionen in den sozialen Bereichen von Frauen eingenommen. Fünf von sechs Leitungsfunktionen mit Personalverantwortung sind laut Hellebrandt von Frauen besetzt. „Ab September gibt es noch eine weitere Tageseinrichtung, hier ist die Leitung ebenfalls weiblich.“

Familie und Beruf unter einem Hut

Aber nicht nur auf Führungsebene will man Frauen erleichtern, in den Beruf zu kommen. Der vom Stadtrat im August 1995 verabschiedete Frauenförderplan wurde im Juli 2001 durch das Gleichstellungskonzept abgelöst. Zudem gibt es eine Gleichstellungssatzung, wie Hellebrandt erklärt. „Das Gleichstellungskonzept entspricht inhaltlich dem Bayerischen Gesetz zur Gleichstellung von Frauen und Männern.“

Doch zusätzlich gibt es in Kaufbeuren noch die seit 2008 erarbeiteten Maßnahmen zum Thema „Familie und Beruf vereinbaren“. Damit, so Hellebrandt, solle es leichter werden, Familie beziehungsweise die Pflege von Angehörigen mit dem Beruf miteinander zu kombinieren.

Zudem gebe es zahlreiche individuelle Arbeitszeitmodelle. Dadurch sollen „die Arbeitsbedingungen für Beschäftigte mit Familienpflichten durch flexible Arbeitszeiten verbessert“ und „das Führen in Teilzeit ermöglicht und umgesetzt“ werden. Selbst Telearbeit ist möglich, wie Hellebrandt ergänzt.

von Stephanie Novy

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