Aus der Not eine Tugend gemacht

Drive In-Freisprechungsfeier der Kreishandwerkerschaft Ostallgäu-Kaufbeuren

V-Markt-Parkplatz in Neugablonz mit Pkws und Bühne
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Ein voller V-Markt-Parkplatz am Sonntag: Hier gab es jedoch nicht etwa Schnäppchen zu holen, sondern Zeugnisse für die diesjährigen Handwerksgesellen.

Kaufbeuren – Dass die Not erfinderisch macht und besondere Zeiten besondere Maßnahmen erfordern, bewies am vergangenen Sonntag eine Veranstaltung der Kreishandwerkerschaft Ostallgäu-Kaufbeuren. Nachdem aufgrund der aktuell geltenden Corona-Regeln die diesjährige Freisprechungsfeier nicht im gewohnten Rahmen und einem geschlossenen Raum stattfinden konnte, ließen sich Kreishandwerksmeister Robert Klauer und sein tatkräftiges Team etwas ganz Besonderes einfallen.

„Eine Absage der Feier war für uns keine Option. Auch in schwierigen Zeiten sollen unsere jungen Leute einen feierlichen Abschluss ihrer Lehr- und Ausbildungszeit haben, wenn sie traditionsgemäß in den Gesellenstand erhoben werden“, so der Kreishandwerksmeister. Mit seiner Idee, die Freizusprechenden im Pkw zu einer „Drive In-Feier“ auf den V-Baumarkt-Parkplatz einzuladen, lag Klauer goldrichtig. Viele Stunden habe man im Vorfeld beisammen gesessen, Ideen entwickelt und wieder verworfen. Schließlich habe es „gefunkt“ und so konnte auch in schwieriger Zeit dieser besondere Tag gebührend gefeiert werden.

Neben den zahlreichen mit Autos angereisten Junghandwerkerinnen und -handwerkern begrüßte Kreishandwerksmeister Robert Klauer auch einige Ehrengäste. Neben Oberbürgermeister Stefan Bosse hatten sich Paul Brugger,Vizepräsident der Handwerkskammer Schwaben, sowie Angelo Picierro, Vorstandsmitglied der Kreis- und Stadtsparkasse Kaufbeuren zu dieser Feierstunde eingefunden. Berufsschuldirektor Bertram Knitl hatte sich aufgrund der Corona-Situation an seiner Schule entschuldigt.

In seiner Begrüßung erklärte Robert Klauer voller Zuversicht: „Wir lassen uns nicht ins Handwerk pfuschen, das heißt, wir nehmen Corona keinesfalls auf die leichte Schulter. Jedoch, wir lassen uns was einfallen, dass alles irgendwie weiterläuft. Gemeinsam werden wir auch diese Lage meistern“. Und so sprach er den jungen Leuten Mut zu und Anerkennung aus, in schweren Zeiten etwas erreicht und erfolgreich abgeschlossen zu haben. Er verglich dabei die nun beendete Ausbildungszeit mit einer Brücke. Ängstliche und Zaghafte ohne Vertrauen in die Zukunft würden an solch einer Brücke stehen bleiben und den Weiterweg hinüber zum anderen Ufer nicht wagen. Übermütige, so Klauer, springen ins Wasser und erreichen das jenseitige Ufer, wenn überhaupt, nur unter großer Gefahr und entsprechenden Schwierigkeiten. Dabei sei die Überquerung dieses Flusses dank der vorhandenen Brücke der mit Abstand sicherste Weg. Eine abgeschlossene Ausbildung im Handwerk sei dieser einzuschlagende erfolgreiche Weg über eine sichere, tragfähige Brücke. Mit dem Gesellenbrief in der Tasche hätten alle das sichere Ufer erreicht.

Auch OB Bosse betonte in seinem Grußwort, dass dem Handwerk eindeutig die Zukunft gehöre. Wenn auch augenblicklich schwierige Zeiten bevorstünden, dürfe man nicht verzagen. Vor einem Jahr hätte keiner daran gedacht, dass eine Freisprechungsfeier einmal unter freien Himmel stattfinden würde. Mit Ideenreichtum und dem festen Willen, trotz aller Schwierigkeiten das Ganze entschlossen anzupacken, habe man etwas Tolles erreicht. „Wir sehen zwischendurch verzweifelte Menschen, aber auch Menschen, die anpassungsfähig und willens sind, die Herausforderungen anzunehmen, um diese letztlich zu meistern. Das sind dann die Gewinner“, so Kaufbeu­rens Stadtoberhaupt.

Handwerkskammer-Vizepräsident Brugger hätte, wie er einleitend erklärte, viel lieber anstelle der vielen Autos in die glücklichen Gesichter von zufriedenen jungen Menschen geschaut, die erfolgreich ihre Ausbildung abgeschlossen haben. Dabei wies Brugger anerkennend darauf hin, dass die Ausbildung von diesem zu verabschiedenden Jahrgang unter keinen allzu „rosigen“ Voraussetzungen stattgefunden habe. Er könne aber bei diesem Anlass voller Zuversicht sagen: „Das Handwerk wird auch diese weltweite Krise gut überstehen und so können Sie mit Ihrem Gesellenbrief positiv in die Zukunft schauen. Seien Sie unbesorgt und genießen Sie diesen, Ihren Tag!“

Ähnliche Worte fand zum Abschluss auch noch Sparkassen-Vorstandsmitglied Picierro, der darauf hinwies, dass die hiesige Region, was das Handwerk betreffe, in weiten Teilen noch verhältnismäßig gut dastehe und auf die Beschäftigten genügend Arbeit warte.

Für Stimmung und Unterhaltung sorgte zwischendurch das Duo Bine & Joe von „Schmidtreissend“ mit fetzigen Darbietungen und einem unter die Haut gehenden Sound. Wie später zahlreiche Teilnehmer übereinstimmend erklärten, habe es viel Überwindung gekostet, diese tolle Band nur im Auto sitzend zu erleben. Viel lieber hätte man ausgelassen vor der aufgebauten Bühne das Tanzbein geschwungen und gefeiert.

So endete die Veranstaltung fröhlich, aber der Coronalage angepasst, mit der vom HWK-Vizepräsidenten ausgesprochenen Freisprechungsformel, die das Ende aller Pflichten und Aufgaben der Ausbildungszeit bedeutet. Insgesamt 138 junge Frauen und Männer aus 17 Ausbildungsberufen konnten verabschiedet werden. Reibungslos und bestens organisiert erfolgte die Übergabe der Prüfungszeugnisse bei Verlassen des Parkplatzes durch die geöffneten Pkw-Fenster. Eine außergewöhnliche aber überaus gelungene Veranstaltung nahm ihr Ende, die unter Umständen sogar ohne Corona eine Wiederholung verdienen würde.

In coronabedingten Sicherheitsabständen präsentierten sich die Prüfungsbesten zusammen mit den anwesenden Ehrengästen Oberbürgermeister Stefan Bosse (re.), HWK-Vizepräsident Paul Brugger (2. v. li.), Sparkassen-Vorstandsmitglied Angelo Picierro (2. v. re.) und Kreishandwerksmeister Robert Klauer (5. v. li.), der zusammen mit seinem Team viel Lob und Anerkennung für eine gelungene Freisprechungsfeier erhielt.

Auszeichnungen für hervorragende Prüfungsergebnisse und handwerkliche Leistungen

• Eine Auszeichnung durch die Stiftung Haus des Handwerks erhielten die Kammer- und Landessieger beim Leistungswettbewerb, dazu „erstes beruflich erworbenes Zusatzgeld“ in Höhe von 200 Euro sowie eine Option für weitere 500 Euro bei Ablegung der Meisterprüfung:

Christin Fuchs, Beton- und Stahlbetonbauerin; Lisa Krebentischter, Kauffrau für Büromanagement; Maximilian Reffle, Anlagenmechaniker; Sandra Schön, Malerin und Lackiererin; Lukas Schrettl, Glaser Fachrichtung Verglasung und Glasbau; Katrin Urban, Fahrzeuglackiererin

• Die ausgezeichneten Prüfungsbesten:

Andreas Josef Bauer, Feinwerkmechaniker Sparte Maschinenbau, Ausbildungsbetrieb: Fa. Pflanzelt, Frankau; Albert Jaud, Maurer, Ausbildungsbetrieb: Bauunternehmen Lang, Halblech; Maximilian Jungbauer, Schreiner, Ausbildungsbetrieb: Schreinerei Klein, Steingaden; Leon Knobloch, Schreiner, Ausbildungsbetrieb: Schreinerei Kreuzer, Oberbeuren; Dario Giancarlo Körber, Bäcker, Ausbildungsbetrieb: Körbers Backstube, Kaufbeuren; Pascal Fabian Liebenau, Zimmerer, Ausbildungsbetrieb: Zimmerei Häring, Obergünzburg; Nomi Nill, Friseurin, Ausbildungsbetrieb: Haartreffpunkt Kaufbeuren; Sebastian Nitz, Raumausstatter Sparte Polstern, Ausbildungsbetrieb: Geyrhalter Kaufbeuren; Chris Ostenrieder, Feinwerkmechaniker Sparte Werkzeugbau, Ausbildungsbetrieb: Fa. Simm Kaufbeuren; Jonas Ruhfaut, Straßenbauer, Ausbildungsbetrieb: Fa. Gabriel Buchloe

von Klaus-Dieter Körber

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