Kostbare Neuerwerbung: Eine Skulptur des Heiligen Sebastian von Jörg Lederer

Ein „Seuchen-Heiliger“ fürs Kaufbeurer Stadtmuseum

Heiligen-Statuen im Kaufbeurer Stadtmuseum
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Die jüngste Neuerwerbung des Stadtmuseums, der Heilige Sebastian, ein Spätwerk von Jörg Lederer, fügt sich wie bestellt in das Ensemble mit einer weiteren Jörg-Lederer-Plastik, dem Heiligen Petrus rechts und zwei Skulpturen von Hans Kels (links) aus der gleichen Zeit.

Kaufbeuren – „Es steht uns gut zu Gesicht, dass wir als Jörg-Lederer-Stadt eine weitere Figur von ihm für unsere Sammlung dazu gewinnen konnten“, meinte OB Stefan Bosse, als kürzlich die jüngste Neuerwerbung des Stadtmuseums, die insgesamt 80 Zentimeter hohe Figur eines Heiligen Sebastian, einem exklusiven Kreis vorgestellt wurde. Die Figur konnte durch die großzügige finanzielle Unterstützung der Ernst von Siemens Kunststiftung und vom Freundeskreis des Kaufbeurer Stadtmuseums e.V. angekauft werden.

„Es steht unserer Zeit auch hervorragend an, dass wir gerade jetzt einen so genannten Seuchen-Heiligen (Anmerkung der Redaktion: Der Heilige Sebastian wird als Schutzpatron gegen Pest und andere Seuchen verehrt) in den Mittelpunkt stellen können“, ergänzte Dr. Rainer Jehl, der Vorsitzende des Stadtmuseum-Freundeskreises, und verglich die Geschichte dieses Ankaufs mit einem Kriminalroman. Als das Werk dem Museum vom Kunsthandel angeboten wurde, passten die Kosten nicht im Entferntesten in den Budget­rahmen des Museums. Nur den weitreichenden Verbindungen der Siemens-Kunststiftung als potentem Kunstkäufer war es zu verdanken, dass diese Kosten bei der Versteigerung „nicht in den Himmel stiegen“.

Die Ernst von Siemens Kunststiftung hat sich der Förderung der Bildenden Kunst und insbesondere der Unterstützung und Bereicherung vorwiegend öffentlicher Kunstsammlungen verschrieben. Die anteilig erworbene Sebastiansfigur soll dem Stadtmuseum Kaufbeuren als unbefristete Leihgabe zur Verfügung stehen. Bereits 2012 unterstützte die Kunststiftung den Erwerb eines Reliefs von Hans Kels d. Ä. (wir berichteten), das an anderer Stelle in der Dauerausstellung ebenfalls gezeigt wird. Die Sebastiansfigur fügt sich im zweiten Stock der Dauerausstellung wunderbar in das Ensemble mit einer weiteren Jörg-Lederer-Plastik, einem großen Heiligen Petrus, und zwei Skulpturen von Hans Kels. Die Restauratorin Heide Tröger führte aus, dass Lederer seine Werke zwar nie signiert habe, dass ihm jedoch die Figur aufgrund der Gutachten von Dr. Matthias Weniger vom Bayerischen Nationalmuseum und Dr. Albrecht Miller, Museumsdirektor e. R., Otto­brunn, zweifelsfrei zugeschrieben werden kann. Beide Kunsthistoriker sind Experten auf dem Gebiet der spätmittelalterlichen Skulptur. Für Lederer charakteristische Stilelemente seien beispielsweise die dicken Korkenzieherlocken und ein „Faltenwurf mit großen, klaren Elementen neben kleinteiligen, in Wirbeln endenden Formen“. Die Zeichen des Martyriums, die Pfeile, sind bei dieser Skulptur nicht mehr erhalten, auch liegen typische Alterungsschäden wie fehlende oder ersetzte Finger und Zehen vor. Insgesamt sei der Zustand jedoch gut.

Heiliger Sebastian von Jörg Lederer (1530/20), erworben mit Hilfe der Ernst von Siemens Kunststiftung und des Freundeskreises des Kauf­beurer Stadtmuseums.

Eine wichtige Ergänzung

„Mit der Präsentation dieser Skulptur aus der Hand Jörg Lederers, einem der virtuosesten Bildschnitzer der Dürerzeit, erhält die Ausstellung ‚Typisch Kaufbeuren‘ eine wichtige Ergänzung, die dem Besucher die Leistungsfähigkeit der regional tätigen Schnitzwerkstätten unter Beweis stellt. Bei dieser absolut willkommenen Gelegenheit, das Stadtmuseum Kaufbeuren erneut zu fördern, die ganz im Sinne unserer Förderphilosophie steht, haben wir nicht lange gezögert“, so Dr. Martin Hoernes, Generalsekretär der Ernst von Siemens Kunststiftung, der bei dieser Vorstellung nicht anwesend sein konnte. Dass sich in der Sammlung des Stadtmuseums Kaufbeuren lediglich eine kleine Zahl an Werken von Jörg Lederer befindet, die aber weniger qualitätsvoll als der Sebastian sind, soll ebenso wie die positiven Gutachten zur Entscheidung, diesen Ankauf zu fördern, beigetragen haben.

„Die Neuerwerbung ist für das Stadtmuseum ein großer Glücksfall, nicht zuletzt, da Lederer in Kaufbeuren eine Werkstatt betrieb und neben dem ebenfalls in Kaufbeuren ansässigen Künstler Hans Kels d. Ä. (1480/1485-1559) zu den bedeutendsten Künstlern der spätmittelalterlichen Bildschnitzerei der Stadt zählt. Wir sind sehr dankbar, dass der Ankauf dank des Fördervereins und der Ernst von Siemens Kunststiftung ermöglicht wurde und wir nun eine weitere Skulptur des Kaufbeurer Künstlers in der Dauerausstellung präsentieren können“, merkte die Museumsleiterin Petra Weber an.

von Ingrid Zasche

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