Nicht mehr Geld, aber Schutz hinter Plexiglasscheiben für Busfahrer

Kaufbeuren: Drohen erneute Bus-Streiks?

Bus mit Plexiglasscheibe Kaufbeuren
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Harald Scheibler kassiert jetzt wie viele seiner Kollegen nun zum Schutz vor den Aerosolen hinter einer Plexiglasscheibe.

Kaufbeuren – Die staade Zeit ist angebrochen. Still, ja zu still ist es auch zwischen dem Landesverband Bayerischer Omnibusunternehmen (LBO) und der Gewerkschaft Verdi. Die jüngste Verhandlungsrunde wurde für gescheitert erklärt. Beide Parteien wollen vorerst nicht mehr an den Verhandlungstisch zurückkehren. Rund 17.000 Busfahrer im gesamten Freistaat fordern einen neuen Tarifvertrag. 3,50 Euro mehr Stundenlohn sollen nach dem Wunsch der Arbeitnehmer in der Lohntüte landen. Eine schöne Bescherung wird es keine geben, allenfalls Warnstreiks könnte es in der Vorweihnachtszeit noch geben.

Schon im September und Oktober ließen die Mitarbeiter der Verkehrsgesellschaft Kirchweihtal ihre Busse mehrmals in den Depots, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Doch warum kommen sich Arbeitgeber und die Gewerkschaft Verdi nicht näher? Da Michael Bechteler, Geschäftsführer der Verkehrsgesellschaft Kirchweihtal GmbH, nicht selbst an den Gesprächen der Tarifparteien beteiligt ist, kann er hierzu gegenüber dem Kreisbote auch keine Auskunft geben. Allerdings macht er deutlich, „dass es nur zu einer gütlichen Einigung kommen kann, wenn beide Seiten auch Zugeständnisse machen. Dies ist meines Erachtens von Seiten des Arbeitgebers schon geschehen“.

Ein Dementi kommt dagegen von Harald Scheibler, Mitglied in der Tarifkommission für das bayerische Omnibusgewerbe. „Die Taktik des LBO war es, in der Corona-Pandemie eine Verschlechterung der Pausenregelung für die Arbeitnehmer herbeizuführen. Sie wollen diese Krise dafür nutzen, um langfristig einen niedrigen Tarifvertrag durchzudrücken. Das ist noch kein Entgegenkommen“, schimpft er in Richtung Arbeitgeberseite. Dennoch gibt Scheibler nicht auf und hat schon einen Lösungsansatz parat. „Die Betriebe, die gestreikt haben, sollen einen gemeinsamen Tarif, einen sogenannten Haustarifvertrag, erarbeiten.“

Doch dafür müssten alle Parteien wieder an einen Tisch. Laut Scheibler seien die Aussichten dafür überhaupt nicht rosig, wenngleich Michael Bechteler noch auf ein glückliches Ende hofft. „Diese wiederholten Arbeitskampfmaßnahmen schaden beiden Parteien mehr als sie bewirken.“ Harald Scheibler schließt mögliche Streiks auch noch im Dezember nicht mehr gänzlich aus. Der Kirchweihtalchef ist zwar gewarnt, doch könne er nie genau wissen, wie hoch die Streikbeteiligung sein werde und wie viele Fahrer ihm noch zur Verfügung stehen. „Dennoch sind wir bemüht, den Ausfall so gering wie möglich zu halten.“

Plexiglasscheiben eingebaut

Um die Busfahrer in Corona-Zeiten besser zu schützen, werden derzeit in allen Bussen Plexiglasscheiben im Eingangsbereich der Fahrerkabine montiert. Darunter sind 24 Busse, die mit Sicherheitsglasscheiben ausgestattet sind. Sie alle sind TÜV-zertifiziert und im Fahrzeugschein eingetragen. Der Betriebsrat machte dafür bei der Geschäftsführung Druck. Michael Bechteler rechnet damit, dass spätestens in der kommenden Woche alle Fahrzeuge umgerüstet, beziehungsweise die restlichen Scheiben verbaut sein werden.

Plexiglasscheiben werden nicht bezuschusst, aber Kirchweihtal hat für die Umrüstung ihrer Fahrzeuge 36.000 Euro vom Freistaat Bayern erhalten. Der Gesamtaufwand beläuft sich auf rund 68.000 Euro. Ob die Plexi­glasscheiben auch nach der Corona-Pandemie in den Fahrzeugen bleiben, soll in einem gemeinsamen Gespräch mit dem Betriebsrat entschieden werden.

von Stefan Günter

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