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Die Gaskrise bedroht die gesamte Lebensmittelindustrie – ABK-Chef Csauth schlägt Alarm

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Von: Angelika Hirschberg

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gestapelte getränkekästen
Die ABK hat die Produktion von Limonadengetränken gestoppt. Aktuell werden noch Restbestände, hier Cola-Mix, verkauft. © Hirschberg

Kaufbeuren/Landkreis – Die Aktienbrauerei Kaufbeuren hat die Herstellung ihrer Limonaden bis auf weiteres eingestellt. Grund dafür ist das plötzliche Ausbleiben bereits zugesagter Kohlensäure (genauer gesagt, von Kohlendioxid). Diese ist für die Produktion von Limonaden allerdings unerlässlich.

Wie Gottfried Csauth, Geschäftsführer der Aktienbrauerei dem Kreisbote mitteilte, wurde zuletzt am 30. August eine Teilmenge von fünf Tonnen Kohlendioxid der Brauerei geliefert. Nur wenige Tage später, am 5. September, erhielt der Brauereichef einen Brief des Lieferanten, dass der dringend benötigte Rohstoff bis mindestens Ende des Jahres nicht mehr lieferbar sei. Nun schlägt der Brauereichef Alarm. Denn ein Mangel an Kohlendioxid hat nicht nur Auswirkungen auf die Bier- und Limonadenherstellung.

Kohlensäure wird außerdem zur Konservierung von Lebensmitteln wie Milch und Fleisch verwendet. Außerdem findet es unter anderem als Schutzgas in der modernen Schweißtechnik seinen Einsatz sowie als Kältemittel in Klimaanlagen. Von den Lieferengpässen sind also neben den Endverbrauchern auch die Industrie, Hotellerie und Gastronomie betroffen. Und dies nicht nur in Kaufbeuren. Die Problematik betrifft die gesamte Getränkeindustrie deutschlandweit. Dies ergibt sich aus einer Nachfrage der Freien Wähler-Fraktion beim Bayerischen Brauerbund.

Die Ursache für den Mangel an Kohlendioxid ist bei den explodierenden Gaspreisen zu finden. Denn Kohlensäure fällt quasi als Nebenprodukt bei der Herstellung von Düngemitteln an. Die Düngemittelhersteller jedoch haben aktuell ihre Produktion europaweit um 90 Prozent gedrosselt, weil eine Kostendeckung aufgrund extrem hoher Gaspreise nicht mehr möglich ist.

Kaufbeurens Traditionsbrauerei zog daraufhin die Notbremse. Wie Csauth sagte, habe die Geschäftsleitung von heute auf morgen einen Stopp der Limonadenherstellung beschließen müssen. Nun denkt der Geschäftsführer auch laut über Kurzarbeit nach. Die Produktion von ABK-Bier könne für den Moment noch aufrecht erhalten werden, da Kohlensäure im Bier nur ein Hilfsstoff sei, für das die Restbestände verwendet werden könnten.

Die Auswirkungen für die Brauerei seien dennoch „mehr als dramatisch“. Alkohol­freie Getränke, also Eigen- und Lizenzlimonaden machen rund 35 Prozent des gesamten Absatzvolumens der ABK aus. Gottfried Csauth treibt die Frage um: „Werden unsere Kunden zurückkommen?“

Der Geschäftsführer geht mit eindringlichen Worten an die Öffentlichkeit: „Die Politik muss hier eingreifen, es besteht dringender Handlungsbedarf. Sonst fliegt uns die gesamte Lebensmittelindustrie um die Ohren.“

Der Landtagsabgeordnete der Freien Wähler, Bernhard Pohl, schrieb aufgerüttelt durch die Worte Csauths einen Brandbrief an Bayerns Wirtschaftsminister und Fraktionsfreund Hubert Aiwanger, in dem er auf die dramatische Lage bei der Unterversorgung des Markts mit Kohlensäure aufmerksam macht. Pohl bat Aiwanger darum, umgehend bei Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck zu intervenieren, damit die Düngemittelversorgung wieder hochgefahren werde und eine Versorgung mit Kohlensäure gewährleistet sei. Dafür gebe es, laut Pohl, nur ein Heilmittel, nämlich den direkten Eingriff in die Gaspreise zugunsten der Düngemittelhersteller. Kohlensäure könne nämlich durch kein anderes Verfahren kurzfristig erzeugt werden. „Wir brauchen jetzt zusätzlich einen Gaspreisdeckel, um Unternehmen, wie die der Düngemittelindustrie, am Markt zu halten“, schreibt Pohl.

Wenn der Mittelstand keine Hilfen bekomme, sehe es schlecht aus, betont Csauth. Nicht nur die unsichere Versorgung mit Kohlendioxid belaste die Brauereien. Auch die Preise für Reinigungsmittel, Säuren und Laugen, seien innerhalb eines Monats um das 16-fache gestiegen. Und Csauth prophezeit: „Die Erhöhung des Bierpreises, sie kommt!“

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