Debatte um die Nutzung der Erdgas-Schwaben-Arena flammt wieder auf

Kommt noch eine ganz späte Einsicht?

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Wer darf die Erdgas-Schwaben-Arena nutzen? Europäische und deutsche Förderrichtlinien bedeuten hier starke Barrieren, etwa für kommerzielle Messen oder Shows.

Kaufbeuren – Der Verwaltungs-, Finanz- und Stiftungsausschuss fasste bei seiner Sitzung am vergangenen Donnerstag keinen Beschluss zur Beschaffung eines multifunktionalen, mobilen Hallenbodens für die Erdgas-Schwaben-Arena.

Die Diskussion zu diesem Thema endete mit der Entscheidung, erst einmal die vorhandenen Möglichkeiten und Notwendigkeiten weiter zu prüfen. Denn das Problem unter dem Eis des Stadions liegt tiefer, als es auf den ersten Blick scheint – und es ist sowohl in der Vergangenheit, als auch in der Zukunft verankert.

Worum geht es? Das Eisstadion, inzwischen ein anerkanntes und beliebtes Zentrum des sportlichen Lebens unserer Stadt, steht im Sommer für drei Monate leer und ungenutzt. Da bietet es sich natürlich an, es während dieser Zeit für weitere sportliche Betätigungen zur Verfügung zu stellen, etwa den Schulen oder örtlichen Sportvereinen. Einen solchen Vorschlag brachten jedenfalls im Februar 2019 der Bürgermeister Ernst Holy (KI) und der CSU-Fraktionschef im Stadtrat, Dr. Thomas Jahn, ein. Aber diese Anregung lässt sich nicht so einfach umsetzen.

Ein wichtiges Hindernis besteht darin, dass Boden unter dem Eis rutschiger ist als in der alten Sparkassenarena. Selbst Profi-Eishockeyspieler stehen hier, wenn sie auf Inlineskates zu spielen versuchen, vor großen Problemen. Nun hat zwar etwa der Deutsche Inlinehockey-Verband IHD Interesse bekundet, das Stadion für Turniere zu nutzen – aber auch Sportarten wie Inlineskating, Hockey, Hallenfußball oder Schul- oder Behindertensport sind auf diesem Untergrund kaum ausführbar. Um dieses Problem zu lösen, schlugen Holy und Jahn vor, einen mobilen multifunktionalen Hallenboden zu erwerben, der im Sommer aufgelegt und danach ausgebaut und eingelagert wird. Aber auch hier entstehen eine ganze Anzahl offener Fragen, etwa die nach den benötigten Funktionalitäten des Bodens: Für welche Sportarten soll er sich eignen – und für welche möglichen anderen Nutzungen?

Dieser letzte Halbsatz war in der Sitzung des Verwaltungsausschusses der Auslöser für eine Diskussion, die eigentlich als bereits längst abgeschlossen galt: Der Stadtrat und Landtagsabgeordnete der Freien Wähler, Bernhard Pohl, kam auf die Idee der Multifunktionsnutzung des Stadions zurück. „Ich bin froh darüber, dass CSU und KI ihre jahrelange Blockade gegen eine Multifunktionsnutzung des Stadions aufgeben und nun gemeinsam mit den Freien Wählern eine solche anstreben. Bei Manchem braucht es eben etwas Zeit, bis sich die Überzeugung durchsetzt, dass unsere Arena nicht nur für Eishockey genutzt werden sollte“, so sein Statement. Das sei, meinte Pohl, allerdings eine späte Einsicht, denn schon im Bürgerentscheid hätten die Freien Wähler dafür geworben, die Eishalle noch für viele andere Zwecke nutzbar zu machen. „Lange gab es hierfür im Stadtrat keine Unterstützung. Höchste Zeit, dass wir nun Wort halten und aus dem Eisstadion eine Multifunktionsarena machen“, erklärte er.

CSU-Stadtrat Christian Sobl mochte allerdings dieser Einschätzung rein gar nicht zustimmen. Und auch Oberbürgermeister Stefan Bosse erklärte, dass von einem Umschwenken überhaupt nicht die Rede sein könne. „Schließlich hätten“, wie auch der berufsmäßige Stadtrat und Vorstands-Vorsitzende des Kommunalunternehmen Eisstadion Kaufbeuren, Markus Pferner, erklärte, „die bisherigen Untersuchungen gezeigt, dass unter den heutigen Randbedingungen keine Nutzung außerhalb des Sport-Bereichs, und schon gar keine kommerzielle, umsetzbar wäre.“

Nutzung zu teuer

Diese Erkenntnis ergibt sich vor allen aus den Bedingungen der Nutzung von Fördermitteln für Errichtung und Betrieb des Stadions. Deren Einsatzzweck ist streng geregelt, nicht nur auf Bundes- und Landesebene, sondern auch im europäischen Recht. Das bedeutet etwa die Verpflichtung, bei einer kommerziellen Nutzung des Stadions durch externe Betreiber ein marktangemessenes Entgelt zu verlangen. In Abstimmungen mit dem Bayerischen Wirtschaftsministerium, die derzeit geführt werden, ergab sich aus der Höhe der Investitions-, Finanzierungs-, und Betriebskosten ein Monatsbetrag von 65.000 Euro, oder eben eine Miete von rund 200.000 Euro für die dreimonatige Sommersaison. „Damit“, so Pferners Einschätzung, „dürfte eine Ausschreibung wenig erfolgversprechend sein“.

„Ziel nicht aus den Augen verlieren“

Bernhard Pohl ficht das allerdings nicht an. Er beharrte darauf, dass das langfristige Ziel einer umfassenden Multifunktionsnutzung nicht aus dem Auge zu verlieren sei. „Ich habe das Wirtschaftsministerium gebeten, uns die Voraussetzungen dafür zu nennen, Großveranstaltungen in der Halle durchzuführen. Wir sollten zielstrebig darauf hinarbeiten, diese Möglichkeit mittelfristig zu bekommen. Das erhöht die Attraktivität unserer Stadt und stellt sicher, dass wir unsere Arena im Sinne der gesamten Bevölkerung Kaufbeurens bestmöglich nutzen“, betonte er. „Und ich kann mir auch vorstellen, dass sich nach der Europawahl neue Verhältnisse einstellen, die diese Vorstellungen leichter umsetzbar machen als die jetzigen.“

Prüfen, was möglich ist

Mit den recht konträren Standpunkten der Fraktionen im Stadtrat ließ sich dann lediglich der Kompromiss fortschreiben, der seinen Anfang bereits vor einigen Jahren nahm: Es wird geprüft, wie die Stadträte Catrin Riedl (SPD) konkretisierte, für welche für sportlichen Aktivitäten im Stadion es Interessenten gibt, und welche genauen Anforderungen an den Boden sich daraus ergeben.

Grünen-Fraktionschef Oliver Schill regte auch an zu überlegen, welche nicht-sportlichen, gemeinnützigen Veranstaltungen den Förderrichtlinien entsprechen würden. „Allerdings“, so räumte er ein „ist es stets schwierig, dabei die Grenzlinie zum Kommerz zu ziehen“.

Mit dem Auftrag an die Verwaltung, diese Prüfungen durchzuführen, wurde der Tagesordnungspunkt abgeschlossen. Da bisher keine Mittel für den Erwerb eines mobilen Fußbodens in die Finanzplanung eingestellt sind und dessen Pflege, Handhabung und Lagerung ebenfalls zu klären wären, ist zumindest für die kommende Sommersaison keine Veränderung zu erwarten. Aber vielleicht ergibt sich eine Lösung des Gesamtproblems der Nutzung, wie Bernhard Pohl annimmt, doch noch durch künftige Veränderungen der Auflagen aus München und Brüssel. Das könnte dann zu einer ganz späten Einsicht führen, und zu einer ausgewogenen und von einer überzeugenden Mehrheit des Stadtrates getragenen Entscheidung. Aber das kann noch dauern...

Von Ingo Busch

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