Vorstellung von Band 20 der Kaufbeurer Schriftenreihe in St. Dominikus

Kaufbeuren und der Erste Weltkrieg

+
Autor Werner Weirich (v.li), Autorin Petra Schweizer-Martinschek, Herausgeber Dr. Stefan Dieter, Verlegerin Elisabeth Bauer sowie Autor Christian Strobel. Nicht im Bild: Autorin Corinna Malek.

Kaufbeuren – Anlässlich der Beendigung des Ersten Weltkrieges vor hundert Jahren wurde Band 20 der Kaufbeurer Schriftenreihe dem Thema „Kaufbeuren und der Erste Weltkrieg“ gewidmet. Vor Kurzem hat der Bauer-Verlag das Buch in St. Dominikus vorgestellt.

Herausgegeben wird die Schriftenreihe gemeinsam von Stadtarchiv, Stadtmuseum und dem Heimatverein Kaufbeuren e. V. – dem „Trias der Heimatpflege“, wie es OB Stefan Bosse in seinem Grußwort formulierte. Diese Schriftenreihe zur Kaufbeurer Heimatgeschichte sei einmalig und werde auch überregional lobend erwähnt.

Obwohl die Stadt Kaufbeuren weit weg von den Schlachtfeldern lag, auf denen zwischen 1914 und 1918 der Erste Weltkrieg tobte, veränderte der Krieg doch unmittelbar den Alltag in der Heimat. Nicht nur mussten die Menschen um ihre Angehörigen an der Front bangen, sondern auch die Versorgung mit Lebensmitteln und Wirtschaftsgütern wurde zunehmend problematisch. Mangel, Hunger, Krankheiten und neue soziale Probleme traten auf.

Vier Autorinnen und Autoren hatten sich unter der Schriftleitung von Dr. Stefan Dieter mit den unterschiedlichen Aspekten der Kriegsauswirkungen speziell in Kaufbeuren beschäftigt und stellten ihre Beiträge auch selbst vor. Das Kapitel von Literatur- und Geschichtswissenschaftler Christian Strobel handelt von Kriegswirtschaft und "Heimatfront" und beschreibt die wirtschaftlichen Folgen des Krieges. „Das Lazarettwesen in Kaufbeuren im Ersten Weltkrieg“ untersuchten Corinna Malek, seit Juni 2018 Kaufbeurens neue Heimatpflegerin, und Dr. Petra Schweizer-Martinscheck, wissenschaftliche Betreuerin des Historischen Archivs am Bezirkskrankenhaus Kaufbeuren. Werner Weirich schließlich, Vorstandsmitglied in sämtlichen Kaufbeurer Heimatvereinen, hat die „Nagelung des Kaufbeurer Kriegswahrzeichens“ am Fünfknopfturm 1917 detailliert dargestellt sowie den Übergang von der Monarchie zum „Freistaat“ Bayern und die Monate der Revolution und Räterepublik in Kaufbeuren.

Die musikalische Umrahmung der Veranstaltung oblag Albin Wirbel an der Orgel, mit Stücken, „die ganz prägnant verschiedene Facetten eines Krieges beleuchten“: einem feierlichen Prozessionsmarsch, einer trauernden Sarabande, einer zuversichtlichen Aria und schlussendlich einem Siegesmarsch. Wirbel hatte zudem in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Fördervereins St. Dominikus die Gäste im „vermutlich ältesten Steingebäude Kaufbeurens“ begrüßt. Sein kurzer Abriß der Geschichte des Kirchleins wurde von Dr. Dieter später noch ausführlich erweitert.

Welcher Ort hätte für eine derartige Buchvorstellung besser passen können, als diese kleine Kirche, die man bei der Sanierung nach dem Ersten Weltkrieg zur Erinnerungsstätte für Kaufbeurens Gefallene gestaltet hat. Inzwischen wird St.Dominikus als christlich-kultureller Veranstaltungsraum für Lesungen und Konzerte genutzt. Außerdem ist es spirituelle Heimat für viele koptische Christen aus Syrien und Ägypten, die dort ihre bis zu drei Stunden dauernden Gottesdienste feiern. Für die Besucher der Buchvorstellung trug eine Gruppe junger Eritréer in weißen Umhängen zu den Klängen einer selbst gebauten E-Gitarre drei Strophen von Psalm 23 vor. Die weißen Umhänge symbolisieren „Reinheit, Sauberkeit, Unschuld, Heiligkeit des Herzens – Eigenschaften, welche Diener Gottes haben sollten“.

Eine perfekte Ergänzung des Buch-Themas ist die P-Seminar-Ausstellung „Kaufbeuren im Ersten Weltkrieg“, die ab 9. November im Fünfknopfturm zu sehen sein wird. Vertreterinnen des von Schülerin Maria Beinborn koordinierten Seminars am Mariengymnasium (wir berichteten) wiesen auf ihre Ausstellung hin.

von Ingrid Zasche

Auch interessant

Meistgelesen

Ehepaar beschuldigt Marktoberdorfer Landwirt der Gewaltanwendung gegen Sohn – Bauer widerspricht
Ehepaar beschuldigt Marktoberdorfer Landwirt der Gewaltanwendung gegen Sohn – Bauer widerspricht
Keine Stille Nacht allein unterm Baum
Keine Stille Nacht allein unterm Baum
Sparkassenvorsitzender Winfried Nusser hat große Pläne für die Zukunft
Sparkassenvorsitzender Winfried Nusser hat große Pläne für die Zukunft
28-jähriger Mann aus Buchloe vermisst
28-jähriger Mann aus Buchloe vermisst

Kommentare